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Hzschenyt, Paul 234 <3)6chenyi) Paul
(geb. zu Gyöngyös t642. gest. am 22. Mai
i7i0). Ein Sohn Lorenz Szschenyi's
aus dessen Ehe mit Judi th Gel lsn . und
ein Bruder Georgs (II.) lS.23l. Nr. 52)
ersten Grafen von Szschenyi. des unter
dem Namen „Schrecken der Türken" bekann»
ten Helden. Dem geistlichen Stande sich
widmend, studirte er zunächst in Wien. dann
in Rom und trat 4662. 2« Jahre alt. zu
Warndorf in den Pauliner Eremitenorden.
Nachdem er längere Zeit als Professor der
Theologie zu Preßburg, alsdann zu Tyrnau
gewirkt hatte, bekleidete er auch verschiedene
Aemter im Orden selbst, in welchem er noch
lange Iah« verblieb, obwohl man ihm
höhere geistliche Würden wiederholt an»
bot. Auch als ihn der päpstliche Nun«
tiuS in Wien zum Uebeltritte in den
Eistercienserorden bereden wollte, lehnte er
entschieden ab. In den Jahren !687—l697
führte er nacheinander die Verwaltung der
Bisthümer von Fünftirchen und Veszprim
und später jene von Kalocsa. Als sein be«
lühmtec Oheim, der Graner Erzbischof und
PrimaS Georg (I.) sS. 229. Nr. t l) .
1693 das Zeitliche gesegnet hatte, wurde
ihm und seinen Nachfolgern in der canonisch
vereinigten Kalocsaer und Bäcser Trzlirche
von Kaiser Leopold I. die Obergespans«
würde deS Bäcser Comitates verliehen. Be«
reits in jenen Tagen ging man in Regie«
rungskreisen mil dem Gedanken um, Ungarn
auf völlig deutschen Fuß zu sehen, aber
schon den Bemühungen, ihn auszuführen,
werden immer nur Weh und Jammer folgen.
Als darüber m Wien berathen wurde, sprach
Paul entschieden und offen seine gegen,
theilige Meinung auS. Der Jesuit Stephan
Katona hat uns diese denkwürdige Ant«
wort Pauls in seiner »Nstoria oiütioa
lezuin 2u,n3»riks" aufbewahrt. Durch seinen
stolzen Freimuth lenkte der würdige Priester
den Blick des Kaisers Leopold I. aus
sich, als eS galt, anläßlich der Rätöczy'«
schen Unruhen den richtigen Vermittler zu
wählen. Die politischen Verhältnisse in Oester«
reich lagen zu jener Zeit tief im Araen. Der
spanische Erbfolgekrieg war im Auflodern,
die verbündeten Franzosen und Bayern
drangen von Passau her in österreichisches
Gebiet und sielen in Tirol ein; im Süden
drohten die Verluste der Lombardie und
Siciliens; Spanien und mit ihm Indien
sollten in Philipp von Anjou ihren tünf«
tigen Herrscher anerkennen. Kein Wunder, wenn die malconlenten Ungarn eine so gün»
stige Gelegenheit benutzten, im Trüben zu
fischen, sie erschienen im Marchfelde, bedroh«
ten sogar Wien. sengten und mordeten in
Mähren, spannten ihre Fangarme bis nach
Schlesien hinüber, und Rätöczy ließ sich
zu Weißenburg zum Fürsten Siebenbürgens,
zu Seczyn zum Haupt des conföderirten
Ungarn, zu Lublin zum Könige Polens
wählen. So standen verwickelt und ver«
schoben alle Verhältnisse. Da that ein Mann
von Paul Szschenyi'S Art noth; furcht»
los stand er Rätöczy und dessen wüsten
Genossen im Gyönayöser Lager gegenüber.
„Wir mögen ihn nun erblicken", schreibt ein
Historiker in der Schilderung jener bewegten
Zeit, „wie er mitten unter dem wilden Jubel
der Tafel des Gyöngyöser LagerS Rät<5czy's
und Bercseny's frevlen Hohn über Ge»
wissen und Unsterblichkeit. Gott und Ewig-
keit mit demosthenischem Donner nieder-
wirft, wie er die kaiserlichen Feldherren zur
Mäßigung, die Gesandten der Vermittler
zur Bundestreue mahnt, und im reißendsten
Wechsel der Siege und Niederlagen, des
Sonnenscheins und der dunklen Wolken der
Hofgunst, immer der nämliche bleibt für
Gott. den König und das Vaterland!" Moch«
ten die Räk6czy'schen seine Güter verwüsten,
Feldmarschall Siegbert Graf H eister. ihre
gefurchtere Zuchtruthe, der Sieger von Tyrnau,
vun Trencsin. von Rouchny, Miene machen.
id>n aus der Residenz zu drängen, ihm
Boten und Depeschen auffangen, ja ihm
— dem Vermittler des Kaisers — Briefe
schreiben, wie sie nur ein hochfahrender,
ungestümer Geist hervorbringen konnte, alles
das brachte ihn nicht aus seinem Gleich»
muth, ließ ihn keinen Augenblick die Auf«
gäbe vergessen, die er zu lösen hatte. Glück«
lich vermittelte er den Waffenstillstand, be«
reitete auch den Frieden vor. recht in dem
milden versöhnenden Geiste seiner Familie,
deren Wappen, die Taube mit dem Oel«
zweige, gleichsam das Symbol dieses Gei<
stes ist. Den Abschluß des Friedens sollte
er nicht mehr erleben. Nachdem er in Wien
gewesen, wohin ihn Joseph I., der ihm
seine ganze Huld schenkte, zu einer wichtigen
Berathung berufen hatte, kehrte er in sein
Vaterland zurück, wurde aber auf der Heim«
reise zu Oedenburg von einer Krankheit
befallen, die den 68jährigen Greis dahin«
raffte. Bei den Paulinern in Warndorf, wo
er seine priesterliche Laufbahn begonnen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Volume 41
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Susil-Szeder
- Volume
- 41
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1880
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 340
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon