Page - 254 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Susil-Szeder, Volume 41
Image of the Page - 254 -
Text of the Page - 254 -
i, Stephan 264 i) Stephan
Banquier nacheilen und ihn zĂŒchtigen
wollte. Da hielt ihn der FĂŒrst mit Ge-
lassenheit zurĂŒck und sprach, ihm die
Hand auf die Schulter legend: âBeru»
hige Dich, S tef i , ich habe es heute zum
AeuĂersten kommen lassen, nicht meinet«,
sondern Deinetwegen. Ich bin ruinirt,
nicht durch meine Schuld allein, auch
meine Vorfahren haben redlich ihr
Theil zum Ruine unseres Hauses bei»
getragen. M i r ist nicht mehr zu helfen;
aus dem Schlamme, in dem ich stecke,
vermag ich mich, selbst mit Anspannung
aller Kraste. nicht mehr herauszuarbeiten.
Aber Du, Du bist eben daran, eS meinen
Ahnen und mir gleich zu thun, ein Ver«
mögen, das Dein Vater Dir wohl«
geordnet hinterlassen, zu vergeuden und
mit Schulden zu belasten. Dir muĂte ich
eine Lehre geben, wohin es unter solchen
Umstanden fĂŒhren kann. Wenn Du noch
eine Ader vom echten Edelmann, wenn
Du noch wahres VaterlandsgefĂŒhl in
Dir hast, dann wende alles daran, um
nicht einer Erniedrigung zu verfallen,
deren Zeuge Du eben gewesen bist. Noch
ist es Zeit, den ungarischen Adel, der seine
Freiheit liebt, aus der Umgarnung, zu
befreien, die seinen Trotz bricht und ihn
in eine AbhÀngigkeit versetzt, welche man
in jenen Kreisen, denen unsere Unabhan«
gigkeitsliebe ein Dorn im Auge, so gern
sÀhe, weil man uns eben ohnmÀchtig
wĂŒnscht gegenĂŒber den UnterdrĂŒckungen
unserer alten Rechte und Freiheiten.
Also, S te f i . möge dieses Erlebnià Dir
eine Lehre sein, mit Deinem Vermögen
hauszuhalten, im Uebrigen aber auf
Mittel zu sinnen, uns als reichsten Grund«
beschern der Monarchie einen sittlichen
und natĂŒrlichen Credit zu schaffen, damit
wir nicht in die Klauen jener Blutsauger
treiben, von denen Du eben eine aus.
geprÀgte Species kennen gelernt hast". Auch dieser Vorfall kann, so oder wenig
anders, stattgefunden und Graf Ste»
pH an daraus die Lehre gezogen haben,
welche die Richtschnur seines spateren
Handelns bestimmte. MĂ€chtig muĂte
jedenfalls die Veranlassung gewesen sein,
die aus dem âleichtlebigen" Ofsicier, wie
die meisten Biographen ihn zu nennen
belieben, mit einem Male den Mann
rastloser Arbeit und den auf die GröĂe
seines Vaterlandes mit allen Hebeln hin»
arbeitenden Politiker und Patrioten ge«
staltete. War denn Graf S t e p h a n
wirklich nur der leichtlebige Huszaren«
Ofsicier gewesen, der nichts that als die
Renten eines ansehnlichen Vermögens
verzehren? Wir sind anderer Ansicht:
Denn als sein Vater im December 1820
starb, beschÀftigten ihn schon Gedanken,
welche ganz im Einklang stehen mit
seinem wenige Jahre spater erfolgten
Auftreten in der Oeffentlichkeit. I n seinen
eigenhÀndigen Aufzeichnungen sindet sich
folgende Stelle: âSeit mein durch so
viele bĂŒrgerliche Tugenden glĂ€nzender
Vater als âUngar" hoffnungslos in das
Grab gestiegen, vergleiche ich unaus«
gesetzt die Lebenszeichen anderer Nationen
mit denen der Ungarn, damit ich daraus
ersehe, ob zu deren Auferstehung Hoff.
nung sei oder nicht. Dies ist die höchste
Aufgabe meines Lebens". Wer so als
Ofsicier schreibt, ist kein leichtlebiger
Huszar, sondern ein bewuĂter Denker,
der sicherm Schrittes einem bestimmten
Ziele entgegen geht, welches ihm eben
durch VorgÀnge gesteckt war, wie deren
zwei bereits mitgetheilt wurden. I m
Herbst 1823 kam Graf Stephan â
er zĂ€hlte damals 34 Jahre â auS Paris
in sein Vaterland zurĂŒck, und am 3. No«
vember nahm er im PreĂburger Land.
tage seinen Sitz in der Magnatenkammer
ein. Mit diesem Tage tritt das Leben
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Volume 41
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Susil-Szeder
- Volume
- 41
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der UniversitÀts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1880
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 340
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon