Page - 257 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Susil-Szeder, Volume 41
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S)6chenyi) Stephan 257 i) Stephan
Costume zu Pferde,
und zwar auf einem Ponny, der nur so
hoch war, daß des ReiterS Füße fast den
Boden berührten, waS ein Bild gab ahn«
lich dem eines englischen Landlords oder
eines SquatterS der Hinterwäldler ssiehe
unter den Porträts S. 277, Nr. 11 und
S< 278. Nr. 13). So auffallend, fast barok
diese Erscheinung war, lachte doch Nie.
mand über den Aufzug: denn erstens hielt
man dies für sublimste Feinheit einer
uns noch unbekannten Mode, und dann
hatte man sogar vor dem alten guten
Palatinus von Ungarn kaum einen
größeren Respect, als vor dem edlen
en, der mit Jedermann auf der
fse sprach, mit all' den Bürgern wie
mit Seinesgleichen umging, in alle
Läden lachend und laut redend eintrat
und doch durch einen eigenthümlichen
Aristocraiism des Benehmens einen
Nimbus um sich verbreitete, daß sich
Alles tief verneigte. Und dann dazu
dieser Blick, dieses fürstliche Antlitz!
Szöchenyi hatte einen großen Kopf.
schwarze, meist kurzgeschnittene Haare,
eine kleine gebogene Adlernase, Schnurr«
und daS Gesicht ringsum einrahmenden
kurzen Backenbart und — was der Phy.
siognomie einen besonderen Accent ver»
lieh — dichte buschige, weit vorstehende
und über dem Nasenbein zusammen»
gewachsene Augenbrauen, wie sie die
griechischen Dichter so gern als beson-
dereS SchönheitSattribut an Knaben und
Mädchen preisen. Der Blick des Auges
war glühend, scharf, blitzend, umher»
schweifend, ebenso die Rede, ob deutsch,
ob ungarisch, sehr aphoristisch, epigram,
matisch, vom Hundertsten ins Tausendste
abirrend und umherspringend, witzig,
auch blos witzelnd, und dabei dieselbe
Manier, die auch Graf Louis Bat«
thyany i besaß, den Kopf mit eigen»
v.Wurzbach. biogr. Leriton. XI.I. thümlichem Chic zurückzuwerfen, gleich
dem leichten Bäumen der Pferde. Alles
an dem Manne lebte, aber nicht in hef.
tiger Gesticulation, gleich wie bei einem
lebhaften Neapolitaner, sondern auf»
zuckend, fast berechnet auf Originalität,
aber auf englisirte. Daß auf deS Grafen
äußeres Wesen, und wohl auch auf sein
inneres, England nicht geringen Einfiuß
geübt, möchte sich wohl aus seinen oft-°
maligen Besuchen des Insellandes, deren
einzelne sogar von langer Dauer waren,
erklären lassen; war doch Graf Sie»
pH an nicht weniger denn sechzehnmal
in England gewesen, und dieser wieder«
holte Auftnthalt auf dem classischen
Boden der politischen Freiheit, des Welt-
Handels, der Weltindustrie und oeS^präk-
tischen Verstandes fällt zum beiweitem
größeren Theile auf die zweite Periode
seiner militärischen Laufbahn, auf die
Zeit nach dem Wiener Congreffe (1813
bis 1826), worin wir denn wieder
einen Beweis dafür erblicken, dah der
Graf nichts weniger als unvorbereitet
ins öffentliche Leben getreten, denn nach
England reist man nicht wie nach Paris,
um sich zu vergnügen, sondern um zu
lernen, um arbeiten zu sehen und allen»
falls selbst zu arbeiten, fei eS mit dem
Geiste, fei eS mit den Handen. Vor
allem beschäftigte ihn im Beginn seiner
öffentlichen Laufbahn der Plan einer
directen Verbindung Pesth.Ofens mit
dem schwarzen Meere auf der regulirten
Donau. Aber dieser herrliche Plan, für
den die an der Donau wohnenden
Völker nicht reif genug schienen, scheiterte
an den Klippen der sich entgegenthür»
menden Verhältnisse. Indeß ganz ohne
Erfolg blieb sein Eingreifen in diese
Angelegenheit nicht, denn durch ihn
wurden die Ingenieurarbeiten veranlaßt,
durch ihn die Sprengung der unteren
. Juli 1880.) 17
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Volume 41
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Susil-Szeder
- Volume
- 41
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1880
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 340
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon