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i) Stephan 288 i) Stephan
mann« erschuf, er hatte nur einen großen
Fehler, ein zu großes Herz. Staatsmänner
mit groĂźen Herzen werden stets unglĂĽcklich
l>läs Franz S t a d i o n Bd. XXXVII,
S. i ) ; ich fĂĽhlte mich zu dem Manne nie
sehr hingezogen, denn zu einem Diplomaten
war er zu empfindsam, zum Administrator
zu weitblickend. Die Vorsehung hat sich ver
griffen, als sie diesen Mann schuf, sie wollte
zwei große Männer schaffen, und sie knetete
Einen aus den Stoffen." — Paul Gyulai
Ăśber Szo'chenyi. Ganz anders als die
landläufigen Urtheile über den „großen
Ungarn", von denen das eine irwt^N» inn-
t»Näl« der Abklatsch des anderen ist. laute
das Urtheil des genialen Paul Gyulay
UberSzschtznyi, den er, obgleich von dem,
selben nur ein Gedicht bekannt ist, unter
die Poeten seines engeren Vaterlandes
aufnimmt. „Sz6chen yi". schreibt Gyulay
„ist in seiner ersten wie in seiner'letzten
Flugschrift ebenso sehr Staatsmann als
Dichter, ein Vatoe, wie die Alten den
Dichter zu nennen pflegten. Seine tiefe
Einsicht, seine glĂĽhende Begeisterung erhoben
sich zur Prophezeiung. Was er von der
groĂźen Zukunft der Ungarn weissagte, fand
Glauben, erweckte Begeisterung, wurde sogar
zum Losungsworte einer ganzen Epoche.—
Sein ^ProgramW-Frasment" (l84?> oer.
Nang, Niemand glaubte der Weissagung,
daĂź das Land am Rande eines Abgrundes
stehe und in der Fluth der Revolution
Alles, was wir bis dahin errungen, ver»
lieren werde; die Ereignisse aber bestätigten
sie. Eine Nation, die sich endlich au6 der
Verzweiflung zum Glauben an sich empor»
gehoben, entsagt diesem nicht leicht und
noch dazu auf das Wort desselben Mannes,
der ihr zuerst den Glauben eingeflößt hat.
Als Szschenyi in seinem „Mtel" die
neuen europäischen Ideen verkündend, von
ihrer Nildnerkraft die Neugeburt der Ver«
fassung, der Nationalität und der Gesell,
schaft erwartend, nicht zögerte, es auszu»
sprechen, daß Ungarn nicht war, son«
dern erst sein werde, da regte es
jedes Ungarherz auf. In seiner Begeisterung
lag etwas Heilines, aber auch Entweihendes,
ein gewisses Gemisch von Enthusiasmus
und,Spott, das zwar oerschiedenarria, aber
doch auf Jedermann wirkte. Szschenyi
schmähte die Vergangenheit, den einzigen
Stolz des Ungarn, und versprach ihm dafĂĽr
eine.Zukunfti von welcher dieser nicht einmal zu träumen gewagt; Szschenyi verspoh,
tete Ken nationalen Schmerz, dies einzige
treue GefĂĽhl des Ungarn, und forderte von
diesem kĂĽhnes Hoffen und Glauben auf den
TrĂĽmmern eines LandeS. an dessen Zerfall
schon jedes Auge gewöhnt, und forderte einen
groĂźen EntschluĂź, dessen jedes Herz schon
entwöhnt war. Ein Aufschrei der Negeiste
rung und des Hasses begrĂĽĂźte den Seher,
den Reformator, den Agitator und die Na«
tion betrat die Bahn der Reform. Der Er»
folg brachte den HaĂź zum Schweigen,
Schwierigkeiten erstickten das Jauchzen, aber
der Glaube erlosch nun nimmermehr!" So
schreibt Gyulay. Aber er hat Eines hinzu,
zusetzen vergessen: Der edle Seher, der diese
Prophezeiung verkĂĽndet, hat dieselbe mit
seinem Herzblute besiegelt. So sprang Cur
i ius in den Abgrund, um sein Vaterland
zu retten — Szschenyi ein Heiliger.
Dem »,7ouru»1 äss vsbkt-g" passirt in einer
der Mai«Nummern des Jahres l845 etwas
Menschliches — wie denn dergleichen
Menschlichkeiten den französischen Journalen
in Schilderung fremdländischer Zustände und
Personalien gerade nicht selten unterlaufen.
Also gedachtes «3ournKi äss vsdats« macht
den Grafen Stephan Szschenyi zu
einem Heiligen, verfĂĽhrt durch das vor dessen
Namen stehende St. (Stephan. Htionns)
nennt es ihn Säint .Szschenyi . Näher
betrachtet sieht die Sache' gar nicht so
schlimm aus. da die Vorsilbe Szent sich
vor vielen ungarischen Familiennamen be«
findet, wie.- Szent» Györgyi . Szent«
I lonay . Szent . I väny i . Szent«
I o b i , Szent 'K i rä ly , Szent Mär«
toni , Sz entpetere, Szent > Simon y i
u. s. w., wie es denn auch in Frankreich
viele Namen gibt, denen das Samt voran»
geht, wie Sa in t 'Au la i re , Sa in t - Iu -
lien. Saint« Genois. Saint 'Geor-
ges, Sa in t 'H i la i re , Saint ,Just.
Saint<Marc, Saint ,Sever in, Saint«
Simon und noch viele andere. — See-
tionsbefund der Leiche Szvchenyi's.
Die „Wiener medicinische Wochenschrift"
theilte ĂĽber die Section der L>iche Sz s-
chenyi's folgenden Befund mit: „Der
SchuĂź wurde an dem inneren Winkel des
rechten Auges angebracht und verursachte
vollständige Zertrümmerung des Schädel»
dacheS, linkerseits herabreichend bis zum
OberkiefergerĂĽste; die TrĂĽmmer des Scha
dels lagen zerstreut im Zimmer, die Hirn«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Volume 41
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Susil-Szeder
- Volume
- 41
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1880
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 340
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon