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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Susil-Szeder, Volume 41
Page - 292 -
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Page - 292 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Susil-Szeder, Volume 41

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Maria 292 Maria den Inhalt des Briefes. Wesse lsny i bekannte darin, daß er, getrieben von de> Bewunderung' ihres Muthes und von dem unwiderstehlichen DrĂ€nge, die ob ihrer Schön, heit allgemein gepriesene Frau zu sehen, Zu, flucht zu dieser 3ist genommen, und nun vachdem er vor ihr gestanden, biete er ihr Herz und Hand an. Wesselsnui. eine stattlich schöne Erscheinung, hatte sichtlich auf die edle Heldin Eindruck gemacht. Lange ging Mar ia ĂŒber den Antrag mit sich zu Rathe, endlich aber kam sie doch zum <3nt< schlusse, und sie schrieb an den ritterlichen Brautwerber: ^Wolle der Schreiber Antwort haben, möge er sie gelbst holen. Sei er red, lich, Muth seine Tugend, so sinde er an der Kordseite der Vefte in der Mitternachts. stunde ein erleuchtetes Fenster, zu dem vom « Boden aus eine Strickleiter fĂŒhre, auf wel cher er, jedoch ganz allein, der Entscheidung entgegeneilen möge". Die Antwort lautete anders, als Wesselsnyi erwartet hatte, aber nach einigem Ueberlegen wollte er den Schritt doch wagen. Nur Einem vertraute er sich an und traf Anordnungen fĂŒr den Fall, daß das Abenteuer einen anderen, als den erwarteten Verlauf nehmen sollte. Zur festgefetzten Stunde der Nacht begab er sich an die bezeichnete Stelle, und siehe da, die Strickleiter hing herab. Nach kMem Beden» ten stieg er auf derselben empor und er» reichte das Fenster, von welchem er in ein leeres, matt erleuchtetes Gemach sprang. Kaum aber hatte er den Boden erreicht, als er. von rĂŒckwĂ€rts ergrissen, niedergeworfen wurde. Dann brachte man den Ueberlisteten in ein kleines, festes, vergittertes Gelaß, worin er aber nur kurze Zeit allein blieb, denn in einer Weile erschien ein Ă€lterer ernst blicken» der Mann und brachte ihm folgende Bot» schaft: wenn er die Sache seines Gebieters verlassen und ein AnhĂ€nger RĂ€koczy's werden wolle, biete ihm die Herrin des Schlosses die Freiheit und ihre Hand; weigere er sich. diesen Antrag anzunehmen, so sei er und seine Truppe sicherem Verderben ver- fallen. Mit EntrĂŒstung lehnte Wefselenyi diesen Antrag ab, der Burgfrau jedes Recht ĂŒber ihn und sein Leben bestreitend. „Hier ist von Rechr keine Rede", entgegnete der Abgesandte, „sondern blos von der Macht. einen erlangten Vortheil auszunĂŒtzen. I n einer Stunde kehre ich zurĂŒck, bis dahin wĂ€hlet zwischen Uebertritt oder Tod". Aber W e ssel6 nyi,schwankte nicht in der Wahl. Als in der festgesetzten Frist der Abgesandte wieder erschien und alles versuchte, ihn zum Uebertritte zu bewegen, beharrte der Held fest auf seinem EntschlĂŒsse. Nun fĂŒllte sich der Kerker mit Gewappneten und ihnen folgte mit entblĂ¶ĂŸtem Schwerte der Henker. Wessel6nyi zagt nicht und schreitet erhöbe« nen Hauptes dem Vollstrecker des Gewalt» spruches entgegen. Nach kurzem Gebete ruft er ihm zu: »Thue, was deines Amtes ist". Schon holt der Henker das Schwert zum Streiche aus, da ruft eine helle Stimme: „Halt!", und vor Wesselsnyi triit die Burgfrau. «Du hast", spricht diese, „die Probe wie ein echter ungarischer Edelmann bestanden. Einem solchen Manne meine Frei« heit zum Opfer zu bringen, zage ich nicht. Hier meine Hand und mit ihr diese Veste, die von nun an Dir und Deinem Könige gehört". Dies ist die Geschichte von Mar ia Szschy. der Burgfrau von MurĂ€ny, und ihrem Gemal Franz Nesselsnyi , nach der alles verklĂ€renden Dichtung. Die Historie klingt Ă€hnlich, aber doch wesentlich anders. Mar ia Szschy, eine geborene Sieben» bĂŒrgerin, hatte ihren ersten Gatten Adam Bethlen durch den Tod verloren, den zweiten, 5lepHan Nun, hintergangen und muthwillig verlassen und dadurch die sittliche EntrĂŒstung der vornehmen Gesellschaft wachgerufen. Nun begab sie sich nach Ungarn, um bei ihrer Mutter Mar ia geborenen Drugeth (gest. 1643) zu leben, welche auf ihrem Witwensch Murany wohnte. Es war die Zeit der R Ă€, koczy'schen Unruhen, und Mar ia hielt zum Rebellen und vertheidigte thatsĂ€chlich die Festung mit merkwĂŒrdiger Entschlossen- heit gegen die Kaiserlichen. Da es W es» selsnyi. dem FĂŒhrer der kaiserlichen Trup» pen und Commandanten der Festung FĂŒlek, trotz aller Versuche nicht gelang, die Burg Murany mit Gewalt zu nehmen, schlug er einen Ausweg ein. Von Maria's Helden» muth und bekannter Schönheit zur Bewun» derung hingerissen, warb er, nachdem er einen Diener Mar iens gewonnen, um ihre Hand und bat um ein Stelldichein. Sie gewĂ€hrte ihm dieses, und nun wurde der Plan verabredet, nach welchem Wesselsn yi in der Nacht vom 3. Juli 164t mit 600 Mann ohne Kampf nach MurĂ€ny gelangte und der Festung sich bemĂ€chtigte. Drei Tage spĂ€te« ließ er sich mit Mar ia trauen. Die Tin» nĂ€hme MmĂ€nys gewann Nessel snyi die volle Gunst des Kaisers, er wurde mit dem
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Susil-Szeder, Volume 41
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Susil-Szeder
Volume
41
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der UniversitÀts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1880
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
340
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
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