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Atehw, Johann 271 Sztehlo Andreas
ten, zu glücklicher Vollendung gedieh.
Wie aus einem ihn darstellenden Lebens»
bilde ersichtlich, brachte eine Ferienreise
über Potsdam, Berlin, Dessau, Halle,
Merseburg, Jena und Weimar den rei«
senden Candidaten mit Grießbach,
Wie land und Goethe zusammen.
Leider liegen über diese Begegnungen
keine näheren Nachrichten vor. Auf der
Rückkehr in das Elternhaus wurde er
4811 zu Neusohl feierlich ordinirt und
dann zu Petrovacz als Amtsgehilfe seines
alternden Vaters installirt. 4813 erhielt
er die Predigerstelle zu Ludwigsdorf
(Podina), einer Militärgemeinde im
Deutschbcmater Grenz.Negimente. Dort
brachte er drei Jahre, bis zu seines
Vaters 1813 erfolgtem Tode, zu und
folgte nun dem Rufe der Gemeinde Pe-
trouacz Mr Uebernahme des mühevollen
AmteS.'''Aas vor ihm der Vater einge»
nommen hatte. Bis 1846 versah er
allein die beschwerliche Stelle, als aber
die Gemeinde auf 7M0 Seelen ange»
wachsen war. wurden dem bereits altern«
den Manne Capläne zugewiesen. Wie
rnühevoll. sein geistliches Amt gewesen,
erhellt auS der Thatsache, daß er, als er
noch ohne Aushilfe fungirte. an einem
Tage nicht selten drei bis vier Leichen«
predigten halten und außer dem tag«
ticken Gottesdienste die vielen Taufen,
Einsegnungen, Trauungen verrichten,
Kranke besuchen, (Konfirmanden unter«
richten, kurz bei Tag und Nacht seines
Amtes walten mußte. Zur Zeit der
Cholera, in den Jahren 1831 und 1836.
hatte er oft an einem Tage 20 bis
24 Leichen zu bestatten! Diese auSgebrei«
teteund mühevolle Seelsorge hinderte ihn
aber nickt, auf nicht minder Wichtiges
ein wachsames Auge zu behalten. So
erbaute cr in seiner Gemeinde Petrovacz
an Stelle des früheren unförmlichen Bet» Hauses eine stattliche Kirche, welche, im
October 1822 feierlich eingeweiht und
dem Gottesdienste übergeben, noch heute
weit und breit ein wahrer Schmuck der
dortigen Gegend ist. Auch das alte be«
reits baufällige Schulhaus konnte der
immer zahlreicher werdenden Gemeinde
nicht mehr genügen. Drei Jahre nach
Vollendung der Kirche wurde 1826 ein
neues großes Schulgebäude errichtet, mit
freundlichen und hinreichenden Wohn-
räumen füt zwei Lehrer, 23 Jahre spater
folgte ein zweites. Endlich ward das
alte. gleichfalls schon verfallende Pfarr«
haus im Jahre 1838 durch ein neues
zweckmäßig gebautes ersetzt, welches
seiner Bestimmung als Priesterwohnung
in jeder Beziehung entsprach. So hatte
Johann in seinem geistlichen Amte in
segensvoller Weife gewirkt; im Jahre
1826 wurde er zum Senioral-Obernotar,
1331 zum BäcS'Syrmier Senior ge-
wählt, welche Stelle er bis 1831 ver-
waltete. Bereits 1813 hatte er sich mit
der Tochter des Pfarrers I . Weinrich
in Szeghegy (im BäcSer Comitate) der«
malt. Nach achtzehnjähriger glücklicher
Ehe riß ihm im Jahre 1831 die Cholera,
die in den dortigen Gegenden so ver«
heerend auftrat, die Gefährtin seines
Lebens von der Seite. Von seinen Kin«
dern heirateten drei Töchter evangelische
Geistliche und wirken drei Söhne gleich
dem Vater in kirchlichen Aemtern. —
Sein Sohn Andreas (geb. zu Ludwigs»
dorf 1817) besuchte die Schulen zu Ver-
baSz. Mezö.Berönyi, Schemnitz und
Preßburg. Nach einjährigem Aufenthalte
in EperieS begab er sich t839 nach Jena.
wo er zwei Jahre theologische und histo»
rische Vortrage hörte. Nach seiner
Rückkehr in die Heimat ordinirt. trat
er im October 1841 eine Diakonen«
stelle im Nergdistricte an, bald darauf
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Szedler-Taasse, Volume 42
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Szedler-Taasse
- Volume
- 42
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1880
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 356
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon