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Caajfe, Cduard 298 Eduard
Taaffe), die ein autonomiftisches System
befürwortete. Beide Minifterparteien leg.
ten ihre Ansichten in besonderen Denk«
schriften nieder, welche, zunächst nur für
den Monarchen bestimmt, auf Befehl des»
selben veröffentlicht wurden, ehe er noch
eine Entscheidung in der Sache getroffen.
Die Wirkung dieser Publication war
eine sensationelle, denn diese Errungen»
schaft der Oeffentlickkeit hatte man, weil
eine solche noch nie vorgekommen, auch
nicht für möglich gehalten. Zugleich mit
Ueberreichung jener Denkschriften war
aber von der Mehrheit wie von der
Minderheit im Ministerium die Ent-
Hebung vom Amte erbeten worden. Nur
die Demission der letzteren Partei wurde
von Sr. Majestät dem Kaiser ange-
nommen und Graf Eduard Taaffe
mit B e r g e r und P o t o c k i am
43. Jänner 1870 ,in Gnaden und
unter Anerkennung ihrer mit treuer
Hingebung geleisteten Dienste" entlassen.
Aber nicht lange sollte er sich der Ruhe
deS Privatlebens erfreuen, denn schon
drei Monate später, am 12. April 1870,
trat das Ministerium Hasner vom
Schauplatze ab und Graf Potocki
erhielt den Auftrag, ein neues Cabinet
zu bilden, in welches Graf Taaffe als
Minister des Innern wieder eintrat, zu»
gleich die Leitung des Ministeriums für
Landesvertheidigung und öffentliche
Sicherheit übernehmend', welche er aber
nur wenige Wochen führte, da er sie
schon am 6. Mai in die Hände des
mittlerweile zum Minister ernannten
Freiherrn von W id mann legte. Das
Ministerium Potock i > Ta äffe blieb
kein vol les Jahr im Amte. Nachdem
eS schon im November 4870 seine Ent.
lafsung erbeten hatte, sah es sich am
4. Februar 1871 durch das Ministerium
Hohenwart » Schaffte abgelöst. Später wurde Graf T a a f f e zum
Statthalter von Tirol ernannt und
wirkte als solcher bis zum 13. Februar
1879, an welchem Tage er den durcd
Freiherrn von Lasser's Tod erledigten
Posten des Ministers des Innern unter
der Minifter-Präsidentschaft deS v i . von
Stremayr wieder antrat. Nach der
mit allerhöchstem Handschreiben vom
10. August g. I . angenommenen Demis.
sion deS Gesammt-Ministeriumö erhielt
Gtaf Taaffe von Sr. Majestät dem
Kaiser den Auftrag, ein neueS Ministe»
rium zu bilden, an dessen Spitze er auch
am 12. August zugleich mit der Minister-
Präsidentschaft die Leitung des Ministe-
riums des Innern übernahm. I n dieser
schwierigen Doppelstellung noch heuie
fungirend, hat er bei den immer höher
stuthenden Wogen der zum Abschluß
drängenden orientalischen Frage wieder-
holt Anlaß genommen, sich den Par-
teien gegenüber auszusprechen und die
Zwecke seines parlamentarischen Vor-
gehenS theils gegen die Angriffe, die er
erfuhr, zu vertheidigen, theils immer
näher zu präcisiren. Besonders that er
dies in derReichsrathsfitzung vom 3. De«
cember 1879. in welcher er seine Stel»
lung vom Jahre 1870 mit jener in der
Gegenwart vergleichend, die ganze Si»
tuation von damals und jetzt beleuchtet,
und der Lücke im Reichsrathe gedenkend,
in welchem seit Jahren die Üechen ge>
fehlt, ausruft: ,Es hat sich mir eben
die Nothwendigkeit dargestellt, daß.
wenn wirklich ein echt parlamentarisches
3eben in Oesterreich bestehen soll. das
Par lament vol l sein muß. Es
muffen alle Elemente deS Kaisecstaates
versammelt sein und ihr Wort in die
Wagschale legen können. Dadurch ist
ein großer Schritt zur Bekräftigung des
verfassungsmäßigen Lebens geschehen.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Szedler-Taasse, Volume 42
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Szedler-Taasse
- Volume
- 42
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1880
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 356
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon