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Terklau 288 Eerklau
den schlimmsten Tagen dieses Jahres,
seines Amtes waltete. Bekanntlich war
zu jener Zeit die Leopoldstadt und vov
nehmlich die Iägerzeile der Schauplatz
der gräßlichsten Ereignisse. Terklau
selbst bemerkt in seinen kurzen Lebens
aufzeichnungen, daß sich in Dunder's
„Denkwürdigkeiten der October-Revolu-
tion" die Vorgänge bei der Pfarre und
Kirche in der Iägerzeile verzeichnet finden.
Nach wieder hergestellter Ruhe bat die
Gemeinde das erzbischöfliche Consistorium,
daß Terklau ihr als Pfarrer belassen
werde. Dieser Bitte aber willfahrte das-
selbe nicht, sondern er mußte seine Coope-
ratorstelle wieder antreten, die er noch
bis zum 43. Mai 1849 versah, an wel-
chem Tage er als Pfarrer von Städteldorf
investirt wurde. Diesen letzten Posten
bekleidete er durch neunzehn Jahre, bis
zu seinem Tode. Mit schlichten Worten
schildert er selbst die Art und Weise
seiner Pfarrverwaltung. I n die Zeit der«
selben fallt, 1839, der Thurmbau von
Städteldorf und 1863 die innere, Restau-
ration der Kirche, wozu er aus eigenen
Mitteln die Summe von 1100 fl. bei-
steuerte. Im August 1866 erlebte er den
Durchzug der Preußen, welche überall,
wo sie hinkamen, die Cholera einschlepp«
ten, die so heftig wüthete, daß an man-
chen Orten 13 bis 20 Percent der Bevöl-
kerung von der Seuche hingerafft wur-
den. Terklau war zum Dechanten und
f. e. geistlichen Rathe ernannt worden.
Am 14. April 1868 schrieb er mit eigener
Hand die Inschrift für seinen Grabstein
und bezeichnete den folgenden Tag als den
seines Todes. I n seinen letztwilligen Ver-
fügungen widmete er 10.000 st. in öffent-
lichen Staatsschuldverschreibungen dem Knabenseminar zu Städteldorf, und soll-
ten die Interessen dieses Capitals, in welche
seine Stiefmutter und seine Haushälterin,
so lange sie
lebten,
sich gleichmäßig zu thei«
len hatten, nach dem Tode derselben dem
genannten Institute ungeschmälert zufal-
len. Mit den Interessen eines Capitals von
4000 fl. sollte der jeweilige Pfarrer von
Etädteldorf jährlich zwei sittliche Mäd-
chen (Bräute) ausstatten, und im Falle
nur ein Mädchen zur Aussteuer käme, mit
dem andern Betrag Hausarme betheilen.
Kleinere Summen bestimmte Terklau
zu einer Schulstiftung für arme Kinder
und für die Armeninstitute Städteldorf
und Inkersdorf. Auch schriftstellerisch war
unser Pfarrer thätig, und zwar lieferte er
in den Jahren 1848 und 1849 viele Ar-
tikel für die Brunner'sche „Kirchen»
zeitung", gab ein Gebetbuch heraus,
dessen Titel mir nicht bekannt ist, schrieb
den Text zu Führich's Kreuzgang und
das durch viele Auflagen verbreitete
Buch: „Ner GeiZt des Katholischen <5n!tu5.
Eine Nllllitellnilg der kirchlichen Orte, Ger'äthe,
Handlungen und Seiten in ihrem NtMe ant die
kllthnlizche rehre" <Wien 1843, Braumüller
und Seidel, 12a,), wovon bis 1871 neue
verbesserte und vermehrte Auflagen (die
letzte Wien bei Gerold) und im Jahre
1863 nach der siebenten deutschen Auf>
läge auch eine ungarische Uebersetzung
von Caspar Dornis unter dem Titel:
. . . . " (Pesth, dritte
Aufl., 1863, Lampel, 8".) erschienen sind.
Wiener K irch en»Z eitung. Redigirt von
Alb. Wie sing er. Beilage vom 22. August
1868, Nr. 34, 35 und 36: „Matthias Terklau.
Pastoralbilder aus einem Pfarrrrlrbem".
Ende des dreinndoierzigsten Bandes.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Tabacchi-Terkla, Volume 43
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Tabacchi-Terkla
- Volume
- 43
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1881
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 320
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon