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Thaler, Joseph 137 Thaler, Iosoph
Thaler, Joseph (Benediktiner und
Poe t , geb. zu U l t e n in Tirol am
13. October 1798, gest. in K ».s-n s
sKuens^ bei Meran am 28., nach Ande-
ren schon am 27. December 1876). Als
Dichter unter dem Pseudonym Lertha
(Anagramm seines Namens) in seinem
Alpenlande bekannt. Ueber sein Iugend-
leben liegen nur wenig Nachrichten vor.
Der Sohn eines Bauern im Ultener
Thale, hütete er die Heerden seines Va-
ters, kam, vierzehn Jahre alt, an das
Gymnasium in Meran, dann nach Inns-
bruck, wo er, dem geistlichen Stande sich
widmend, in den Benedictinerorden ein-
trat. Als Pfarrer in dem denkwürdigen
Orte Kains, wo der h. Corbinian als
Einsiedler gelebt, waltete er mehr denn
vierzig Jahre seines Amtes. Aber ein
so würdiges Mitglied des in Oesterreich
berühmten Benedictinerordens er auch
war, so wird ihm in diesem Werke doch
nur in Rücksicht auf seine schriftstellerische
Thätigkeit eine Stelle eingeräumt. I n
Tirol herrschte bis zu Beginn der Vier-
ziger-Jahre eine geistige Stagnation, die,
mit Ausnahme Innsbrucks auch zur!
Stunde noch nicht überwunden, bedauern -
läßt, daß so viele reiche Talente ob der!
herrschenden Apathie gegen alles Geistige
spurlos verkümmern. Als Vorläufer besse-
rer Tage erscheint nun eben der Benedic-
tiner Thaler, der zu jener Zeit „Nirl
Oiüolrllntrn uan i>rn Alpen Cirolä. Vltterl'äntiiZche'
Nichtnngrn" (Innsbruck 1840) unter dem ^
Pseudonym Lertha herausgegeben hatte.
Daß sich unser Pfarrer in seinem Werke i
nickt kopfüber in das Reich der Ideale!
stürzte, bedarf nicht erst eines Beweises,
wenn man diese Dichtungen liest, aus
denen wohl die gewiß ehrenwerthe Ab.
ficht, den Sinn fürs Vaterland zu wecken
und zu nähren, aber doch auch der leidige
Umstand erhellt, daß der Autor zu jener vormärzlichen Gilde zählt, welche die
„Gedankensperr" für ein Glück, die Ge-
dankenfreiheit für ein Geschenk des Höllen-
fürsten ansieht. Beim Erscheinen der
„Edelrauten", über die des Dichters nicht
geringer Anhang in ein gelindes Ent<
zücken gerieth, schrieb ein wohlwollender
Kritiker: „Die Blöcke, welche Lertha zu
einer tiroliscken Walhalla herbeischleppt,
sind gar zu formlos, und seine Edelranten
scheinen aus Strohpapier zusammenge-
flickt, so wenig poetischer Hauch umweht
sie". Nichtsdestoweniger erhob der Pro-
! vinzial-C'nthusiasmus den Pfarrer Tha-
ler zu einer Dichtergröße, und in den
ihm gewidmeten Nachrufen erscheint er
als Einer, der sich um das Aufblühen
! der Literatur in Tirol große Verdienste
erworben, was, Alles in Allem genom-
men, denn doch übertrieben ist. Außer
obiger Sammlung seiner Poesien ver-
ösfentlichte er noch Gedichte zerstreut in
Tiroler Blattern, und eine Auswahl
seiner besseren Produkte enthält das Buch
„Tirol. Natur, Geschichte, Sage im
Spiegel deutscher Dichtung" (Innsbruck
1832, Wagner, 8".), das der so verdienst-
volle Ignaz Pius Zingerle heraus-
gegeben hat. Bald aber gab Thaler-
3ertha das Dichten auf und verlegte
sich mit allem Eifer und mehr Glück
auf historische Studien, als deren erste
Frucht eine „Geschichte Ciruls uun der
Vrsrit bi5 unk unsere Tage", drei Theile
(Innsbruck 1834 und 1833, Wagner,
8".) erschien. Obwohl im ultramontanen
Sinne geschrieben, war dieselbe trotz-
dem schneller als zu erwarten vergriffen'
jetzt aber wird sie durch Dr. Egger's
Werk ersetzt. Auch beschäftigte sich
T h a l e r , der Erste in seiner Heimat,
mit der Forschung über tirolische Orts»
namen. Seine geschichtlichen Abhandlun-
gen sind in Tiroler Fachblättern nieder-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Volume 44
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Terlago-Thürmer
- Volume
- 44
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1882
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 360
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon