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Thaly. Sigmund 188 Thaly,
Magyaren heraus. So schildern ihn seine ^
eigenen Landsleute. Vom, Soldaten hatte
er nichts an sich als die Uniform. Kame-
radschaft, militärischen point ä'^onnsur^
Corpsgeist kannte er nicht. Leute von
Thaly's Schlag waren Kossuth's
Werkzeuge und Protectionskinder, denn
den tapferen Soldaten, die sich leider für
seine Sache schlugen, traute der Agitator
nicht und liebte sie auch nicht, aber sie!
waren ihm eine dringende Nothwendig-
keit. Im September l849 ging Thaly i
nach Arad, um sich von dem Falle dieser >
Festung, dem Stande des ungarischen'
Revolutionsheeres und der politischen
Sachlage zu überzeugen und dem Re-
sultate entsprechend seine weiteren Ent«
schlüsse entweder zur fortgesetzten Verthei-
'digung Komorns oder zu Unterhandlun-
gen betreffs etwaiger Capitulation zu
fassen. Nachdem er sich in Arad von der
Kapitulation dieser Festung, von der
Flucht der ungarischen revolutionären
Regierung und von der bereits größten-
theils erfolgten Auflösung des ungarischen
Waffenheeres überzeugt hatte, wurde
er auch dem Feldzeugmeister Baron
Haynau vorgestellt, welcher ihm mit
kurzen Worten den Rath gab: „er möge
in Komorn dahin wirken, daß sich diese.
Festung ergebe, widrigenfalls die Gar-
nison über die Klinge werde springen
müssen". Trotz der selbstgeschöpften
Ueberzeugung von dem traurigen Stande
der ungarischen Sache spukte es nichts»
destoweniger in Thaly's Kopf von einer
noch in Siebenbürgen unter Bein und
Guyon stehenden Armee, die bereits
wieder offensiv operire, auch von einer
Intervention Englands faselte er. Und
dieser Spuk brachte noch viel Unheil
über Komorn. Klapka und alle ver«
ständigeren Militärs waren nach den Be>
richten, welche von verschiedenen Seiten in der Festung einliefen, für die Unter-
handlung, Thaly mit einer kleinen An-
zahl seiner Anhänger opponirte im Kriegs-
rathe dagegen. Als er aber Klapka ver-
dächtigte, wurde er auf dessen Befehl arre-
tirt, jedoch nach einigen Tagen wieder
aus dem Arreste entlassen. Selbst un»
mittelbar vor dem Acte der Capitulation
versuchte Thaly die Truppen im Zager
aufzuwiegeln und ihnen Mißtrauen gegen
dieselbe einzuflößen. Gs entstand darüber
ein Tumult, und Klapka mußte sich
selbst in das Zager verfügen, um die
Ordnung herzustellen, und es gelang ihm,
die aufgeregten Gemüther zu beruhigen.
Thaly wurde abermals arretirt, und
Klapka wollte ihn noch in den letzten
Stunden seines Oberbefehls vor ein
Kriegsgericht stellen, und nur die Bitten
und Vorstellungen der übrigen Ofsiciere
retteten dem Oberstlieutenant das Leben.
Dieser theilte zwei Tage später das
Schicksal der Komorner Besatzung. Mit
Makk und R<>zsafy, rvote Baron
Rusiczky, einem Abenteuerer ersten
Ranges, der Cleriker, Makk's Partei-
ganger, Redacteur, Journalist, Emissär
Agitator und endlich (i838) Farmer zu
Peeksgill in Nordamerika war, entkam er
nach Siebenbürgen, wo er verhaftet
wurde. Aber bald durch die Flucht sicb
rettend, entwischte er in die Türkei. Aus
dieser begab er sich auf die Insel Jersey
und nahm daselbst seinen bleibenden
Aufenthalt, bis er im Jahre 1863,
infolge einer Amnestie, in die Heimat zu«
rückkehrte, wo er noch gegenwärtig auf der
Puszta Szentmihuly leben soll. I n Lon-
don gab er das Buch: „27is ^o^lssss 0/
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heraus, das nichts weniger denn
als Quelle über ihn und sein berüchtigtes
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Volume 44
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Terlago-Thürmer
- Volume
- 44
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1882
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 360
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon