Page - 178 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Terlago-Thürmer, Volume 44
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Thanner, Adam 78 Tanner, Bernh. Leop. Franz
160l fano zu Negensburg das bekannte Re
ligionsgespräch zwischen katholischen und pro^
testantischen Theologen statt. Auf protestan^
tischer Seite standen als Hauptredner: Iac. >
Hailb runner, Aeg. Hunnius und David
R u n g i u s . auf katholischer: Alb. Hun-
gerus und I'. Jacob Gretserus 3. ^l.
Für Letzteren, welcher durch ein Halsleiden
verbindert wurde, die Disputation fortzu-
führen, trat unser Thanner, obgleich er erst
28 Jahre zählte, mir solcher Geschicklickl'eit in
den .ttampf ein, daß er in Anerkennung dafür
die theologische Doctorwürde erlangre. Von
München schickten ibn seine Oberen nach Ingol-
stadt. wo er fünf Lustra hindurcb die Scho-
lastik vortrug. Am -2!>. August 1«17. im Alter !
von 44 Iabren, legte er die vier Qrdens-
gelübde ab. Auf Anregung des Kardinals
Ablest kam er bald darauf an Stelle des
Professors der Theologie Martin Becanus
an die Wiener Hochschule, von welcher er
jedoch mit Schluß des zweiten Jahres nach
Ingolstadt zurückkehrte, um daselbst sich unge-
stört seinen gelehrten Arbeiten zu widmen. In
der Folge von Kaiser Fe rd in and I I . mit
dem wichtigen Amte eines ^an'ilers der Prager
Universität beiraut. gab er dasselbe seiner
leidenden Gesundheit wegen schon nach dem
ersten Iabre auf. Nun kehrte er in seine
Heimat Tirol zurück und wirkte dasclbst drei
Jahre als Minister, wenige Monate als Rektor
seines Ordenscolleaiums in Hall. Von da
begab er sich wieder nach Inaolstadt, wo er
die Studien leitete und Erläuterungen über
die b. Schrift las; aber seine immer mehr
sinkende Gesundheit nöthigte seine Oberen, ibn
in seine Vaterstadt Innsbruck zurückkehren zu
lassen, damit er daselbst im Genusse voller
Rübe sich kraftige. Mir zwei Ordensbrüdern,
?. Christoph Brandis und 1'. Iobann
Faber. fubr er auf der Donau nach Passau.
Unterwegs erkrankten alle drei an einem bös-
artigen Fieber, welchem auch seine Begleiter
in jener Stadt erlagen. Er aber eneichte noch
leidend Salzburg, wo er zur Erholung einige
Tage inmitten seiner Ordensbrüder verweilte
und, wie im Vorgefühle seines nahen Hin-
ganges, die Sterbesacramente empfing. Nun
reiste er ab, an der Grenze seiner Heimat aber
verwehrten ihm die tirolischen Grenzwachen,
welche in bestandiger Sorge eines feindlichen
Einfalls der Schweden waren, den Eintritt
ins Land, denn er hatte von Salzburg aus
keine Geleitschaft erhalten. So sah er sich
denn genötigt, wieder umzukehren. Aber schon in Unken steigerte sich sein Uebelbefinden so
sehr, daß er daselbst nach wenigen Tagen, im
Alter oon 39 Jahren, den Geist aushauchte.
Noch im Tode sollte der Pater nickt Ruhe
haben. Unter seinen hinterlassenen Habselig-
keiten fanden die Bauern, bei denen er Unter-
kunft gefunden hatte, ein Vergrößerungsglas,
in welchem eine Mücke eingeschlossen war. Da
huben sie einen Lärm an, die Mücke, schrien
sie, sei der Teufel und der verstorbene fremde
ein Zauberer. Nur mit vieler Mühe gelang
eö dem Ortspfarrer, die Leute zu beruhigen
und über die Wahrheit aufzuklären, indem er,
die Mücke aus dem Vergrößerunqsalase her-
ausnehmend, eine andere dafür hineinlegte und
diese den Bauern vorwies. Thanner. ein
Mann von ausgebreiteten und mannigfaltigen
Kenntnissen, war nicht nur ein gründlicher
Theolog, sondern auch ein trefflicher Mathe-
matiker und Naturforscher. Außer mehreren
' deutschen theologischen Streitschriften gegen
Hai lb runner. My l iuä und Andere gab
er noch heraus: „Ix^ vorlx) D^i ^i-ipw <^t,
non «cripia" ^lonlU'Nii 13i<!^: — „Ueber
das Negensburger l^olloqium . . . . gegen
Dr. Aug. Hunnius" (München l6<»2); --
stadt 1607); — „.XpoloFia. contra, HlonNa,
Mvata. 5t)c:ietiUi6" (ebd.); — „Apologie für
die aus Böhmen und Mähren vertriebenen
Jesuiten" <j«:j5 und iliiü). :u ^"^stadt
ohne Namm des Autors gedruckt; — ,,.^tro>
8. 'riu'.m:^ i>llr^2", Mn-i IV l'ebd. U l l ^
Supplement dazu j<;2<)); — ^!'h.«oln>;i2.
^«-Ilulüiiticzl, 6po>-nl3,tiva iii'.'u>li<'u>l-, oier Bände
lebd. N>2<;—U!27. Fol.). Die ,.Vid!msln;(>a
5c!-ii>wi-lnn LO(.-ivtl».t.iL.I<.-t,,v- charakterisirt ihn
mit wenigen, aber inhaltvollen Worten: «Vir
kuit ingenio n.<>!'i, 5!ci'io, Z^ciulo, MUl'ol'UM
dem Andenken aber, welches die Universität
Ingolstadt dem Pater errichtete, heißt es unter
Anderein: „Vir i>rinciiiuin ün^narum, elo-
<^usntlil,e, omnium'inn «»'N'iUiai'UNi l^ ^ In t^«'»-
ri»,e äupoiloctili iiiätniciu«, iu to r ^iri-
in 08 2ni tompor iä rkeolo^as innn»-
i-a.nän8". sStaff ler (Johann Jacob). Das
deutsche Tirol und Vorarlberg, topographisch
mit geschichtlichen Bemerkungen in zwei Vän>
den (Innsbruck 1847, Fel. Rauch 8".) Bd. I,
S. 433. — Joche r's Gelehrten «Lerikon,
Bd. IV, Sp. 1000.^ — 2. Bernhard Leo-
pold Franz T anne r (geb. z.i Prag im
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Volume 44
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Terlago-Thürmer
- Volume
- 44
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1882
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 360
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon