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Theo bald. Zacharias 2N6 Theobald,
ftcn Städte dieses Landes und sammelte
in Bibliotheken und Archiven, sowie aus
dem Munde glaubwürdiger und unterrichteter
Männer seine Materialien zu einer Geschichte
des Hussitenkrieges. Nach Ausbruch des dreißig-
jährigen Krieges nahm er im Heere des Grafen
Mannsfe ld , als dieser Pilsen belagerte,
die Stelle eines Feldpredigers an, aber bald
darauf leidend geworden, mußte er sich nach
Nürnberg bringen lassen. Daselbst gewann er
durch sein reiches Wissen und sein würdevolles
Verhalten das Vertrauen einiger Patricier,
die ihm nach seiner Genesung die Pfarre in
dem bei Nürnberg gelegenen Orte Krafthof
verschafften. Wegen chronischer Heiserkeit seiner
Stimme im Begriffe, das Predigtamt aufzu-
geben, wurde er von den Vorstehern der Alt-
dorfer Universität als Lehrer der Mathematik
an dieselbe berufen. Aber noch mitten in den!
Anstalten zur Uebersiedlung befiel ihn die tödt-
liche Krankheit, durch die er in der Vollkraft
seines Lebens, im Alter von erst 43 Jahren,
dahingerafft wurde. Seine Materialien zur Ge-
schichte Böhmens hat er in mehreren noch heute
geschätzten Werken verwerthet. Außer Geschichte
trieb er auch Naturforschung und Mathematik.
Die Titel der von ihm herausgegebenen Schrif-
Ou^uiu ot Üo^uin I5ol»(.'mia.t.'" ^ibiü. 1612; !
neue Aufl. 1617); eine deutsche Uebersetzung!
dauon erschien zu Augsburg 1620. Worauf^
Theobald in dieser Schrift einige mit großer
Bestimmtheit ausgesprochene Angaben stützt,
welche bisherigen Annahmen widerstreiten, so
z. B. die Festsetzung der Ankunft ö e ch's in
Böhmen und der Zeit des Todes desselben,
ist nirgends ersichtlich, und dieser Umstand
erweckte auch das Befremden der böhmischen
Historiker; — „I'opoxi-Hxkicg, liegni Vo-
kviniao cleäcriptio^ (^Vittcnnd. 1612), befindet
sich auch als Anhang bei der vorgenannten
„3orie8 Fone2.wgioa^; — „Hussitenkrieg oder
Geschichte des Lebens und der Lehre des
M. Johann Hussens, ingleicken der böhmi«
schen Kirche, der Heldenthaten des Johann
Zischka u. s. w.". von diesem Werke erschien
das erste Buch 1609 zu Wittenberg in 4"..
dann aber in neuer Ausgabe mit Verbesserun«
gen, und mit drei Büchern vermehrt, zu Nürn-
berg 1621 in 4°.; in neuer Aufl. ebenda 1640
gleichfalls in 4°. und 1730 in Breslau mit
dem Bildnisse Theobald's und Anderer, die
in dieser Zeit sich bemerkbar gemacht. Nach Ba lb in bätte Theobald's Sohn, zur Unter»
scheidung vom Vater (Theobaldus 5oinoi>)
Theobaldus junior genannt, die lateinische
Uebersetzung dieses Werkes besorgt. Nach
Z e d l e r'ä „Universal - Lerikon" wäre eine
Ausgabe dieser Geschichte auch zu Frankfurt
im Jahre 1621 und eine andere von Jacob
Pontanus verlegte ebenda 1623 in Folio
erschienen. Mit letzterer hat. es seine volle
Nichtigkeit, und von Freherus ist
sie in dessen
Sammlung böhmischer Geschichtssckreiber auf'
genommen. T h e o b a l d's Geschichte der
Hussiten steht in vollem Gegensatze ;u jener
von (5ochlaeus. Theobald ist der be-
geisterte Anhänger Hussens und Hierony-
mus', er ist der entschiedene Gegner der
Katholiken und Jesuiten. Aber bei der Be-
fangenheit seines Standpunktes läßt er sich
ungeachtet des Reichthums seiner Materialien
nur mir Vorsicht benutzen,- — „I^i-ü^k 1-2,812
in Iidl-03 ^riätott-Iiü cl<i vrima, kliilo^ovlii»,";
— „vokortatio <1s veteridus anadkMstis
et ruüsntioridus t'^niNicis"; — „.^ivans.
nawrae", d. i. Sonderlich Geheimniß der
Natur aus glaubwürdigen Autoren und Er»
fahrungen zusammengetragen mit manchen
für Böhmens Naturkunde bemerkenswerthen
Nachrichten; — ,,Kinoer<Büchlein' in kurzen
Fragen von den vornehmsten Festen im Iabr";
— „Bedenken, was von dem Beyfall, in Bam<
berg zu halten"; — „Von bem seligen An-
schauen Gottes im ewigen Leben"; — nach
Balbin's „NiLl-ellkiiea, I5«^ni VoliLmiae",
I^id. I, ckp. 12, hätte Theobald auch ein
Werk über die Ioachimsthaler Bergwerke ge-
schrieben, welches aber bisher nicht aufgefun>
den wurde; — ferner ist er auch der Ver>
fasser der Schrift: „Bericht, was Jammer
und Elend die alten Wiedertäuffer gestiftet
und was uon den Weizelianern, Nosencranzern
und Pansophisten zu halten". sZ edler's
Universal'Lenkon (Halle u. Leipzig) Bd. XKII I ,
Sp. 661. — Iöcher's Gelehrten»Lerikon,
Bd. IV, Sp. 1093. — Hl7?üi,ll' sAaä.^. Vo»
Komis, äoctH.... lüäiÄir I?. ( '^a,ll,6iliul3 s,
3. I'keeeäiu. (?i-aFke 1777, 8".) l>> 31. —
VolLt ei »3. <3s7-/nano ^4cle?«<?i). .^.ct» littei-^ria
Voksmiks 6t>loraviaß (^i-a^as 1774, kl. 8".)
9. 337. — d'Elvert (Christian). Historische
Literatuigeschichte von Mähren und Oester-
reichisch-Schlesien (Brunn 1850. 8".) S. 7K,
79 und 203. sS. 73 bezeichnet d'Elvert
als eine Quelle über Zacharias Theo»
bald das Werk: Voigt . „Abbildungen",
Bd. I, S. 101—104. Von V o i g t . eristirt
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Volume 44
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Terlago-Thürmer
- Volume
- 44
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1882
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 360
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon