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den Feldzug 1803 mitmachte. 1809 wurde
er auf dem Schlachtfelde ;um Oberlieute-
nant, später zum Regimentsadjutanten
ernannt und bei Beginn des Feldzuges
1813 dem Generalquartiermeifterstabe der
Hauptarmee zugetheilt, als wirklicher
Hauptmann im Corps in dieser Stellung
verbleibend bis zum Wiederausbruche des
Krieges im Jahre 18l3, wo er als Chef
des Interimsecums des Generalstabet
zum Reserve-Corps unter Erzherzog Fer-
din and d'Este kam. Im Ganzen wohnte
er während seiner militärischen Laufbahn
in fünf Kriegen zwanzig Schlachten und
mehreren Gefechten bei. Aus den Rela-
tionen über die Feldzüge 1813 und 1814
erfahren wir, daß er durch sein Verhalten '
vor dem Feinde die Aufmerksamkeit des!
obersten Feldherrn Feldmarschalls Fürsten ^
Schwarzenberg in der Art auf sich ^
zog, daß seiner Betheiligung an sieben ^
Hauptschlachten des Befreiungskrieges,
nämlich bei Dresden, Leipzig, Brienne,
Bar-sur Aube, Arcis - sur - Aube, F^re- i
Champenoise und Paris rühmlich gedacht >
ist. I n den genannten Feldzügen stets
bei den im Feuer stehenden Truppen ver-
wendet, wirkte er am 18. October bei
Leipzig besonders dadurch, daß er gegen
Abend dieses Tages, nachdem die Schlacht
eigentlich schon gewonnen war, dem
Feinde, der ungeachtet dessen wiederholt
versuchte, mit Infanterie und Cavallerie
aus Probstheida hervorzubrechen, durch
das kräftige Feuer einer gegen diesen Ort
aufgeführten schweren Batterie jede weitere
Möglichkeit zum Durchbruche benahm.
Wenn dann das in Eilmärschen von
Dresden 'her zur Schlacht von Leipzig
herbeigerufene 30.000 Mann starke erste
Armee-Corps des Feldzeugmeisters Col»
loredo am 17. October schon um zehn
Uhr Vormittags auf dem Schlachtfelde
eintreffen und nach mehr als zwanzig« ^ ^ stündiger Rast den bekannten rühmlichen
, Antheil an der Schlackt vom j8. nehmen
konnte, so war dies der Vorsicht Thie
5 len's zu danken, der schon am IL.October
aus eigenem Antriebe die während der
Gefechte am 3. desselben Monats an der
Flöha bis auf die gemauerten Pfeiler ab-
gebrannte gedeckte hölzerne Brücke durch
den Magistrat der königlich sächsischen
Bergstadt Oederan hatte herstellen lassen,
in Folge dessen dem Corps der rechtzeitige
> Uebergang über den Fluß ermöglicht
.' wurde. Gleich nach Beginn der Schlacht
! bei Brienne in Frankreich am 2. Februar
1314 wurde Thielen vom Feld marschall
Fürsten Schwarzenberg von der An-
höhe von Trannes zu dem äußersten
rechten Flügel des fünften Armee-Corps
unter dem General der Cavallerie Grafen
Wred e geschickt, um bestimmte Nachricht
über den Gang der Schlacht an dieser
Stelle zu bringen. Nachdem er sich mit
seiner Kosakenbedeckung mühsam durch
das coupirte Terrain des Schlachtfeldes
durchgewunden hatte, erreichte er das
fünfte Armee Corps gerade in dem Augen-
blicke, als* Graf Wrede Vorbereitungen
zum Sturme auf Chaumenil machte. Da
schloß er sich an das Szekler Guenzbatail«
lon an, das mit dem 7. bayrischen In-
fanterie-Regimente, dessen Oberst bei dieser
Gelegenheit schwer verwundet wurde, zum
Sturme bestimmt war, und hatte die
Freude, zu sehen, wie die Tapfern, ohne
einen Schuß zu thun, den Feind mit dem
Bajonnete über den Haufen warfen und
den Ort nahmen. Als Chaumenil besetzt
und die Ordnung daselbst wieder her-
gestellt war, sandte ihn Graf Wrede
mit den Worten an den Fürsten zurück:
„Sagen Sie dem Feld marschall, was Sie
gesehen, ich lasse ihm Glück wünschen,
die Szekler hätten sich selbst Übertrossen".
Erst nach eingebrochener Nacht erreichte
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Volume 44
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Terlago-Thürmer
- Volume
- 44
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1882
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 360
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon