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Thielen 222 Thielen
Thielen die Höhe von Trannes wieder, i
nachdem er den Weg an der Schlachtlinie !
genommen und sich zweimal mit seinen
Kosaken durch feindliche Flanqueurs hatte
durchschlagen müssen. Auf directen Vor-
schlag des Grafen Wrede erhielt er von
dessen König am Schlüsse des Feldzuges !
das Ritterkreuz des bayrischen Max Jo-
seph-Ordens. I n der Schlacht von Bar»
sur>Aube am 27. Februar 1814 hatte die
feindliche Infanterie die erste Anhöhe
westlich von der Stadt in dem Augen-
blicke erstiegen, als der König von Preußen
mit den beiden Prinzen, seinen Söhnen,
sowie der Feldmarschall Fürst Schwar-
zenberg, nur unter Bedeckung des
24. russischen Jäger-Regiments und einer
Abtheilung des Pskow'schen Kürassier-
Regiments sich befanden, die Jäger wie
die Kürassiere schon geworfen, der russi-
sche General 6n eliet' Graf Wittgen-
stein bereits verwundet war, und da
trug Thielen sehr viel dazu bei, dem
Feinde diesen Vortheil zu entreißen, in-
dem er, während der Hauptmann San-^
chez des Generalstabes mit zwei Ge-
schützen den Berg in der Fronte vom
Feinde säuberte, mit zwei anderen Ge-
schützen jene feindliche Infanterie, die zur
gleichen Zeit durch eine Schlucht im
Rücken der Stellung der Alliirten den
Berg erstieg, durch schnell wiederholte,
gut angebrachte Kartätschenschüsse wieder
hinabschleudern ließ und so auf dieser
Seite für die ganze Folge des Kampfes
Ruhe schaffte. Bei der Schlacht von
Fsre-Champenoise am 23. März 1814
rückte von der rechten Seite von Ville-
seneux her eine vom preußischen General
Korf f des schlesischen Heeres verfolgte
feindliche Division an, in der Absicht,
sich noch mit den Marschällen M a r m o nt
und Mortier- zu vereinigen. Da der
größte Theil der alliirten Kavallerie dem Feinde gegen Sezann^ gefolgt war, so
fehlte es jcht bei Mre-Champenoise gänz-
lich an dieser Waffe, von welcher, wie sich
nachher zeigte, ein Regiment hinreichte,
die oon den Preußen, schon mehr als
decimirte feindliche Division, welche ganz
ohne Cavallerie war, vollends zu ver»
nichten. Zufällig hatte Thielen früher
in einem Seitenthale im Vorbeireiten das
russische Garde - Kürassier - Regiment er-
blickt, welches dort abfütterte. Auf den
Ruf des Feldmarschalls: „Cavallerie
vor!" eilte er schnell zu diesem Regimente
zurück, dessen Commandant, General
Devreradovich, ihm mit demselben be-
reitwillig folgte. Er führte es den näheren
Weg durch eine ihm schon bekannte Furt
und kam gerade in dem Augenblicke mit
ihm auf dem Kampfplatze an, als die
letzte noch übrige Masse der feindlichen
Division sich bei Banne in den Morast
von Samte Gond retten wollte. Von
allen Seiten umzingelt, angegriffen von
der Cavallerie, warfen die Franzosen die
Waffen weg und ergaben siäv Dem Gene»
ral Depreraoovich ward hier Gelegen»
heit gegeben, sich das Theresienkreuz zu
erwerben, das er auch erhielt. Die in den
Feldacten des k. k. Kriegsarchivs auf-
bewahrte Darstellung der Kriegsereignisse
vom 19. bis 3 l . März 1814 in Frank-
reich sagt: daß die Hcnkptleute Thielen
und H e r b e r t des Generalquartier«
meisterstabes sich bei den Angriffen am
23. März bei Füre-Champenoise durch
kluges und tapferes Benehmen rühmlichst
hervorgethan. Nach der Besitznahme von
Paris erhielt Thielen am 5. April den
Auftrag, das zum provisorischen Gouver«
nement Frankreichs übergetretene Armee»
Corps des Marschalls Marmont in die
Normandie zu führen. Bei dem Aufruhr
dieses Corps am 6. April in Versailles
war er bei der Zugellosigkeit der Truppen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Volume 44
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Terlago-Thürmer
- Volume
- 44
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1882
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 360
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon