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Thielen Thielen
Major Thielen „in Anerkennung dessen
lanqer vor dem Feinde und im Frieden
sehr guter Dienstleistung, der dann auch
im Ruhestande vielfach bethätigten ver«
dienstlichen Leistungen das Ritterkreuz-
des Leopoldordens tarfrei verliehen habe".
Thielen ahnte sofort, daß er diese
längst verdiente Auszeichnung seinem
Gönner Benedek zu danken habe.
Fünf Jahre darauf, 1863, wurde er nach
längerem Leiden durch den Tod von
einem sorgenvollen Leben erlöst. Thielen
hinterließ eine 63jährige Witwe und einen
I?jährigen Sohn Otto, der zur Zeit als
Hauptmann im 76. Infanterie-Regimente
d?ent und dem Militär-Fuhrwesens-Corps
zugetheilt ist. Es ist ein ziemlich bewegtes,
wenig vom Glücke begünstigtes Leben,
das wir eben erzählt haben, und doch
war der wackere Veteran, der zu den
besten und verdienstvollsten Männern
seines Standes gehört, werth des Glückes.
(Ks'sollte eben nicht sein. Auf den Greis
fiel noch einmal ein Strahl der kaiser«
licben Huld, deren er ja immer würdig
gewesen, gleichsam um das unverdiente
Dunkel seines Geschickes zu beleuchten.
Brav als Soldat, ein Charakter als
Mensch, war Th ielen ein unerschrockener
Partisan der Waffenehre des österreichischen
Heeres, für welche er, wo und wann es
galt, mit seinem Wissen und Können ein-
stand. Es ist ja bekannt, wie militärische
Geschichtsschreiber fremder Staaten die
Waffenthaten des kaiserlichen Heeres her-
abzusetzen bemüht sind, als ob deshalb das
österreichische Heer sich minder brav halten
würde, 'weil ein fremder Ofsicier in seiner
Darstellung unwahr ist, Entstellungen
bringt oder gar Facta erdichtet, die nie-
mals geschehen. Aber da mußte man
unseren Thielen gesehen haben, wenn
er dergleichen entdeckte, man mußte ihn
gesehen haben, als er das Werk des
v. Wu rzbach. biozr. Lerikon. XI.IV. russischen General - Lieutenants M ihai-
lowsky-Danilewsky und die Fort-
setzung dieser Arbeit durch den russischen
Generalstabsobersten M i l j u t i n in
Schmitt's deutscher Bearbeitung gelesen
und dieses pidi- oi-äi-e äo^Iut'ti zusammen-
geschweißte Conglomerat von Lügen mit
Empörung ein eines Soldaten und selbst
einer feindlichen Armee unwürdiges Pam»
phlet nannte. Als die preußischen Ge-
schichtsschreiber, die mit unglaublicher
Hartnäckigkeit Alles, was Oesterreich und
seine diplomatischen und militärischen
Actionen betrifft, oft nur ungeschickt
genug entstellen, immer wieder mit der
Behauptung auftraten, Feldmarschall-
Lieutenant Andreas Graf Hadik de
Futak Md. VII, S. 166^> sei 1737 nie
in Berlin, nur vor Berlin erschienen, da
bewies Thielen diesen historischen Leug-
nern, um nicht zu sagen Lügnern, daß
Hadik wirklich durch vierundzwanzig
Stunden innerhalb der Haupt- und Resi-
denzstadt Berlin die Fahnen der großen
Kaiserin entfaltet, darin die strengste
Mannszucht gehalten, die Stadt selbst
geschont und nichts als sechs preußische
Fahnen und zwei Dutzend mit dem
Stadtwappen gezierte Handschuhe mit-
genommen habe, welche er an die Kaiserin
geschickt. Zur Vervollständigung der Le-
bensskizze unseres wackeren Soldaten er-
wähnen wir noch, daß er außer von
Oesterreich und Bayern, wie bereits ge-
sagt, auch noch von Rußland und der
Türkei mit Orden, von England, Preußen
und Schweden aber mit den goldenen
Medaillen für Kunst und Wissenschaft
ausgezeichnet wurde.
Oefterreichischer M i l itär» Kalender für
das Jahr 1866. Herausgegeben von Dr.
I . Hir tenfeld (Wien. 8".) S. 213 u. f,
— Mi l i t ä r -Ze i tung von I . Hirten-
feld (Wien, 4".) 1863, S. 38 und 66.
„Thielen's Erinnerungen".— Der Kamera d
1. Dec. 1881.) 43
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Volume 44
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Terlago-Thürmer
- Volume
- 44
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1882
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 360
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon