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iU) Km-l 233 Thiel, Anton
Tode verlautete es im Hause, daß er
ernstlich erkrankt sei, und als man ihn
gar nicht sah, wurden die Inwohner be-
sorgt; endlich betrat man sein Zimmer
und fand ihn entseelt auf dem Bette
liegen. Die vorgenommene Leichenschau
stellte fest, daß er eines natürlichen Todes
gestorben sei. Als die gerichtliche Sperre
angelegt wurde, sah man, wie ärmlich die
Wohnung beschaffen: im Zimmer befand
sich nicht einmal ein Ofen, das ganze
Mobiliar bestand aus einem Bette mit
Matratze, Polster und einem alten Rocke,
der ihm als Bettdecke gedient hatte, aus
einem Tische, einem Sessel und einem
Bücherschranke, in welchem etwa sechs-
hundert Bände aufgestellt waren; an
Kleidungsstücken und Wäsche fanden sich
vor: ein Mantel, ein Nock, eine Weste
und ein Beinkleid, Alles von starkem
Tuche, zwei paar Stiefel, ein Männer-
und zwei Frauenhemden, letztere Erb-
stücke von seiner Mutter. Als man nun
genauer nachsuchte, entdeckte man auf
dem Bücherschränke hinter einer Reihe
von Bänden versteckt ein Portefeuille, in
welchem sich etwa 73.000 fi. in guten
Werthpapieren befanden. Nnter diesen
lag auch sein Testament, das folgende
Bestimmungen enthielt: Universalerb in
des ganzen Vermögens ist die Commune
Wien; diese hat von dem Gelde eine
Mädchenschule im Bezirke Margarethen
zu erbauen und zu erhalten. Gin paar
Verwandte erhalten einen unbedeutenden
lebenslänglichen Fruchtgenuß. Die Com>
mune aber erbt nur unter der Bedingung,
daß sie den Verstorbenen mit der ersten
Classe des Institutes Nnti-epi-ise äes
poini>6«/an<^)i-6s bestatten laffe und auf
seinen Sarg einen grünen Kranz nieder-
lege! Die Beerdigung des von edlem
Wohlthätigkeitssinne erfüllten Sonder-
lings wurde denn auck in obiger Weise ausgeführt. Diese ganz romantisch zu-
gestutzten Zeitungsnachrichten erleiden
durch Mittheilungen des Herrn Wiener
Stadtarchivars Karl Weiß, an den ich
mich gewendet und dem für dieselben hier
mein Dank ausgesprochen sei, einige Mo-
dificationen. Th i l l (Di l l j lebte nicht
verlassen, sondern hatte bis zu seinem
Tode eine Wirthschafterin bei sich. Das
Vermögen, das er für eine unentgeltliche
Arbeitsschule im Bezirke Margarethen
testirte, betrug nicht 73.000, sondern
64.000 ft. Außerdem bestimmte er 13 st.
zur Errichtung und Erhaltung seines
Grabes, und die feierliche Bestattung
erfolgte nicht auf seine lehtwillige Be-
stimmung, sondern auf Veranlassung der
Commune. Ferner legirte er den Betrag
von 4000 sl. den Kindern eines armen
Webergesellen Namens Karl Scheidl,
welches Capital nach eingetretener Voll-
jährigkeit der Kinder herauszuzahlen sei,
für den Fall aber, daß dieselben vor ihrer
Großjährigkeit sterben, an die Stiftung
zurückzufallen habe. Die Schwester des
vorgenannten Karl Scheidl war eben
die Wirthschafterin unseres Karl Th i l l
(Dil l) und verharrte bis zu dessen Tode
bei ihm. Die Stiftung der weiblichen
Arbeitsschule ist mittlerweile ins Leben
getreten und wird von der Gemeinde ver-
waltet.
! Presse (Wiener polit. Blatt) 1868. Nr. 128.
! in der „Kleinen Chronik".
! Ein Anton Tk i l l (geb. im Jahr.' 1806. gest.
zu Neuhauö am 16. November 1864) diente
als iDberlieutenant im Infanterie«Negimente
Generalmajor Vocher Nr. 25 und lehrte in
dieser Eigenschaft in der (ladetencompagnie
zu Tlmütz Geschäftsstyl. ködere Mathematik
und Militärmcippirung. Im italienischen Feld-
Zuge 1829 kämpfte er als Major mit seinem
Negimente an der >2esia, in den Schlachten
bei Magenta, Vuffalora und Tolferino mit
solcker Auszeichnung, daß er den Trden der
eisrrnen Krone dritter (blasse mit der Kriegs'
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Volume 44
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Terlago-Thürmer
- Volume
- 44
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1882
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 360
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon