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Toman, Lovro 247 Noman, Lovro
Petrino ^Bd. XXI I , S. 120^j, indem
er vornehmlich auf dessen Anstiften an
der Spitze seiner Parteigenossen mit einer
schriftlichen Erklärung, gleichzeitig mit
den Polen und den sogenannten Süd-
ländern, am 81. März 4870 den Austritt
aus dem Abgeordnetenhause anmeldete
und somit an jenem Sprengungswerke
seinen entsprechenden Antheil hatte. Als
Toman starb, vetlor die kleine slovenische
Fraction ihren Führer. Zur Vervollstän-
digung der parlamentarischen Silhouette,
welche wir von Toman im Vorstehen-
den gezeichnet haben, fügen wir aus
seiner Thätigkeit als Volksvertreter noch
einige Thaten hinzu, welche glücklicher-
weise nur in Phrasen bestehen und auch
solche geblieben sind. Diese Blumenlese
seiner parlamentarischen Knallerbsen wird
genügen, um seine staatsmännische Weis-
heit zu stigmatisiren. Wir berichten nur
Thatsachen. I n der Sitzung vom 23. Juni
1862 entfuhr ihm in seiner aus Anlaß
der Errichtung von Mittelschulen gehal'
tenen Rede folgender Satz: „Eine poli-
tische Suprematie in Oesterreich können
wir dem deutschen Elemente auch in
Rücksicht der Bildung nimmermehr zu-
erkennen" ' — in einer Beseda zu Mar»
bürg am 3. August 1862 rief er: „Die
Slovenen wollen sich eher unter den
Trümmern von Marburg begraben lassen,
als zugeben, daß diese Stadt eine deutsche
sei"; worauf der Abgeordnete Baron
Carneri in einem aus Wildhaus am
10. August 4862 abgesendeten Schreiben,
welches die (Gratzer) Tagespost ääo.
13. August 1862, Nr. 183 als „Dr. To-
man in Marburg" betitelten Leitartikel
abdruckte, dem slovenischen Schwärmer
den Standpunkt klar machte; — in der
Sitzung des krainischen Landtags vom
28. Jänner 1863 ließ Toman die merk-
würdigen Worte fallen: „Die slovenische Nation ist berufen und befähigt, eine
gleiche Stellung in der Culturgeschichte
einzunehmen wie die deutsche. Die
deutsche Sprache ist nicht der Schlüssel
zur Bildung; die Großdomäne des
deutschen Elements muß aufhören"'
worauf Anton Alexander Graf Auers-
perg den Redner eines Besseren belehrte.
Als in einer December-Sitzung des krai-
nischen Landtages im Jahre 4866 To-
man dem Staatsminister Schmerling
vorwarf, daß derselbe Alles habe germa-
nisiren wollen und dadurch die Unzu-
friedenheit der Völker Oesterreichs wach-
gerufen, und daß, wenn man heute im
krainischen Landtage die von ihm und
seinen Parteigenossen gestellten (auf voll-
standige Slovenisirung abzielenden) An-
träge ablehne, dies nicht die wahren Ver-
treter des Landes, sondern nur die Ge-
schöpfe Schmerling's thun, da erhob sich
im Landtage voll Entrüstung Alles wie
ein Mann, und der Präsident des Hauses,
der damalige Landeshauptmann Karl
Freiherr von Wurzbach, trat, für die
Würde des Hauses mannhaft einstehend,
den Expectorationen To man's entgegen,
ihm zurufend: „daß er den Redner er-
suche, die Würde des Hauses zu wahren,
da durch solche Worte die Landesvertre-
tung verletzt werde, welche auf Grund-
läge des kaiserlichen Wortes hier tage;
daß es im Landtage, in welchem Toman
selbst sitze, keine Geschöpfe eines Ministers
gebe"; worauf bei der allgemeinen Zu-
stimmung, welche der Entgegnung des
Präsidenten folgte, Toman weislich
aufs Wort verzichtete; — endlich bei
einem Diner, das Ministerpräsident von
Beust im Februar 1867 gab, und zu
welchem auch Toman geladen war, ver-
stieg sich derselbe so weit, seinem Gast<
geber angesichts der übrigen Gäste offen
ins Gesicht zu sagen, daß er ihm nur
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Volume 44
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Terlago-Thürmer
- Volume
- 44
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1882
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 360
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon