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Thomo 267 Thome
licher Weise bewährte er sich in seiner
Stellung, und gab sie erst auf, als er
von dem Grafen Ska rbek j^Band
XXXV, S. 48^, diesem aristokratisthen
Sonderling, der eigens nach Laibach ge-
kommen war, uin sich von Thome's
Bühnenleitung durch den Augenschein
zu überzeugen, zum artistischen Director
des von demselben in Lemberg erbauten
Theaters ausersehen wurde. Dies geschah
l847. Thom6 nahm an. Als aber die
Ereignisse des Jahres 1848 wie überall
so auch in Lemberg die Theaterverhält-
nisse unsicher machten, löste er seinen
Contract mit dem Grafen und folgte
einem Rufe der Stände von Kram und
Kärnthen zur Uebernahme der Bühnen
in Laibach, Klagenfurt und Trieft. Bis
1830 dirigirte er daselbst mit gewohntem
Erfolge, da aber um diese Zeit das Gratzer
Theater zu vergeben war, bewarb er sich
um dasselbe und wurde aus einer bedeu»
tenden Zahl von Bewerbern einstimmig
gewählt. Er stellte ein gutes Schauspiel
und in der Oper ein treffliches Ensemble
mit so schöner Ausstattung her, daß man
bei jeder Oper, die in der Murstadt zur
Aufführung kam, zu sagen pflegte: „Man
muß den „Propheten" in Wien hören
und in Gratz sehen". Noch ein anderes
Verdienst gebührt ihm in Hinsicht auf
das Gratzer Theater. Durch die zügel-
losen Zustande, welche dem Erhebungs«
jähre 1848 folgten, erstarb allmälig der
Sinn für Edleres in einem großen Theile
des Publicums, vor dem nur niedrige
Possen und haltlose Stücke, welche die
politischen Schlagwörter des Tages be-
handelten, noch Gnade fanden. Da
unternahm es Thomö, den Sinn für
das wahrhaft Schöne von neuem zu be<
leben, was ihm denn auch durch ein
trefflich zusammengestelltes Repertoire
und sorgfältige Darstellungen vollkommen
v. Würzbach. biogr. Lerikon. I.XIV. sGed - gelang. Am 22. März 1833 trat er die
! Dkection des Rigaer Theaters an, welche
^ er bis 1838 behielt. Im folgenden Jahre
! wurde ihm nach Hofmann die Leitung
des deutschen Theaters in Prag über-
tragen, und er führte sie, eine Zeit lang
^gemeinschaftlich mit Stöger, bis zum
^ 18. März 1864. Die Czartoryski'sche
Monatschrift berichtet ausführlich über
^ die Hoffnungen, welche sich an Thom6
^ knüpften, und die er auch erfüllte. Er
! hielt die älteren guten Kräfte, unter
! denen vornehmlich die Herren Sauer,
Eichenwald und Hassel, die Damen
Frey und Allram-Lechner zu nennen
sind, zusammen, verstand es, gute neue
^ zu gewinnen, darunter die Damen Burg-
^gras'f, Rudloff, Remosani, Geb-
!hardt, Schultzendorff, Raabe,
z die Herren Hallenstein und Obe r-
^ land er, dann in der Oper die Damen
Lucca, Kainz-Prause, Lichtmay,
Mick, die Herren Rok i t ansky ,
Nachbaur, Bachmann u. s. w.,
Namen, von denen mehrere in der Folge
als Sterne ersten Ranges am Theater-
himmel glänzten. Als die deutsche Bühne
1864 an Wirsing überging, und das
öechische Interimstheater, welches er
gleichfalls geleitet hatte, an Liegert
überlassen wurde, privatisirte er einige
Zeit, wurde aber im Jahre 1863 nach des
Letzteren Rücktritt auf Dr. Rieger's be<
sondere Veranlassung abermals mit der
Direction des öechischen Theaters be-
traut, welche er bis zur preußischen In-
vasion 1866 führte, wo dasselbe ge-
schloffen blieb. Eine dauernde Schöpfung
Thomä's war das Neustädter Theater,
das er auf eigene Rechnung erbaute und
in dessen Besitze er verblieben ist. , 1868
übernahm er noch die Direction des Thea-
ters in Linz, welche er in Folge eines
Schlaganfalles im zweiten Jahre nieder-
l5. Dec. l88i.^ ^
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Volume 44
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Terlago-Thürmer
- Volume
- 44
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1882
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 360
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon