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N) Georg Eignmnd 279 Thürheim, Goswin
deö oberösterreichischen Herrenstandes, in letzterer
Eigenschaft mit besonderem Eifer wirkend.
Bei der bevorstehenden Erbhuldigung Kaiser
Karls VI . ,?u Lini am 10. September 17^2
wurde er am 21. August mit zwölf anderen
Gliedern des Herren« und Ritterstandes dem
Monarchen zu dessen Empfange nach Frei-
stadt entgegmgesandt. I n den letzten Jahren
seines Lebens Witwer, zog er sich in das
Hloster der Minoriten ^u Lin-, zurück; in die
Kutte dieses Ordens gekleidet, machte er, obne
in denselben zu treten, freiwillig die Andachts-
übungen und geistlichen Erercitien mit. Er
starb im hohen Alter von 73 Jahren. Franz
Pk i l ipp G 0 tt l ieb hatte sich am 4. Februar
ltt!>9 mit N«ina Antonia Nargarttha Gräfin
5!llrljeml>!.'rg vermalt, die am 7. April 1720
das Zeitliche segnete. Von dreizehn Kindern
dieser Ebe starben zebn in frühester Kindheit;
die Neb rissen waren: Mar ia Anna Io«
sepha (geb. 1704. gest. 1769), welche sich
mit Hans Joseph Ferdinand Ioa<
chim Freiberrn von Clam 1728 vermalte
und die Nrurgroßmuttcr der jetzigen Grafen
<5lam-Martinitz ist; Mar ie Guido<
bald ine (geb. 17(18, gest. 1766), Gattin des
Grafen ^ranz Joseph Ernst Spr inzen'
stein, und Ferdinand Gundakar, der
einzig seinen Vater überlebende Sohn (geb.
1709. gest. 1770), welcher als Fähnrich im
Wenzel Wallis'schen Infanterie-Negimente,
jetzt Nr. 59. den Türkenkrieg 1738/39 mit<
machte und später kurbayrischer Kammerherr
wurde. — 16. Franz Sebastian, siehe
die besondere Lebensskizze ^2. 291). —
!7. Georg Sigmund (geb. 22. October
1666, gest. zu München 27. November 1738).
Ein Sobn Christoph Leopolds Grafen
Tbürbeim aus dessen erster Ehe mti Anna
Judi th Gräfin von Salburg , erhielt er
durch väterliches Testament die in der Pfalz ge-
legenen Herrschaften Fischbach und Stockenfels.
Anfangs k. k. Kämmerer, begab er sich spater
an den kurbayrischen Hof. wurde daselbst
1694'Hofratb, und als Kurfürst Max Ema-
nuel in Frankreich weilte, auf Befehl Seiner
Majestät Kaiser Iosepks I. Gardehaupt,
mann. dann Oberststallmeister und 1711 Oberst.
Hofmeister der jungen kurbayrischen Prinzen
wäbrend ibrer österreichischen Gefangenschaft
und Internirung zu Klagenfurt. Nach der
Rückkebr in seine Stammlande erhob ihn
M a r E m a n u e l 1716 zum Obersthof'
marschaü. und dessen Sohn Karl Albert
Kurfürst von Bayern sspäterKaiser Kar l VII.) ernannte dcn Grafen zum Oberstkämmerer,
geheimen und Conferenzrath und in letzterer
Eigenschaft zum Vorsitzenden des Conferenz«
rathes und Chef des Ministeriums. Auch war
Georg S i g m u n d Großkreuz des kur«
bayrischen adeligen Ritterordens vom heiligen
Georg. Er starb im Alter von 72 Jahren. —
18. Goswin, Sohn Wolfar t von Thür-
Heim's aus dessen Ehe mit Anna Burggräsin
von Klehe. machte im Gefolge Herzog
Ectards I I . von Bayern den ersten Kreuz-
zug mit, in welchem er bei der Erstürmung
Jerusalems unter Herzog Gottfr ied von
Bouillon am 13. Juli 1099 auf einem der
Thürme der Stadnuauern das schwäbische
Banner aufpflanzte, überdies aber auch bei
der Eroberung mehrerer fester Plätze im heili-
gen Lande sich auszeichnete. Dafür wurden
ihm Burg und Banner als Wapfenzeichen
verliehen. Nach Auentinus hat Goswin
von Thürheim „seinen Helmb anstatt der
vorhin gefübrten goldenen aus Ehrerbietigkeit
gegen den Erlöser mit dörnern Krone gezeich»
net gleich wie mehr andere mitgewesene Ritter
und Adelige derlei Zeichen und Angedenken
in deren Wappen eingeführet". Es hatten
nämlich 52 Geschlechter aus Lothringen und
Burgund zur Erinnerung an ihre Betheiligung
am Kreuzzuge unter Gottfr ied von Bouillon
die Dornenkrone in ihr Wappen genommen,
von den deutschen Familien jedoch nur fünf»
zehn. darunter Neustätter. Poe l ing .
längst erloschene Geschlechter. Eyb, die älteste
ausgestorbene Linie Frankenthal. Thür«
heim u. s. w. Dornenkrone, Burg und
Panner, welche im Grafendiplome ihre er«
neuerte Bestätigung erhielten, bilden noch heute
daS Mitielschild des T h ü r h e i m'schen
Wappens. Nach neueren genealogischen Werken,
so nach K neschke's „Grafenhäusern der Gegen»
wart", Bd. I I , S. 330—333. dem „Neuen
allgemeinen deutschen Adelslerikon". Bd. IX.
S. 207, und So l tmann 's „Handbuch",
S. 10U0—1002, hätte der deutsche Kaiser dem
tapferen Ritter die Grafenkrone angetragen,
dieser aber die Dornenkrone erbeten, welcher
Umstand jedoch mit Recht bezweifelt werden
kann; auch irren diese Werke in den Daten,
indem sie Ptolomais statt Jerusalem und den
dritten Kreu^ug statt des ersten setzen. Das
vorerzahlte Factum sowohl aus authentischen
älteren genealogischen Werken, als aus Fami-
lienurkunden geschöpft, ist das allem richtige.
Unter dem Titel: „Die Dornenkrone Christi
im Wappen der Grafen von Thürbeim"
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Volume 44
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Terlago-Thürmer
- Volume
- 44
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1882
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 360
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon