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Thürheim, Franz Joseph 287 Thürheim^ Franz Joseph
den siebenjährigen Krieg mit, wurde
4768 Major bei Darmstadt-Infanterie
Nr. 35 und 1773 Oberstlieutenant und
Grenadierbataillons - Commandant. Bei
Einführung eines neuen Systems der
Waffenübung bewies er in letzterer Stel-
lung so große Geschicklichkeit und eifrige
Thätigkeit, daß er, als sich im Lager bei
Prag im September t776 jedes Bataillon
einzeln vor Kaiser Joseph I I . produ-
ciren mußte, das besondere Lob und die
Gunst dieses Monarchen erwarb, der ihm
laut zurief: „Bravo, Thürheim, Bra-
vissimo ! Ich bin sehr zufrieden mit Ihnen!
Fahren Sie so fort! Ich habe noch selten
solche Verbesserungen, wie in Ihrem Ba-
taillon gesehen!" Der Kaiser reichte ihm
hierauf die Hand, alle Generäle beglück-
wünschten ihn, Fürst Karl Liechten-
stein umarmte ihn vor dem Kaiser, und
Marschall Lacy sandte ihm am nächsten
Morgen seine Glückwünsche mit dem Be-
merken : „daß das Bataillon in der
wahren Ordnung sei". Der Regiments-
inhaber Theresien-Ritter Feldmarschall-
Lieutenant Graf Patrik Wa l l i s , Gene-
ralinspector der Infanterie in Böhmen,
sagte bei dem großen Rapport öffentlich:
„Ich will den Armen hundert Ducaten
schenken, wenn ich T h ü r h e i m als
Oberst in meinem Regimente behalten
könnte, aber wie die Dinge jetzt stehen,
wird man mir ihn bei nächster Gelegen-
heit wegnehmen". I m nächsten Carneual,
1777, begab sich Oberstlieutenant Graf
Thürhe im auf Urlaub nach Wien und
besuchte noch am Tage seiner Ankunft
die Redoute. Kaum in den Saal ein»
getreten, sah er einen schwarzen Domino
auf sich zukommen, von welchem er bei
seinem Namen genannt und begrüßt,
bedeutet wurde, ihm zu folgen; da er-
kannte Thürheim trotz der Maske den
Kaiser Joseph und entschuldigte sich, Seine Majestät nicht sogleich erkannt zu
haben. Der Monarch aber nahm ihn bei
der Hand und sagte: „Bleiben wir bei-
sammen", und eine Stunde auf- und ab-
gehend, unterhielt er sich mit dem Grafen,
an den er Fragen stellte, und dessen nicht
zu vergessen, er schließlich versprach. Und
so geschah es auch, denn bald darauf
wurde Thürheim Oberst und Com-
mandant des Regiments Karl Lothringen
Nr. 3, welches damals in Korneuburg
sein Standquartier hatte. Als er sich bei
dem Kaiser für sein Avancement be-
dankte, führte ihn dieser zu Mar ia The-
resia und stellte ihn derselben als den
neuen Obersten des Regiments Charles
de Lorraine (ihres Schwagers) vor mit
der Bemerkung: „ T h ü r h e i i n ist ein
Ehrenmann und sehr guter Offmer".
Mit dem neuen Regimente marschirte
Oberst Thürheim im bayrischen Erb-
folgekriege zu der in Mähren aufgestellten
Armee und bezog an der schlesischen
Grenze bei Troppau die vom General
Barco befehligten Vorposten. Wie er
schreibt, ritt er die preußischen Huszaren
keck an und tiraillirte mit der Infanterie,
auch machte er mehrere Gefangene. Den
ganzen Winter 4778/79 dauerte der Vor-
postendienst in strengster Weise bei großer
Kälte, Krankheiten brachen aus, und
das Regiment Karl Lothringen verlor
auf diese Art viele Leute, überdies erhielt
es eine Ergänzung von 4600 Rekruten,
die im Angesicht des Feindes abzurichten
waren. Nach dem Teschener Frieden kam
Thürheim mit seinem Regimente zur
Aufwartung nach Wien. Im nächsten
Jahre verlor es seinen Inhaber, den
Herzog Kar l und wurde dem dritt-
geborenen Sohne des Großherzogs von
Toscana, dem neunjährigen Prinzen
Karl (dem späteren Sieger von Würz-
bürg, Caldiero und Aspein) verliehen.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Volume 44
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Terlago-Thürmer
- Volume
- 44
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1882
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 360
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon