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eiM) Franz Ludwig 289 Thnrheiin, Franz Ludwig
stieg. Als solcher wirkte er im Feldzuge
1737 gegen die Türken mit den unter
seinem Commando kämpfenden zwei Ba-
taillons und zwei Grenadier-Compagnien
des Regiments bei der Einnahme von
Nijsa, sowie der Belagerung und Er-
stürmung von Usitza thätigst mit. In
dem vom 2. Juni 1738 datirten Decret
seiner Ernennung zum Obersten und
Commandanten desselben Regiments
wurden seine Verdienste in letzterem
Kriege ausdrücklich erwähnt. Im Feld-
zuge 1738 kam er mit seinem Regimente
zu dem im Lager bei Gradisca stehenden
Lobkowitz'schen Corps, mit welchem
er nach der Schlacht bei Kornia die
Stellung am eisernen Thorpaß bezog.
Hier sowie im Hatzeger Thale ver-
blieb er auch im nächsten Feldzuge
1 739. Bei Ausbruch des österreichischen
Erbfolgekrieges mit seinem Regimente
Siebenbürgen verlassend, rückte er am
22. Mai 1741 bei der Armee des Feld-
marschalls Grafen Neipperg im Lager
bei Neisse ein. Am 17. Mai 1742 focht
er in der Schlacht bei Chotusch, wo er
am Kopfe schwer verwundet wurde, in
Folge dessen er zeitlebens ein silbernes
Hirnblättchen tragen mußte. Das Regi-
ment, seit 1740 Leopold Daun-Infan-
terie, hatte sich unter Thür Heim's
Führung in letzterer Schlacht glänzend
hervorgethan, aber den empfindlichen
Verlust von 24 Ofsicieren und 422 Mann
an Todten und Verwundeten erlitten.
Schon im nächsten Feldzuge, im Treffen
bei Simbach, zeichnete
sich
der Graf neuer-
dings durch seine zweckmäßigen Anstalten
und das leuchtende Beispiel eigener
Tapferkeit aus, so daß er viel zum gün-
stigen Erfolge beitrug. Von dem Prinzen
Karl von Lothringen und dem Feld»
marschall Grafen Khevenhüller der
Gnade der Königin besonders empfohlen,
v. Wurzbach, biogr. Lerikon. XI.IV. wurde er sogleich durch Beförderung
zum Generalmajor belohnt. I n dem
bezüglichen Ernennungsdecrete heißt es
wörtlich: „von ihme selbst von Jugend
auf in den Italiani, Türkisch- und derma-
ligen Krieg geleisteten treu eifrigen Feld-
diensten, darin überkommenen schweren
Bleffuren, in allen Vorfallenheiten be-
zeigten Bravour und vernünftigen Cow
duite, besitzenden guten Kriegserperienz
und Geschicklichkeit nicht minder in dem
ihm begleitenden ruhmwürdigen Eigen-
schaften u. s. w.". Als General machte
Franz Ludwig die Feldzüge 1744 und
4743 am Rhein, in Böhmen und Bayern
mit. Bei Gründung der Wiener-Neu-
städter Militär-Akademie 1732 wurde er
Unter- oder Localdirector derselben unter
der Oberdirection des Feldmarschalls
Grafen Daun. Wie der Historiker Pro»
feffor Adam Wolf in dem unten benann»
ten Werke schreibt, hatte Thürheim die
Sache so rasch angegriffen, daß die Aka-
demie schon im Herbste 1732 eröffnet
werden konnte. In Lettners „Ge-
schichte der Wiener-Neuftädter Akademie"
heißt es wörtlich: „Der einfache und
gerade Thürheim, der wegen seiner
kurzen und kernigen Sprache bekannt
war, besaß bei vielem militärischen Geiste,
den er der Jugend einzuflößen wußte,
auch die Gabe, auf das Gemüth der-
selben zu wirken und sich ihre Liebe und
ihr Vertrauen zu erwerben; er gab sich
viel mit seinen Zöglingen ab, sorgte für
ihre Bedürfnisse und wußte seinen Ein»
Wirkungen auf deren Bildung ohne
Zwangsmittel Erfolg zu verschaffen".
Noch heute befindet sich in der Directions-
wohnung der Militär-Akademie zu Wiener-
Neustadt sein Porträt, eine gleichfalls ge-
malte Copie desselben im Thürheim'-
schen Schlosse zu Weinberg. Seit 23. Juli
1732 Feldtnarschall-Lieutenam, wurde
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Volume 44
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Terlago-Thürmer
- Volume
- 44
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1882
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 360
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon