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) Franz Sebastian . 292 Thürheim^ Franz Sebastian
Siegeszeichen Kaiser Leopold I. an
dessen Hoflager in Wien zu überbringen.
In den nächsten Feldzügen kämpfte er
noch als Oberstlieutenant im Metternich'-
schen Infanterie-Regimente, jetzt Nr. 11,
von welchem er 1698 sechs Compagnien
als Stammcadre zu einem aus der
doppelten Anzahl Compagnien zu errich-
tenden 1800 Mann starken Fußregimente
erhielt, zu dessen wirklichem Inhaber,
Obersten und Commandanten er gleich«
zeitig laut Bestallungsbriefes ääo. Wien
6. Juni d. I . ernannt wurde. Dies ist das
noch heute bestehende 28. Infanterie-Re-
giment König Humbert von Italien. Im
selben Jahre hatte Thürheim, zum
General-Feldwachtmeifter befördert, mit
einem Bataillon seines eigenen Regi-
ments, einem Bataillon Anhalt (als Ha«
genbach 1748 reducirt) und den Corbelli-
Kürassieren (als Podstatzky 1773 reducirt)
die kaiserlichen Bevollmächtigten auf den
zu Karlowitz tagenden Friedenscongreß
zu begleiten, wo dieselben am 22. und
23. October ankamen. Während dieses
Congrefses, welcher mit dem am 26. Jän-
ner 1699 erfolgten Friedensabschluffe
endete, leisteten seine Truppen den Ehren-
dienst. Auch in seiner neuen Charge als
General führte Thürheim das Com-
mando seines Regiments noch einige
Jahre weiter. Im Winter 1700 garni-
sonirte er mit demselben zu Szathmär,
im December 1701 brachte er es nach
Siebenbürgen. Von da zur Uebernahme
des Commandos einer Brigade bei dem
Neichsheere in Bayern abberufen, wohnte
er im Feldzuge 1702 mit derselben der
Belagerung von Landau bei. Im Jahre
l,704 zum Feldmarschall-Lieutenant be-
fördert, erhielt er am 4. Mai den Ober-
befehl über die gegen Bayern in der
Umgegend von Haag und Riedau auf-
gestellten .Operationstruppen. I n dieser Stellung hatte er große Uebetstände zu
bekämpfen. Die bayrischen Bauern ver«
sagten nicht nur alle ausgeschriebenen
Lieferungen, sondern rotteten sich auch
zu bewaffnetem Widerstände zusammen.
Als seine wiederholten Drohungen nichts
fruchteten, schritt er zu strenger militä'
rischer Eiecution; der Ort St. Lamprecht
wurde zuerst gezüchtigt. Es hatten sich
einige bayrische Dragoner an sehr ver-
wegene Bauern angeschlossen, welche
prahlten, den General Thürheim über-
fallen und ihm den Weg nach Oesterreich
weisen zu wollen. Am 24. Juli 1704,
Nachts zehn Uhr, wurde Oberstlieutenant
Mednyanszky beordert, mit seinen
Huszaren gegen St. Lamprecht aufzu-
brechen und die Frevler zu Paaren zu
treiben. Der Ueberfall gelang den Husza-
ren vollkommen, welche die rebellischen
Haufen zerstreuten, zwanzig Bauern zur
Erde streckten und zwei Häuser, aus
denen man auf sie gefeuert hatte, nieder-
brannten. Härter erging es dem Orte
Tauffkirchen. Die dahin entsendete Trup-
penabtheilung Thürheim's wurde aus
allen Häusern, besonders aber vom Kirch-
thurme und aus dein Friedhofe mit einem
lebhaften Musketenfeuer empfangen, denn
die Ortsbewohner hatten sich schon auf
die Ankunft der Kaiserlichen vorbereitet.
Wiederholt mußten diese ihre Angriffe
auf die verschlossenen Häuser erneuern,
und obwohl sie endlich an verschiedenen
Stellen Feuer legten, um die Leute zu
zwingen, herauszugehen, stellten sich die-
selben auch dann noch zu verzweifelter
Gegenwehr und todteren mehrere Sol-
daten. Aber die Truppen blieben Sieger,
und der Ort wurde der Plünderung und
den Flammen preisgegeben. Nun drohte
Feldmarschall «Lieutenant Graf Thür-
heim am 2!5. Juli in einem Patente
an die Bauern, daß Jeder, der binnen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Volume 44
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Terlago-Thürmer
- Volume
- 44
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1882
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 360
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon