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Thürheim, Johann Wilhelm 296 Thürheim^ Iohaim Wilhelm
mauerte er am Tage vor der Besetzung
der Hauptstadt daselbst alle wichtigen
Archivsacten, vorzugsweise jene auf die
pragmatische Sanction bezugnehmenden,
und befahl „den darüber bestellten
Landschaftsofficianten noch im Fall feind»
licher Nachfrage die äußerste Verschwie-
genheit und vorschützende Verschikhung";
endlich, wie auch Johann Wilhelm
im vierten Punkt seiner an die Königin
gerichteten Bittschrift sagt: „hatte er
durch seine heftige und eifrige Zuspräche
die feindliche Generalität zu der Chc^
made bewogen und dadurch die gänzliche
Einäscherung von 3inz.verhindert". Zum
Veweis der Abneigung des Feindes führt
er Punkt 7 an: „daß seine eigenen Herr-
schaftsunterthanen nicht geschont wurden,
sondern 30 deren beßten Häusern er-
bärmlich ausgeplündert und deren In»
saßen zu aufgelegten Bettlern gemacht
worden". Die Stände stellten ihm ein
schriftliches Zeugniß ääo. Linz 13. De.
cember 1742 aus, dessen gerichtlich
vidimirte Copie uns vorliegt; darin
Habenselbe „ungeachtet seiner gezwungen
mitgemachten Huldigung, dessen Amts'
thatigkeit im Interesse des Dienstes seines
rechtmäßigen Herrschers das ehrendste
Zeugniß" gegeben. Unterschrieben sind
vom Prälatenstände: der Propst Johann
Georg zu St. Florian; vom Herren«
stände: Georg Leo Freiherr von Ho-
henek und vom Ritterstande: Johann
Achaz Gottfried Wil l inger von Aw.
Ein Beweis für Johann Wilhelms
Sch'uldlofigkeit ist ferner, daß an dessen
Stelle der Kurfürst von Bayern den
Freiherrn von Weicks zum Präsidenten
der Stände ernannte. Ueberdies war
Graf Thürheim, wie er Punkt 3 seines
Bittgesuches an die Königin anführt:
„nur auf Eurer königlichen Majestät Er»
laubniß mit der Hülffe des Verordneten ! Collegyj allhier ii>. 1oec> geblieben und hat
die nöthige Fourrage und übrigen Lebens-
mitteln für die zahlreiche feindliche Armee
! mit Allergnädigsten Königlichen Vor-
! wissen und alleinig zur Abwendung eines
^ größeren .Lands-Unheyls aufgeschrieben
! und herbeygeschaffet". Ungeachtet aller
^ dieser mildernden Umstände, ja trotz
^ seiner verdienstvollen Thätigkeit, erhielt
I o h a nn W i l h e l m , als er sich am
^ Tage des Einzuges des Großherzogs von
> Toscana am 24. Jänner 1742 zur
j Audienz bei diesem meldete, um im
^ Namen der Stände seine ehrfurchts>
vollsten Glückwünsche darzubringen, einen
abschlägigen Bescheid, und Feldmarschall
Graf Khevenhüller theilte ihm ein
Handschreiben der Königin cl.äo. 21. Jan-
! ner mit, welches den Befehl enthielt, den
! Grafen Thürheiin, Salburg und
Alle, welche dem Feind gehuldigt,, aus
der Stadt fortzuschaffen,' und sollten
dieselben die weiteren Befehle auf ihren
Gütern erwarten. Auch wurde Johann
Wilhelm auf ausdrücklichen Befehl
Maria Theresia's seiner Würde als
Präsident der Landschaft entsetzt. Tief
gekränkt im Gefühle seiner treuen An-
hänglichkeit an seine Monarchin, der er
ungeachtet seiner Zwangslage im An»
gesichte des Feindes die noch möglichen
Dienste geleistet, verließ er sogleich mit
seiner in Folge der Leiden des Bombar»
dements schwer erkrankten, in gesegneten
Umständen befindlichen Gemalin Linz.
In drei Tagreisen, in strengster Winter'
kalte, wobei die Gräfin in einer Sänfte
getragen werden mußte, erreichte er
Schloß Weinberg. Der Mangel an ärzt-
licher Hilfe daselbst machte den ange«
griffenen Gesundheitszustand seiner Ge-
malin noch qualvoller. Neun Tage später,
am 6. Februar kam zu Weinberg zur
Welt die jüngste Tochter Johann Wil-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Volume 44
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Terlago-Thürmer
- Volume
- 44
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1882
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 360
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon