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) Johann Wilhelm 297 Thürheim^ Johann Wilhelm
Helms, Namens Iosepha Alber-
t ina, welche 21 Jahre nachher die
Mutter eines in der österreichischen Kriegs'
geschichte rühmlich bekannten Helden, des
Feldzeugmeisters und Maria Theresien-
Ordens-Commandeurs Gabriel Marquis
C h aste l ler wurde. Im December
1742 erhielt der Graf wieder die Er-
laubniß zur Rückkehr nach Linz. Schon
aus seinem Hauptquartiere Passau am
4. Februar dieses Jahres hatte ihm Feld-
marschall Graf Kheven hüller einen
sehr theilnahmsvollen freundschaftlichen
Brief geschrieben, worin er unter Anderem
sagt, daß er gar gerne glaube, daß I o»
hannWilhelm Unschuldig sei, und daß
er „aus ganzem Herzen gern" ihm was
Dienstgefälliges erweisen wolle. Diese
Worte aus der Feder eines Retters der
Monarchie und erprobten Mannes, dessen
Anschauungen strenge waren, sind an und
für sich schon ein Zeugniß für die geringe
Schuld Johann Wilhelms, die sich
nur auf die erzwungene passive Huldi
gungsleistung beschränkt! Was hätte
Thürheim, der sich in Linz auf aus
drückliches Geheiß und Vorwiffen der
Königin aufhalten mußte, thun können,
um den HuldigunaMct in dem vom
Feinde besetzten, von jeder kaiserlichen Be«
satzung entblößten Lande zu verhindern?
Und endlich lautete der von dem Grafen
Hohenfeld vom 7. September 1741
datirte Bericht über den erhaltenen
Bescheid ausdrücklich dahin, daß die
Königin das in Folge der feindlichen
Uebermacht Unvermeidliche niemals un-
gnädig ansehen würde. Ueberdies
hatte Thürheim in dieser Zwangslage
mehrere Beweise seiner Anhänglichkeit
an seine Königin und an sein Land ge-
geben: so die Rettung wichtiger Docu-
mente, die Hintertreibung vom Feinde
versuchter Geldanlehen, seiner Zusprüche ^ zur Uebergabe von Linz an die kaiserlichen
Truppen zu geschweigen. Aller dieser
nicht unwichtigen Momente wird in
mehreren Geschichtswerken mit keiner
Sylbe gedacht, sondern es werden nur
Anklagen und solche Thatsachen vorge-
bracht, die Thürheim geradezu schuldig
erscheinen lassen. Der gleichfalls vor-
gebrachten Beschuldigung, daß er die
Oberstkämmererwürde bei dem Kurfürsten
Karl Albert bekleidet habe, liegt aber
eine Verwechslung mit dem Grafen
Georg Sigmund Thürheim von
der bereits seit 1666 abgezweigten bay-
rischen Linie zu Grunde. Letztgenannter,
ein bayrischer Unterthan, bekleidete diese
Würde bei dem Kurfürsten Karl Albe rt,
war zugleich geheimer Conferenzrath und
Chef des kurbayrischen Ministeriums und
Conferenzrathes, auch Großkreuz des bay-
rischen St. Georgordens, starb aber im
72. Lebensjahre am 27. November 1738
zu München, war also damals bereits
drei Jahre todt. Jene traurige Begeben-
heit des feindlichen Einfalls und die
Kränkung, welche Thürheim in Folge
desselben erlitten, nagten von jener Zeit
an seinem Leben, das er größtentheils
in ländlicher Zurückgezogenheit zu Wein-
berg verbrachte. Nur 4743 tritt er noch
einmal in öffentliche Thätigkeit, als Prä-
sident der oberösterreichischen Commercien-
und Manufacturs'Hofcommission. Nach
langwierigem Leiden starb er im Alter
von 57 Jahren zu Weinberg, in den
Armen seines ältesten Sohnes Christoph
Wilhelm, plötzlich an einem Schlag'
stufse. J o h a n n W i l h e l m stiftete
im Verein mit seinen Brüdern für die
Pfarrkirche zu Käfermarkt, sowie für
Schulhaus, Spital und Armenanstalt
daselbst, ein Capital von 43.000 fi. Sein
Porträt nebst zwei großen Gemälden,
von denen eines den feierlichen Empfang
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Volume 44
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Terlago-Thürmer
- Volume
- 44
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1882
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 360
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon