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Thürheim. Joseph Gundakar 399 Thürheim, Joseph Gundakar
Luise Gräsin Thürheim gegründeten!
Stiftung des Brünner Damenstiftes.
Thürheim, Joseph Gundakar Graf
(geschickter M echaniker, geb. zu N e u-
markt in Niederösterreich am 33. Fe-
bruar 1709, gest. zu Wien am 23. Jan-
ner 1798), der fünftgeborene Sohn
Christoph .Wilhelms des Aelteren
Grafen Thür heim aus dessen Ehe mit
Maria FranciscaMichaela Gräfin
von Kuefstei n. Auf der Rückfahrt von
Wien nach Linz begriffen, mußten seine
Eltern in dem kleinen Dorfe Neumarkt
Halt machen, wo er zur Welt kam. Auf
einer Reise geboren, war er auch bis in
sein hohes Alter äußerst beweglich, ein
Freund von Wanderungen, nie längere
Zeit an einem Orte verweilend. Nach
vollendeten Studien trat er, achtzehn
Jahre alt, an der Seite eines Mentors
1727 die zur letzten Ausbildung übliche
Reise an, welcbe drei Jahre dauerte, denn
erst 1730, wie sein im Besitze der Familie
befindliches Reisejournal ausweist, kam
er in die Heimat zurück. Gr hatte ganz
Italien, Frankreich und alle deutschen
Länder kennen gelernt, zu Rom, Paris
und in den größeren geistlichen und welt-
lichen deutschen Residenzen an den Höfen
sich vorstellen lassen, zu deren Festen er
auch geladen wurde. Im Jahre 1731
dem Staatsdienste sich widmend, ward
er kaiserlicher Rath und Landrath in
Oberösterreich, sowie Kämmerer Kaiser
Karls VI. und kam in der Folge zur
niederösterreichischen Regierung in Wien.
Nacb dem Tode seines Vaters, 1738,
erbte er die fürstlich Pafsau'schen und
fürstlich 3 iechtenstei n'schen Reichslehen
bei Puchenau und Schwertberg. Nach
seiner Vermälung 1745 zog er sich aus
dem Staatsdienste zurück, auf das von
ihm gekaufte Gut Ulnblowitz bei Kcumau in Böhmen, welches er 1783 wieder ver-
kaufte. Im Jahre 1749 trat ihm seine
Mutter die ihr nach dem Erlöscben der
oberösterreichischen Linie ihrer Stamm-
familie erblich zugefallenen Herrschaften
Schwertberg, Windegg und Hartheim ins
Eigenthum ab, welchen Besitz er durch
das seinem Schwager Max Guidobalo
C a v r i a n i 1770 abgekaufte Schloß
Pragstein bei Mauthausen vermehrte.
1768 bis 1770 ließ er nach einem von
ihm selbst genau und sorgfältig entworfe-
nen Plane auf seiner Herrschaft Schwert-
berg einen großen Park herstellen, dessen
Arbeiten er persönlich leitete und über-
wachte, so daß die jetzt noch bestehen-
den Parkanlagen zu Schwertberg seine
Schöpfung sind. 1777 baute er nächst
derPfarrkirche daselbst eine Familiengruft,
welche auch seine letzte Ruhestätte wurde.
1784, bereits ein 7ojahriger Greis, begab
er sich zu längerem Aufenthalte in die
Niederlande, wo er zu, Nivelles bei seiner
Tockter Therese, welche Stiftsdame
dieses einst berühmten Stiftes war, oder
bei seinem bereits verehelichten älteren
Sohne Joseph Wenzel zu Lüttick,
Orbeck und Huy lebte. Or war ein sehr
gesckickter und pasfionirter Mechaniker,
verfertigte selbst Taschenuhren, und ein
von ihm construirtes Clavier befindet siä>
noch heute im Schlosse zu Weinberg. Die
Brabanter Revolution 1790 vertrieb den
mehr als 80jährigen Greis aus den Nie-
derlanden. Den Rest seiner Tage ver
brachte er zu Schwertberg, das er 1793
seinem Sohne Joseph Wenzel ins
Eigenthum übergab, oder zu Wien, wo
er, 89 Jahre alt, starb. Bis an sem
Lebensende hatte er
sich jugendlich heiteren
Sinn und bei großer Herzensgüte eine
ungemeine Lebhaftigkeit des Tempera -
menrs bewahrt. Bereits ein hoher Sieb-
ziger, hatte er einen seiner Neffen, einen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Terlago-Thürmer, Volume 44
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Terlago-Thürmer
- Volume
- 44
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1882
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 360
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon