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Töpfer, Karl 240 Töpfer, Karl
in der vormärzlichen Zeit, sowie die!
„Originalien", dabei schrieb er mehrere'^
Erzählungen, die ein freundliches Publi-!
cum fanden, ferner Gedichte epischen j
und lyrischen Inhalts, von denen Heiw
rich Heine, der mit ihm befreundet war,
sagte, daß sie ihm den ersten Anstoß
gegeben, sich als lyrischer Dichter zu ver»
suchen. Aber auch seine dramatischen
Originalarbeiten nahmen ihn viel in Aw
spruch. Sein feiner Humor, die aus
mehrjähriger schauspielerischer Thätigkeit
gewonnene praktische Erfahrung und
eine Kunst der Mache, wie sie wenigen
dramatischen Poeten eigen, gaben seinen
Stücken einen eigenen Reiz. Dabei schrieb
er auch Nachbildungen fremder, meist
englischer Bühnenwerke. Jedes neue
Stück war ein Gewinn für das Reper»
toire, hielt sich lange auf demselben, und
mehrere gehen noch heute in Scene. Im
Ganzen verfaßte er zweiunddreißig Stücke
(Töpfer's schriftstellerische Thätigkeit ist!
unten verzeichnet), theils Originale,!
theils Nachbildungen, von denen wir außer ,
den schon genannten hier noch einige an»!
führen, die sich bis zur Stunde behaupten,
wie: „Die Einfalt vom Lande", „Nehmt
Euch ein Erempel dran", „Zurücksetzung",
„Freien nach Vorschrift", „Der Pariser
Taugenichts", „ K a r l X I I . auf der
Heimkehr", „Die Gebrüder Foster",
„Der reiche Mann oder die Waffercur",
welches in Wien eine so lange Reihe von
Darstellungen erlebte, daß man dem
Verfaffer aus freien Stücken das Honorar
noch einmal zahlte, und „Rosenmüller
und Finke", alle mit Ausnahme des
letzten vor Erlaß des Tantiömengesetzes
geschrieben, so daß wohl die Bühnen,
welche sie aufführen, davon den Vor»
theil ziehen, der Verfaffer aber leer aus»
ging. Für „Rosenmüller und Finke"
zahlten Wien und Berlin Tantieme -. Auch als Dramaturg war T ö p f e r
thätig, und aus weiter Ferne kam manches
mimende Talent, um bei ihm einen
Cursus durchzumachen. Künstler von
großem Ruf, wie Hendrichs und die
Krebs - Michalesi, befanden sich unter
seiner dramaturgischen Zeitung. Als am
29. Februar 1870 das Hamburger
Thalia-Theater die fünfzigjährige Iubi-
laumsfeier des Schauspieles „Hermann
und Dorothea" beging, überwies Di»
rector M a u r i c e , dieser weiße Rabe
unter den Theaterdirectoren, die Ein»
nähme des Abends dem damals?8jähri«
gen Bühnendichter. Nur ein Jahr über-
lebte Töpfer diese in der That sehr
wohlverdiente Huldigung, hatte ja auch
er, wie so Viele, nur gesäet, um Andere
die Frucht seiner Mühen ernten zu sehen.
Im Jahre 183l hatte sich Töpfer mit
Friederike von Haff ten aus Butzow
in Mecklenburg-Schwerin vermalt. Der
Sohn, der aus dieser Ehe hervorging,
wurde Doctor der Rechte und lebt als
Advoccit in Hamburg. Schließlich sei noch
bemerkt, daß K a r l T ö p f e r , der
Dramen- und erzählende Dichter, nicht zu
verwechseln ist mit Rudolph Töpfer,
dem Verfasser der berühmten „Genfer
Novellen".
Ueberficht der Werke Karl TÜpfer'5. „Lust»
spiele". I.—VII. Band (Berlin l839 bis
i83l, Duncker und Humblot, gr. t2). Erster
Band.- „Der beste Ton. In vier Aufz."; —
„Nehmt Euch ein Erempel dran! In einein
Auf;.", auch in E. Vloch's „Theater« Corre»
spondenz"; — „Tchein und Seyn. In fünf
Auf;.". Dieser Band erschien bereits im Jahre
183tt in erster Auflage.— Zweiter Band:
„Bube uyd Dame" ; — „Der Krieg mit dem
Onkel"; — „Freien nach Vorschrift" (1833).
— Drit ter Band: „Die Einfalt uoni
3ande. Frei nach dem Englischen in vier
Auf;."; — „Laßt mich lesen! Originlll«3ust'
spiel in vier Auf',."; — „Karl der Zwölfte
auf der Heimkehr. Frei nach dem Englischen
in vier Aufz.",- — „Der Pariser Taugenichts.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Thugut-Török, Volume 45
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Thugut-Török
- Volume
- 45
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1882
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 324
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon