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Torosiewicz, Johann
mung und den Glauben haben
sie beider,
seits gemein.
io8ienio2H, d. i. Lebensskizze des Th. Toro-
siewicz (Lemberg 1874).
Es blüht zur Stunde in Galizien ein Adels«
geschlechtNamens Torosiewicz. Vier Brüder
Theodor, Deodat, Ignaz und Joseph,
Söhne des Augustin Torosiewicz von
Czewadz. hatten große Verdienste um die
Hebung und Ausbreitung des Handels in
Galizien und baten in einem Gesuche ääo.
Iassy 1. Mai 1812 um Bestätigung ihres
Adels, welche ihnen auch mit Decret ääo.
Lemberg 28. December d. I . gegeben wurde.
Sie besaßen die Güter: Goltew im Zloczower
Kreise, Ehudykowce, Holowczynce im Czort»
kower. Szwejkow im Brzezaner und Orelec
und Sopow im Kotomeer Kreise. Dieser Fa»
milie gehören wohl folgende Träger dieses
Namens an: 1. Jacob Torosiewicz (geb.
in Galizien 1783, gest. am 19. Februar 1830).
Anfänglich versah er das nur in Galizien
bestehende Amt eines Grenzkämmerers zu
Zolkiew und Tarnopol. 1818 wurde er Rath»
protokollist bei den Landrechten in Stanisla'
wow. Seiner Tüchtigkeit verdankte er schon
im Jahre 1823 die Ernennung zum Rath bei
den Landrechten in Tarnow, von wo er 1826
in gleicher Eigenschaft nach Lemberg kam.
Sein Rechtssinn, seine Unbestechlichkeit, sein
scharfes Urtheil in Erledigung der richterlichen
Geschäfte bewirkten 1829 seine Erhebung zum
Appellationsrathe beim Lemberger Apvella-
tionsgerichte, in welcher Eigenschaft er im
Alter von 63 Jahren starb. — 2. Johann
von Torosiewicz, Gutsbesitzer zu Knydau6e
in Galizien, hinterlegte 1836 ein Capital von
30U si. in galizischen Grundentlastungs«Obli«
gationen mit der Bestimmung, daß von den
Interessen desselben jährlich am Geburtsfeste
Sr. Majestät des Kaisers drei invalide Krieger
ohne Unterschied der Nationalität zu betheilen
seien. Das Verleihungörecht steht dem Landes«
Generalcommando in Galizien zu. — 3. Gmi l
Ritter von Torosiewicz. Gutsbesitzer zu
Zastawce in Galizien, wurde 1870 in das
Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichs«
rathes gewählt. In demselben betheiligte er
sich im Frühjahre 1873 an dem wenig rühm«
lichen Strike der polnischen Abgeordneten. Zur
Zeit ist er Mitglied des galizischen Landtages,
gewählt für Brzezany aus dem Großgrund«
besitze. — 4. Ein Ritter von Torosiewicz, Torosowic). Nicolaus
vielleicht der Vorgenannte, ist Besitzer eincr
in jüngster Zeit sehr ergiebig
stießenden Petro«
leumquelle. Mitte April 1882 fand zu Sloboda
Rungurska im Kotomeer Kreise Galizicns eine
Petroleumeruption statt, welche die ganze Um«
gegend in Aufregung versetzte. Allein aus dem
Brunnen „Maria" des Ritters von Toro-
siewicz strömt das Petroleum in einer täg<
lichen Menge von hundert Faß hervor. Kur;
vorher hatte diese Quellen der ehemalige Consul
Overb eck, auch „König von Borneo" ge«
nannt, besucht, es hieß. er beabsiclitige dieses
galizische Petroleum«(5alifornien im Namen
auswärtiger Capitalisten zu kaufen. — 3. Auch
geschieht eines Nicolaus Toros iewicz .
als ersten armenisch»unirten Erzbischofs in Lem-
oerg Erwähnung. Dieser aber heißt richtig
Torosowicz. Derselbe (geb. zu Lemberg im
Jahre 1605 gest. ebenda am 29. Octobcr
1681) zeigte von früher Jugend große Net»
gung MN geistlichen Stande und wurde von
seinen Eltern nach Constantinopel geschickt,
um sich dort für den selbstgewählten Be-
ruf auszubilden. Zu jener Zeit befanden
sich nämlich die Armenier noch nicht in Ge«
meinsamkeit mit der katholischen Kirche. Ihr
Oberhaupt, das sich Patriarch nannte, wohnte
im Kloster Esmiadyn in Armenien und stand
unter persischer Oberhoheit. In lHonstantinovel
zum Mönch eingekleidet, erlangte Toro so«
wicz im Jahre 1626 das Diaconat. Nun
kehrte er nach Lemberg zurück, wo er den
Patriarchen Melchisedech antraf, welcher,
außer Stande, den dem Schah zu entrichten«
den Tribut zu zahlen, seine Residenz in Arme«
nien hatte verlassen müssen und bei den
Armeniern in Polen eine Zuflucht suchte. Die
armenische Bischofwürde in Lemberg war eben
erledigt, und so verrichtete Melchisedech
einstweilen die Functionen derselben. Er neigte
aber sehr. ohne daß die armenische Gemeinde
in Galizien es ahnte, zur Union mit der
katholischen Kirche, und als er Torosowicz
näher kennen lernte und gewahrte, daß er an
ihm einen Gesinnungsgenossen habe, ernannt,'
er ihn zum Bischof. Am h. Dreikönigtage
1627 sollte die Weihe stattfinden. Da aber
der ganze Vorgang gegen die hergebrachte
Sitte verstieß und auch ganz wider den Nil lm
der Gemeinde gesckah, so wurde uon einigen
Fanatikern, welche die Erbebung eines ge<
wissen Bernatowicz zum Bischöfe ver-
langten, der Versuch gemacht, Torosowicz
unter den Handen des ihn weihenden Pa-
.triarchcn hinwegzugehen. Aber schließlich ging
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Toffoli-Traubenburg, Volume 46
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Toffoli-Traubenburg
- Volume
- 46
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1882
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 330
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon