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Tuth. Coloman 231 Culoman
mehr zu den Lebenden; die schleichende
Gehirnkrankheit hatte aus dem kaum
fünfzigjährigen Mann einen Greis ge»
macht. Von fürchterlichen Schmerzen zer-
martert, brachte er Tage, Wochen und
Monde zu, bis er am 3. Februar 188l
Vormittags 40 Uhr durch den Tod von
seinen Leiden erlöst wurde, welche, wie
einer seiner Biographen erschütternd be»
richtet, „zwei Decennien literarischen
Ruhmes weit überwogen". Gleich zu An»
fang seiner poetischen Laufbahn, 1832,
hatte Toth eine junge Dame aus alt»
adeligem Hause, Flora Maj thvnyi
M . XVI , S. 313^ kennen gelernt,
welche selbst dichtete und sich bald zu
dem feurigen Poeten hingezogen fühlte.
Er hatte ihr seine „Heckenrosen der
Liebe" gewidmet, sie ihm die poetische
Huldigung mit einem goldenen Pocal er-
widert. Nachdem die Hindernisse, welche
die Familie der Braut einer ehelichen
Verbindung mit dem Dichter entgegen-
setzte, durch die Beharrlichkeit der Lieben»
den überwunden, wurden, wie ein Bio»
graph T6th's schreibt: „Anakreon nnd
Sappho ein Paar". Aber der Ehebund
sollte nicht lange währen. Bei der Gleich-
artigkeit des Wesens Beider konnte eine
Ergänzung nicht eintreten. Nnd wäh-
rend zuletzt die Gatten von einander
schieden, blieben die Poetm gute Freunde
bis übers Grab hinaus. Ein Sohn B<5 la
entsproß aus dieser Ehe, der sich gleich!
dem Vater der Journalistik widmete.
Unter den vielen Kränzen, welche den
Sarg des Dichters bedeckten, fand sich!
auch einer, dessen Schleifen die Inschrift !
trugen: „Flora Majthänyi an Co»
loman Toth" . Im Vorstehenden
wurden die biographischen Umrisse eines
Mannes gegeben, der zu den besten
Poeten der ungarischen Nation zahlt.
Im Folgenden ist nur noch über feine literarischen Arbeiten zu berichten. Früh-
zeitig betrat Coloman T6th das
schriftstellerische Gebiet. Kaum 16 Jahre
alt, gab er unter fremden Namen ein
paar Liedersammlungen heraus, deren
Titel wir leider nicht ausfindig machen
konnten. Gleichfalls anonym ließ er in
dem Journal „N6tK6p<2l^. d. i. Lebens-
bilder, mehrere dichterische Versuche er-
scheinen, und im Revolutionsjahre 1849
brachte er, der Stimmung der Zeit fol»
gend, seine ..(/s«/««^^", d. i. Kriegs-
lieder. Zunächst folgte, von dem Redao
teur des ^Höi^vt'utar" Ignaz Nagy
herausgegeben, eine größere, seiner ge-
liebten Flora Majthänyi gewidmete
Sammlung Gedichte unter dem Titel:
^H^eT's/?/^ ' naci ^6?5ttA", d. i. Hecken-
rosen der Liebe (Pesth 1832), worin sich
bereits ein sehr beachtenswerthes Talent
kundgab, denn diese Lieder zeichneten sich
durch seltenen Schwung, gewandte Form,
Kühnheit und Eigenart der Gedanken
aus. Weniger gefiel sein „^«'nissi
??", d. i. Paul Kinizsi, ein Volks-
epos in zehn Gesängen (Pesth 1833), in
welchem der Dichter, unter dem sichtbaren
Einflüsse des Arany'schen „Toldy"
stehend, die nationale.Kraftfülle verHerr»
licht, was freilich mehr zwischen den
Zeilen zu lesen, als direct ausgesprochen
ist. Darauf folgte eine neue Sammlung
Poesien, betitelt: „H2«H ?</ ö^V?eme?-
?z^s", d. i. Hundert neue Gedichte (Pesth
1836) und zuletzt. „ T ^ ä Xäiman
d'66366 H6»7/6)N6,??/6i" 2 köttzt. d. i. Eolo»
man T <', t h's sämmtliche Gedichte,
2 Bande (Pesth 1860, Heckenast, Bd. I
284 S., Bd. I I 3l3 S.), worin aber
seine acht Jahre später erschienenen^ , 5H'aöö
HöAsms^si", d. i. Neuere Gedichte
(Pesth 1868, Mor. Deutsch, kl. 8".,
173 S.) nicht Inbegriffen sind. Nach'
haltigeren Erfolg als mit seinen lyrischen
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Toffoli-Traubenburg, Volume 46
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Toffoli-Traubenburg
- Volume
- 46
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1882
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 330
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon