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Cornel 269 Cornel
d. i. Die Zeit (Krakauer polit. Blatt) I8ss3,
Nr. 139 und 140 snach d''esem gefallen am
10. Juni 1863). — ri-2^acie1 äomo-n?,
d. i. DerHausfreund (Lemberg. 4".) XIII. Jahr»
gang (1863). Nr. 80: „Xalilcst U^^Ici«.
Porträt. Schlechter Holzschnitt im n?i-2^a-
eiel äoino^v^", 1863, Nr. 80. Ohne Angabe
des Zeichners.
Ujejski, Cornel (polnischer Poet,
(geb. zu Boremniany im Czortkower
Kreise Galiziens 4. Juni 1823). Ueber
seinen Lebenslauf sind die Nachrichten
sehr lückenhaft. Die Angabe, welche sich
irgendwo findet, daß er anfangs der mili«
täuschen Laufbahn sich gewidmet habe,
mag wohl auf einer Verwechslung mit
einem Namensvetter beruhen, mit dem
er nicht nur den Familien-, sondern auch
den Taufnamen gemein hatte, denn in
der That besuchte ein Cornel Ujejski
(geb. zu Siedliszka in Galizien am
6. Juli 4809, also um volle 14 Jahre
früher als unser Dichter) von 1820 bis
1828 die Wiener-Neustädter Militär-
akademie. Cornel trat, sechzehn Jahre
alt, zuerst mit seinen lyrischen Dichtungen
öffentlich auf. Im Jahre 1847 befand
er sich in Paris, wo er Adam Mickie»
wicz kennen lernte und mit Julian
Slowacki sich befreundete, der auf
Cornels poetische Entwickelung nicht
geringen Einfluß übte. Nun kehrte dieser
nach Galizien zurück, widmete sich der
Landwirthschaft und hielt sich bis zu
seiner Verheiratung immer in der Um«
gegend von Lemberg auf. Seit dem
Jahre 1838 lebte er auf dem Dorfe
Zubrza, welches er von Seite des Lern-
berger Magistrates in Pacht hatte. Die
Muße seiner landwirtschaftlichen Be-
schäftigung weihte er der Poesie. Diese
brachte ihn auch einmal auf die Anklage«
bank. Es geschah dies wegen eines im
Jahre 1862 gedruckten Gedichtes. I n der schwungvollen, mit der ihm eigenen
Begeisterung und Phantasie verfaßten
Dichtung erzählt der Poet von einer
Polin, um deren Hand sich ein russischer
Oberst vergebens bewirbt. Nun fügt es
sich, daß derselbe im Hause der Polin
einen seiner Untergebenen, der einen poli»
tischen, daselbst verborgenen Flüchtling
aufgreift, mit eigener Hand niederschlägt
und hiedurch den Letzteren rettet. Diese
That bestimmt die Polin, dem zuvor ver-
schmähten Obersten die Hand zu reichen.
Das Gedicht nun widmete U j e j s k i
zwei russischen Offieieren: dem Garde-
officier Patapow und dem Capitain
Alexandrow. Ersterer ist derselbe
Gardeofficier, welcher in Warschau bei
einem Straßentumulte vor der Front
seinen Degen zerbrach und dem General
vor die Füße warf, wofür er kriegs»
rechtlich zum Tode verurtheilt und auch
wirklich erschossen wurde. Alexandrow
aber ist jener russische Capitain, welchem
in Warschau die Leitung des Telegraphen»
amtes anvertraut war. Als in dieser
Stadt 1862 große Menschenmaffen sich
zusammenrotteten, telegraphirte der
Statthalter nach Petersburg, ob er streng
einschreiten solle, die telegraphische Ant-
wort lautete „mit aller Strenge". Ale-
xandrow, welcher die Depesche empfing,
änderte dieselbe in der Ausfertigung an
den Statthalter in die Worte um: „mit
aller Milde". Als dies entdeckt wurde,
stellte man Alexandrow vor ein.
Kriegsgericht, welches ihn wegen „Ver-
rathes im Dienste" zu zwanzigjähriger
Festungsstrafe verurtheilte. Diese beiden
Ofsiciere feierte nun Ujejski in seinem
Widmungsgedichte als „große Männer
und Helden". Und dieserhalb erschien er
in Lemberg vor dem Gerichtshofe. Er
selbst vertheidigte sich energisch, und auch
sein Vertheidiger Dr. RodakowsN
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Trzetrzewinsky-Ullepitsch, Volume 48
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Trzetrzewinsky-Ullepitsch
- Volume
- 48
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1883
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 346
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon