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Nüpoleone Gaetano 223 Valer^ Napokone Gaetano
Morghen aus, Bildnisse berühmter
Maler und vier Veduten von Guardi.
Den neueren Künstlerleriken ist Valer
völlig unbekannt. Nur Ernst Ludwig
Gerber gedenkt in seinem „Neuen hifto
risch - biographischen Lexikon der Ton
künstler" >M. I V, Sp. 422^ kurz eines
Componisten und „braven Cembalisten
Valerj in Padua, der in der Jugend
Mchreres fürs Theater, 1800 aber.
schon ziemlich hoch bei Jahren, uock
gründliche Kirchenmusiken lieferte. Damit
ist zweifelsohne unser Valer j gemeint.
?Häovn.ni (paäova 18ö8,
ssr. 8") S 272.
valerj, Napoleone Gaetano (Maler,
geb. zu Padua 4. August 4810, gest.
in Venedig 23. Juni 1840). Ein
Künstler, der sich zur Zeit der österreichi-
schen Regierung an der Akademie der
Künste in Venedig ausbildete. Auf den
Wunsch seiner Angehörigen betrat er die
wissenschaftliche Laufbahn. Als er aber
eines Tages einen Stich von Raphael
M o r g h e n copirte, zeigte sich sein
Talent für die bildende Kunst in so ent-
schiedener Weise, daß jeder Widerstand,
den bis dahin die Seinigen gegen die
Wahl des Künstlerberufes erhoben hatten,
fallen gelassen wurde und Valer j seiner
Neigung zum Landschaftsfache unbehin-
dert folgen konnte. Die reizenden Partien
der nahe gelegenen Colli berici boten ihm
manches schöne Motiv dar, und so war
es zunächst das Studium der Natur,
welches ihn in die Kunst einführte.
Zugleich besuchte er die Akademie in
Venedig, wo er 4832 und in den
folgenden Jahren wiederholt Preise in
der Figurenmalerei erhielt. Nachdem er
den Curs in der Akademie beendet hatte,
widmete er sich der Historienmalerei und
eröffnete sein Atelier. Um diese Zeit voll- endete er einen „h. Paulus" für die Reli
gionsschule zu S. Pieno in Padua, und
eine „h. Nlllttrr Gllttrs. die uam Himuicl hcrll!>
steigt" für eine Dorfkirche in der Näh.'
dieser Stadt. Doch blieb ihm die Land-
schaft immer das Liebste, und jeden
Augenblick, den er dem Malen für den
Lebensunterhalt abstehlen konnte, brachte
er in den nahen Bergen zu, ihre Schön-
heiten mit seinem Stifte fesselnd. Dabe!
war er ein ungemein lustiger Kauz, der
es namentlich auf die Alterthümler ab>
gesehen hatte und ihnen, wann er nur
konnte, einen Possen spielte. Ueberhaupt
desinirte er die Alterthuinskunde als di^
Wissenschaft, welche lehre, das zu ent-
decken, was nie vorhanden war. Um
diese verbissenen Gelehrten üä adsuräun!
zu führen, fertigte er eine Medaille an,
gab ihr das Aeußere eines alten Fund-
stückes und verbarg sie dann an einem
Orte, wo ein die Erde nach allen Seiten
durchwühlender Archäolog sie finden
mußte. Dies geschah auch, und nun
begann das eigentliche Lustspiel. Ein
Arckäolog um den anderen schrieb eine
issertation über diese Medaille, jeder
seine Behauptung für die einzig wahre
haltend. Selbst der berühmte Furla-
netto ^Bd. V, S. 37^> ging in die
freilich sehr geschickt gestellte Falle.
Später wnrde der ihnen gespielte Possen
bekannt. Bald kam Valerj zur Einsicht,
daß die Landschaft sein Gebiet in der
Kunst sei, und er blieb dabei. Doch als
er sich eben um einen für. die Landschaft
von der Kunstakademie in Mailand aus-
gesetzten Preis bewarb, ward er, kaum
30 Jahre alt, vom Tode ereilt.
nticke o recenti (?a<1c>va, 1836, tipi Ä<-I
eniinario) V> 2l). — ^et^llso! e^Va^o/eons).
io^raka, cie^ü ^.riisii ?aciova.ui (paüova
^>s, gr. 5".).
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Ullik-Vassimon, Volume 49
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Ullik-Vassimon
- Volume
- 49
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1883
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 348
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon