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Divisionsgenerals Husse in D a i m
Pascha als Erzieher dessen Sohnes
H a s j a n Be y gerufen wurde. Es ist
dies jener Hussein Daim Pascha,
der sich an der berühmten Kuleli-Ver-
schwörung, bei welcher es sich um die Be-
seitigung des Sultans Abdul Medj id
sammt seinen Landesgroßen handelte, her-
vorragend betheiligte. Bei dem General
wurde nun Vämb^ry mit dem eigent-
lichen Haupte dieser Verschwörung, mit
Ahmed Essendi, dem Mollah aus
Bagdad, bekannt. Die Kenntniß, welche
er im Türkischen besaß, förderte sehr die
Annäherung Beider, die um so intimer
sich gestaltete, da es schien, als ob er zum
Islam übertreten wolle. So geschah es,
daß er den Mollah in dessen Zelle im Hofe
der Moschee besuchen durfte. Bei Ahmed
Effendi , einem gründlichen Kenner des
Arabischen und Persischen, lernte er unge-
mein viel, und dieser war es auch, dem
er für seine Umwandlung zum Asiaten am
meisten verdankte. Nachdem er sich —
ohne jedoch denWerth der abendlandischen
Bildung zu unterschätzen oder sich gar im
Innern ganz vom Abendlande loszu«
sagen — zum vollendeten Osmanli um-
gestaltet hatte, trat er in türkische Dienste
und später als Secretär in jene Fuad
Paschas. Während seines sechsjährigen
Aufenthaltes in Constantinopel eignete
er sich die Kenntniß von nicht weniger
als zwanzig orientalischen Sprachen und
Dialekten an, veröffentlichte mehrere
sprachwissenschaftliche Werke — nach
deren Titel Verfasser dieses Lexikons ver»
geblich suchte — und bearbeitete das
türkisch.deutscheWörterbuch, welches 1838
herauskam. Die ungarische Akademie der
Wissenschaften in Pesth, sowie einzelne
Ungarn bestrebten sich schon M einer
Reihe von Jahren, die Ursitze des ma«
gyarischen Volkes und in weiterer Folge seine Sprachverwandtschaft mit anderen,
sinnischer Idiome sich bedienenden Völ-
kern zu erforschen, ohne zu einem Resul-
täte gelangen zu können. Da erbot sich
nun V2.mbäry im Jahre 1860, nach.
dem ihn die ungarische Akademie zu
ihrem Mitgliede ernannt hatte, zu jenem
Zwecke eine Reise in das von Europäern
fast noch nie betretene centrale Asien zu
unternehmen. Die Akademie unterstützte
ihn mit tausend Gulden. Er beschloß, die
Reise als Derwisch verkleidet zu machen,
in der richtigen Voraussetzung, daß er als
Europäer seinen Plan kaum unbehelligt
werde ausführen können; doch hatte diese
Verkleidung anderseits wieder den Nach»
theil, daß er sich auffälliger Untersuchun»
gen, eingehender Erkundigungen ent»
halten mußte und selbst Notizen aufzu«
schreiben und aufzubewahren nur durch
List ihm möglich wurde. Ueber seine Reise
in Centralasien hat er in einem besonderen
Werke Bericht erstattet, in der ersten
Abtheilung die eigentliche Reisebeschrei»
bung gegeben, in der zweiten ungleich
wichtigeren aber reiche Notizen über Be»
völkerung, Lebensweise, Regierungs-
formen, Ackerbau, Handel, Industrie,
Straßen u. s. w. Mittelasiens mitgetheilt.
Von Constantinopel begab er
sich
zunächst
nach Teheran, um von dort über Mesched
und Herat in Mittelasien einzudringen,
da aber durch den Krieg in Afghanistan
zwischen DostMohammed K h an und
Sultan Ach ine d Khan jede Communi»
cation unterbrochen war, sah er sich ge»
zwungen, vorläufig in Teheran zu bleiben.
Hier nahm er bereits den Charakter eines
mohamedanischen Derwisch an; indeß
seine europäische Gesichtsbildung erweckte
doch zuweilen Verdacht, gefährdete seine
persönliche Sicherheit und bereitete ihm
auch sonst noch schwer zu besiegende
Schwierigkeiten. Des Wartens müde,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Ullik-Vassimon, Volume 49
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Ullik-Vassimon
- Volume
- 49
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1883
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 348
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon