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Maüishausser, I. 275
zu stellen und das berüchtigte Wiener
Phäakenthum in minder greller Beleuch-
tung zu zeigen. Als nämlich 1871 die
Grillparzer-Feier stattfand, wurde die bis
damals erschienene Gesammtausgabe der
Werke des Dichters bemängelt und als
eine wenig würdige bezeichnet. Dieser
Vorwurf traf natürlich den Verleger,
welcher eben Wallishausser. ist, und
zwar um so tiefer, als man zu den Grün-
den der Abgeschlossenheit und Zurück-
gezogenheit Gri l lparzer 's auch noch
den einen hinzufügte, daß der Poet ge»
grollt, weil er nicht eine würdige Aus-
gabe seiner Werke erlebt habe. Das aber
ist den Thatsachen entgegengehalten
durchaus unrichtig. Die Dinge stehen
nämlich so: Gri l lparzer weigerte sich
beharrlich, eine Gesammtausgabe seiner
Werke zu veranstalten, aber nicht, wie es
hie und da hieß, weil er seinem Verleger
grollte, sondern aus Motiven, die nicht
Hieher gehören. Er hatte ja gar keinen
Grund, mit seinem Verleger zu sck wollen,
welcher den Dichter in einer Weise werth
gehalten, wie Aehnlicheä bei Verlegern
jeuer Tage wohl kaum oft sich wiederholt
haben dürfte. Wall ishausser hat an
Gri l lparzer an sechszehntausend
Gulden Honorar gezahlt; für drei Auf«
lagen seines Werkes „Sapph o" erhielt
der Dichter 344 Ducaten und 300 fl.
C.»M.; für die letzte Auflage des Trauer-
spielos „Die Ahnfrau" ll844) 300 st.
C.-M.-, für „Ottokar" 2000 fi.; für
die zweite Auflage letzteren Stückes
wieder 2000 st., obgleich zwischen der
ersten und zweiten Auflage ein volles
Vierteljahrhundert verflossen; für „Das
goldene Vließ" 300 Ducaten und
330 st. C.»M.; dann aber erlebte weder
letztere Dichtung seit ^822, noch „Ein
treuer Diener seines Herrn" seit 1830
eine neue Auflage, und in der Wal l is- hausser'schen Buchhandlung befanden
sich noch in den Vierziger«Jahren als
„Ladenhüter" mehrere hundert Exemplare
Grillparzer'scher Stücke. Dies sind
Thatsachen, ganz im Einklänge mit dem
Honorar, welches Wall ishausser für
die Iohn'scken Stiche in der oben er-
wähnten „Aglaja" zahlte, uud das sich
auf j2.600 Ducaten belief. Um schließ-
lich diese Wal l is hausser'schen Hono-
rare an Gr i l lparzer noch in die rich-
tige Beleuchtung zu stellen, sei erwähnt,
daß Mosenthal für je eines seiner
Stücke hundert Thaler. Laube für die
seinigen nicht viel mehr erhielt. Diese
Thatsacken, vereint mit der knappen
Uebersicht seines nicht uninteressanten Ver-
lags, mögen die Denkwürdigkeit des
alten Wiener Verlegers und dessen Auf»
nahine in dieses Lerikon rechtfertigen,
da sie einen nickt unwichtigen Beitrag
zu Oesterreichs Cultur- und Literatur-
geschickte bilden. — Ein I . Z. Wall is-
hausser findet sich in Joseph Kürsch-
ner's „Deutschem Literatur-Kalender für
das Jahr l884" (Berlin und Stuttgart,
Speemann, 32".) unter den Schriftstel-
lern angeführt, und lebt derselbe in Wien.
Verlags < Katalog uon I . B. Nallis«
dausser. Buchhändler und k. k. Hosihecrer«
Buchdrucker in Wien. August l854 ( I . 'V.
Wallishausser'ä k. k. Hofcheater'Buchdvuckerei.
8"). — Vollständiges Verzeichn iß
von Theaterstücken auö dem Verlage oon
I . V. 'lüallishausser... in Wien (am hohen
Markt Nr. 541, neben dem Kaffeehaus)
Jänner i834, 8"., öO S.
Wallmoden Gimborn, Ludwiq Georg
Thedel, (k. k. Feldzeug meist er und
Rit ter des Maria Theresien-Ordens,
geb. zu Wien 6. Februar l769, gest.
daselbst 20. März 1862). Der Sproß
einer alten niedersächsischen Familie, über
welche die Quellen S. 279 Näheres berich-
ten. Der Vater fungirte zur Zeit, da der
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Vrčevic-Wallner, Volume 52
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Vrčevic-Wallner
- Volume
- 52
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1885
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 342
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon