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Wallner, Anton 282 Wallncr, Anton
Pinzgau die Landesverteidigung an>
zuordnen, und entledigte sich bis 30. Juni
dieser Aufgabe, worauf er in sein Haupt-
quartier im Dorfe Weisbach zurückkehrte.
Da er dort Unordnungen aller Art und
von Seite der Pflegschaften offenen nnd
versteckten Widerstand fand, schritt er
mit aller Energie ein, um die Landesver-
teidigung in entsprechender Weisc ins
Werk zu setzen; widerwilligen Beamten
drohte er, als Feinden des Vaterlandes,
sogar mit Deportation, ^ndeß nahm die
Feindesgefahr immer mehr zu. und am
8. Juli erließ er an sämmtlicde Gericdte
des Gebirges den Befehl, sogleich alle
wehrbare Mannschaft durch Sturmlauten
zu versammeln, jene des Pinzgaus nach
Weisbach, die des Pongcmä aber nack
Radstadt zu beordern- dabei sollte jeder
Einzelne für fünf Tage Mundvorrath
und Munition so viel als möglich mit-
nehmen. Die Situation wurde immer
verwickelter, nachdem am l3. Juli der
Waffenstillstand von Znaim durck die
Salzburger General - Landesadministra^
tion verkünder worden, worauf am
24. Juli die Kapitulation veo Passes
Lueg erfolgte. Anf diese Nackricbt hin
brach Wallner am ^6. Abends mit
300 Schützen aus seinem Hauptquartier
in Weiöbach auf, eilte über Zell und
Taxenbach dem trotz des Waffenstill'
standes durch das Pongau vorrückenden
bayrischen General Deroy entgegen und
leistete im Verein mit Haupt mann
Panzl, Commandanten der Zeller
Compagnie, und Hauptmann N o t t»
meyr, Commandanten der Mittersiller
Compagnie, in einem siebenstüudigen
Kampfe gegen den 7000 Mann starken
Feind Wunder der Tapferkeit. Erst auf
die Nachricht, daß eine Umgehungs-
colonne ihn im Rücken bedrohe, und da
überdies Munition zu mangeln ansing, bracb er den Kampf ab, indem er die
Unmöglichkeit einsah, der Uebermacht auf
die Dauer Widerstand zu leisten. Sein
Verlust war im Ganzen ein sehr geringer,
während der des Feindes mehrere Ofsi.
ciere und über ein halbes Hundert Leute
betrug. Doch hatte sein Widerstand immer-
hin gute Folgen, da durch denselben die
bayrische Armeediviston Deroy einen
ganzen Tag aufgehalten, das Vorrücken
des Marscdalls Lefebvre verzögert und
eine Umgehung über das Zillerthal ver-
hindert wurde. W a l l n er's Häuflein
zerstreute sich nun, und er, selbst kehrte zu
d.'n Seinen zurück. Die Gefechte am
Berge Isel am l3. und l4. August ent<
schieden neuerdings das Schicksal Tirols.
Zum dritten Male mußte der Feind das
Land verlassen. Aber nicht lange dauerte
der Friede. Bald überbrachte ein reiten-
der Bote ein Schreiben Hofer's an
Wal ln er. Derselbe sollte das Ober-
commando über sämmtliche Pinzgauer
schützen und den Landsturm, über«
nehmen und nach Sualfelden gehen,
wo sämmtliche Schützen seiner harrten.
! Er machte sich sofort auf den Weg nach
Innsbruck, um sich direct bei Hofer die
näheren Verhaltungsbefehle zu holen,
und kehrte dann durch das Zillerthal
! über Mittersill nach Zell zurück, wo er
! am 7. September das Defensionscom-
! mando übernahm. Ueberall, regte sich die
! alte Kampflust gegen den verhaßten
Feind, so sehr auch die General-Landes-
administration zu Salzburg ihre ver>
werfliche Thätigkeit im feindlichen In-
terefse entwickelte. Wal lner war wieder
die Seele des Ganzen. Er rückte durch
Hohlwege gegen Loser vor, wo unsere
Schützen schon am 3. und 6. September
die Bayern zurückgedrängt hatten. Jacob
Stracker commandirte im Pongau'
Hcmptmann Ha rasser nahm die Veste
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Vrčevic-Wallner, Volume 52
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Vrčevic-Wallner
- Volume
- 52
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1885
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 342
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon