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Maüner, Anton 283 Waüner, Anton
Werfen ein. Zuletzt kam Haspinger,
ein zweiter Peter von Amiens, und
predigte im Habit mit Rosenkranz und
umgürtetem Schwert den Kampf und
ging mit Wallner über die, steilsten
Gebirge nach Berchtesgaden. Am 23. Sey
tember fand durch Letzteren die Vertrags
mäßige Einverleibung der salzburgischen
Thaler Pinzgau und Pongau mit Tirol
statt. Als nun Alles zum Losschlagen
fertig war, rückten die Landesschützen mit
vereinten Kräften, Speckbacher vom
Passe Luftenstein über Lofer gegen Unken,
dann die Tiroler Schützen unter Firler,
Wintersteller und Obpacher vom
Unkener Gefall herab und Wallner vom
kleinen Hirschbühl gegen die Bayern.
In Weisbach, in der Ramsau, bei Holl-
thurn, am Dürnberg, überall wurde mit
höchster Erbitterung gefochten. Wall-
ner allein befehligte Anfangs October
1200 Schützen. Gekämpft wurde mit
wechselndem Glücke. Als dann nach Be-
kanntwerden des Wiener Friedensschlusses
die Pinzgauer Schützendeputation ain
19. Dctober eine Capitulation mit dem
Feinde abschloß, wollte Wallner nichts
von Unterwerfung hören, mußte sich aber
der Mehrheit fügen. Nm feine militärische
Ehre zu retten, ließ er sich das Zeugniß
ausstellen, daß er an dieser Capitulation
nicht den mindesten Antheil habe. Er
zog sich nun mit den Mittersiller Schützen
nach Oberpiuzgau zurück. Als er dort
von den Grausamkeiten hörte, welche der
französische General Rusca, wo dieser
hinkam, verübte, da griff er von neuem
zu den Waffen, schloß sich den Landes-
Vertheidigern an, welche die Lienzer
Klause besetzt hielten, vertrieb und zer^
sprengte alle einzelnen feindlichen Abthei»
lungen, schlug den Angriff des französi«
scheu Generals Garreau nicht allein
zurück, sondern brachte diesen bei Unter- pöischlag derart in die Enge, daß jeder
weitere Widerstand fruchtlos blieb und
der General sich sogar gezwungen sah,
am 10. November 1809 eine Capitulation
abzuschließen. W a l l n e r entließ nun
seine getreuen Schützen und kehrte zu
den Seimgen zurück. Da kam im De>
cember in die Gegend, wo er wohnte,
eine mobile Colonne unter Commando
Brouss ier 's , und die Capitulation
vom l0. November nicht achtend, sengte
und brannte sie und schrieb für das
arme Pusterthal eine Contribution von
1M0.000 Francs aus. Nun hielten es
die also Bedrängten nicht länger aus,
griffen von neuem zu den Waffen und
schaarten sich unter Wallner's Com«
mando zum Angriffe. Im Unterpufter«
thale stieß unser Landesvertheidiger auf
die Franzosen, drängte sie gegen Lienz
zurück und lagerte auf dem sogenannten
Ainet, während die Feinde die von
Lienz 1 ^ Stunde entfernte Klause be-
setzt hielten. Von dort aus verlangte
Broussier, daß Wallner die Waffen
niederlege und sich als Geisel bei dem
französischen Obergeneral Baraguay
d'H i l l i ers stelle, widrigenfalls man alle
Dörfer, Märkte und Städte, besonders
aber das Eigenthum des Commandanten
in Brand stecken und der Erde gleich
machen würde. W a l l n er verweigerte
in einem Schreiben ääo. Ainet 6. De«
cember 1809, diesem Ansinnen Folge zu
leisten. Er war nun vogelfrei. Sonntags
am 8. December hatte sich das Volk zur
Frühmesse versammelt, als plötzlich der
französische Bataillonschef B a r r a i s
durch einen Verräther über einen wenig
gekannten Gebirgsweg mit 42(w Mann
Infanterie und Cavallerie mit brennen»
den Fackeln und Pechkränzen anrückte,
in keiner geringeren Absicht, als die beim
Gottesdienste versammelten Schützen in
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Vrčevic-Wallner, Volume 52
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Vrčevic-Wallner
- Volume
- 52
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1885
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 342
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon