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Mallner, Franz 287 Mallner, Franz
bei dem Wiener Publicum, welches viel-
leicht mehr als jedes andere den Wechsel
liebt, nicht wohl vorgehalten haben.
Wallner aber hatte sich in diese gelun-
gene Specialität so hineingespielt, daß
er vorerst nicht leicht ein anderes Genre
auf derselben Bühne übernehmen konnte
und daher auf einen Antrag des Theater-
directors Carl um so lieber einging, als
sich da seinem Talente ein neues Feld zu
eröffnen schien. Aber diesem Director
war es um nichts weniger als darum zu
thun, den neugewonnenen Darsteller in
angemessener Weise zu beschäftigen', er
wollte vielmehr nur dem Collegen im
Theater an der Wien eine Zugkraft weg-
schnappen, und nachdem ihm dies ge-
lungen, beschäftigte er unseren Künstler
entweder in zweiten Rollen oder ließ ihn
mit zwei tüchtigen Komikern um die
Wette spielen, was bei der Beliebtheit
derselben um so größere Schwierigkeiten
hatte, als sich Wal lner in andere
Rollen nur schwer zu finden wußte. Nun
aber, da er ja mit dem Naimund'schen
Repertoire bisher nur in Wien auf-
getreten, standen ihm noch alle besseren
Bühnen Oesterreichs und Deutschlands
offen, und so löste er den Contract mit
Carl , der sich jedoch nur unter der Be-
dingung dazu verA?nd: daß sich Wall-
5c5 H r^v.ss.'ch '^/e/ zwei Jahre hindurch in
Wien nicht zu spieleM. Wallner begab
sich zunächst nach Weinberg, wo er so
gefiel, daß er dort Hwei Jahre blieb. Da^
selbst wurde Herausgeber dieses Lexikons
mit ihm bekannt u,nd verkehrte viel mit
dem Künstler, der eine große Belesenheit
besaß und für literarische Angelegenheiten
ein nickt gewöhnliches Interesse zeigte.
Von Lemberg auä unternahm Wal lner
seine Gastspielreisen, wie.sie ursprünglich
in seinem Plane gelegeil hatten, und
trat in seinen Raimundrollen in Frank- furt a. M., in Darmstadt, München,
Stuttgart, Berlin, Leipzig, Hamburg
u. s. w., überall mit so glänzendem Er»
folge auf, daß er sick entschloß, keine feste
Anstellung wieder anzunehmen und nicht
mehr nach Oesterreich zurückzukehren.
Aber durch ein ungemein vortheithaftes
Anerbieten, welches von der Peters-
burger Hofbühne an ihn erging, ließ er
sich doch zum Engagement an derselben
bewegen. Indeß blieb Wal ln er, der
mittlerweile geheiratet hatte, daselbst
nur ein Jahr lang. Dieses ruhelose Hin
uno Her — obgleich es, wie seine spa-
teren Reisen bezeugen, in seinem ganzen
Wesen lag — wollte ihm auf die Dauer-
nicht behagen, ec sehnte sich immer mehr
und mehr nach einer festen Eristenz und
plante die Gründung oder Leitung eines
eigenen Theaters. Er hatte auch nach
Abgang von der Petersburger Hofbühne
auf eigene Hand eine Wirksamkeit als
Theaterdirector in kleineren süddeutschen
Städten. Freiburg und Baden Baden, er-
öffnet und war von da für dieselbe Stel-
lung nach Posen berufen woiden. Wohl
gestalteten sich die Anfänge mitunter
ganz erträglich, aber zu einer Blüte
sind diese stets mit künstleriscber Sorgfalt
und geschäftlicher Solidität geleiteten
Unternehmungen niemals gediehen. Er
selbst erzählte, daß nach pünktlicher Aus-
zahlung der Gagen und nacd Bestreitung
der Kosten für glänzende Vorstellungen
er oft genug mit den Seinigen sich habe
einschränken müssen und eine sorgenvolle
sinancielle Bedrängniß seinem Hause
nicht fremd geblieben sei. Da bot sich
ihm mit einem Male Gelegenheit, in
Berlin die Leitung einer Bühne zu über-
nehmen, wonach er immer Sehnsucht
empfunden hatte. Cerf hatte 1848 da-
selbst im sogenannten „Gärtner- und
Weberviertel" ein Theaterchen hergestellt,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Vrčevic-Wallner, Volume 52
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Vrčevic-Wallner
- Volume
- 52
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1885
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 342
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon