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i^ Kar! 130 Weil), Karl
Dabei drängte sicb ihm unwillkürlich der
(Gedanke auf, daß eine Großgemeinde
wie Wien auch eine Bibliothek besitzen
muffe, in welcher niä't nur alle auf die
Gescbickte und das Culturleben der
Stadt, ferner die wichtigsten auf das
Gebiet der österreichischen Gesetzgebung,
der Ne^ts- und Staatöwissenschaften
bezüglichen Werke, sondern auch alle
Schriften vorhanden sein sollten, welche
über die Einrichtung der Verwaltung
anderer größerer Städte des In- und
Auslandes Aufschluß enthalten. Die
Durchführung dieses Gedankens, dessen
Verwirklichung bei einer Gemeinde wie
Wien, welche eine große Vergangenheit
besitzt und unter der autonomen Gestalt
tung des Gemeindelebens, wie auch der
Entwicklung Oesterreichs als Großstaat
einer stets größeren Zukunft entgegen-
geht, war eine nicbt geringe Aufgabe
und batte bei dem Umstände, daß man
im Vormärz in dieser Ricbtung eine fast
ans Unglaubliche grenzende Indolenz
bewiesen, und also Alles von Grund
aus erst zu sckaffen war, auch ihre
Schwierigkeiten. Doch wurde Weiß in
der Ausführung seines Gedankens von
seinem Gönner Iosephy in sehr wirk-
samer Weise unterstützt, und Bürger»
meister Sei l ler, auch bald für die
die Idee der Anlage einer Stadtbiblio-
thek gewonnen, erwirkte 4833 vom Ge-
meinderathe die dazu erforderlichen Geld-
mittel. So erhielt denn Weiß den Auf-
Nag, nach seinem Entwürfe unter Io^
sephy's Leitung die Bibliothek einzu-
richten und neben den übrigen Berufs»
arbeiten zu verwalten. Am 23. März
18558 erfolgte seine Ernennung zum
Kanzleidirections-Adjuncten, doch mit
einstweiliger Belassung in außerordent-
licher Verwendung beim Präsidialbureau,
von welcher er auch erst nach dem Rück- tritte des Bürgermeisters Oi-. Sei l ler
und der Zusammensetzung einer neuen
Gemeindevertretung vollständig enthoben
ward. Indessen blieb die Bibliothek in
seiner Verwaltung, nunmehr aber unter
unmittelbarer Neberwachung eines von
dem neuen Gemeinderathe eingesetzten
Comitäs, welches auf alle Anschaffungen
maßgebenden Ginfluß nahm. Als dann
1868 infolge Gemeinderathsbeschlusses
die Trennung des Archivs von der Regi-
stratur vollzogen und die Bestellung
eines Archivars und Chronisten der
Stadt Wien systemisirt wurde, erfolgte
am 26. November 1863 im Concurswege
seine Ernennung zu letztgenannten Posten
mit gleichzeitiger Verleihung der Biblio-
thekarsstelle, und so hatte er als Archivar,
Bibliothekar und Chronist der Reichs-
Hauptstadt jene Stufe erklommen, welche
es ihm gestattete, seine ganze Kraft dem
längst gehegten Plane zu widmen, eine
Geschichte der Stadt Wien zu schreiben.
Von dieser Zeit ab beschäftigte er sich
auch unablässig und ausschließlich mit
Studien und Forschungen über die Ver-
gangenheit Wiens. Dabei bemühte er sich,
mit Unterstützung der Mitglieder des
Bibliothekscomi'tös und den vom Ge-
meinderathe stets anstandslos bewilligten
Geldmitteln die Stadtbibliothek nach
dem von ihm entworfenen Plane einzu-
richten und zu vervollständigen. Zu
diesem Behufe machte er, zahlreiche Er-
werbungen, durch welche ebensowohl der
administrative Zweck der Bibliothek ge>
fördert wurde, als auch diese sich bald
als der Sammelpunkt aller auf die To-
pographie, Geschichte und die verschie-
denen Zweige des Culturlebens der
Stadt bezüglichen Schriften und Dar-
stellungen in Bild, Kartet? und Plänen
zu gestalten begann. In dem von Franz
Tschischka M . X^VIII, S. 62^
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Weil-Weninger, Volume 54
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Weil-Weninger
- Volume
- 54
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1886
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 346
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon