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Meiß. Michael 136 Weiß, Michael
Stelle in der ungarischen Kanzlei, wo er sich!
durck seine Tüchtigkeit bald so beroorthat,
daß er und seine sämnnl'chen Geschwister
von Kaiser Rudolf I I . mit Diplom vom
21. März 1589 in den Adelstand erhoben
wurden. 1390 kehrte er in sein Paterland
zurück, wurde in Kronstadt IMio Nachsherr,
1608 Stadthan und 1l>12 Richter, die höchste
Würde. An den Staatsangelegenheiten seines
engeren Vaterlandes hatte We iß allzeit
großen Antheil. Die Fürsten Siegmund V^»
thory. Stephan Boczkai. SiegmundRll'
käczi und Gabriel Bäthory bedienten slch
seiner zu verschiedenen Gesandtschaften. Von
Letzterem wurde er lttuu an dcn Hospodar
der Moldau, Konstantin Mogi la entsendet,
uni demselben den im Namen drs Fürsten
Gabriel Bätdory geschlossenen Friedens'
und Freundschafiövertraa auizukündigm. So
lange nur sein eigenes Wohl gefährdet war,
gehorchte er seinem Fürsten; als abcr sein
Vaterland, das Glück Kronstadts in Gefahr
perlet!?, versagte er den Gehorsam. Schon
hatte sich Hermannstadt dmch Gabriel B:l-
thory's Aufnahme ins Verderben gestürzt,
Als nun dieser mit seinem Heere auch in
Kronstadt Anfnadme verlangte, verweigerte
ihm Weiß dieselbe. Darüber kam es zum
Kriege. Weiß hoffte dcn Kampf siegreich zu
überstehen, und cs würde sich wohl diese Hoff-
nung erfüllt daben, wenn nicht die walachi'
schen Soldoölker in der Schlacht, welche am
16. October tl>i2 unter dcu Mauern Kron^
stadts stattfand, ihn treulos verlassen hätten.
Als er auf der Flucht über den kleinen Fluß
Burzen, einen Nebenfluß der Alt. schte,
wurde er aus dem Sattcl gehoben und
infolge dessen uon den Feinden ereilt und
,:usammengehauen. Den Kopf des Helden
brachte man nun alü das größte Sieges»
zeichen nach H^rmannstadt und setzte ihn dort
auf Befehl des Fürsten auf dem Pranger
aus. Nach drei Tagen nahm ihn eine fremde
Dienstmagd in stürmischer Nacht herunter
und verbarg ihn im Keller. I n einiger Zeit
entdeckte sie ihr Geheimniß ihrer Gebieterin.
Nun wurde das Haupt dem Ursulinerkloster
in Hermannstaot übergeben und dort bei-
gesetzt. Weiß beobachtete die Ereignisse in
seinem Vaterland?, in denen er selbst eine
große Nolle spielte, mit aufmerksamen Blicken
und sind deshalb seine Aufzeichnungen für
die gleichzeitige Geschichte Siebenbürgens
von großein Wenh. Dieselben besaß in Hand-
schrift unter dem Ti:el: „leider imuaiwm üiensein ero. etc." zulekt der k. k. Major
Karl Schobeln von Sch obe lnhausen
in Kronstadt (gest. 4. Juli 1828); wohin sie
dann gekommen, ist nicht bekannt. Ein Ab-
druck mit Vergleichung mehrerer zum Theile
aus dem Original genommenen Abschriften
erschien in der von Trauschenfels heraus»
gegebenen neuen Folge der „Deutschen Fund«
gruben zur Geschichte Siebenbürgens" (S. 4 23
bis 242) und umfaßt die Jahre 1^90—j«l2;
die Fortsetzung: „Dre.vis conLi^uatio tumul-
tu,lim deilic-oi-rnn ad a,nno OIi. 16il> UL^ue
a.ä complotum N.NNUIN ^6lü ÄNiditiauL ot
inciuietuHin<^ Olldrioliä -IZätliorv xri».
cixis ^i-an8ylvo.uia,« niotorum" ist im Aus«
zuge in der siebenbürgischen
Quartalschrift I I I
(1793) S. 241 abgedruckt. Joseph Trau sch
räumt dieser Beschreibung den Vorzug vor
allen sächsischen Annalen über diese traurige
Periode ein. Michael Neiß war seit 1^90
mit Agnelya, der Tochter des Kvonstädier
Stadthans Andreas Kemel i , vermalt,
welche wenige Monate vor ihrem unglück»
lichrn Gatten, am 29. März 1<;i2, dahin«
schied, ihm zwei Kinder hinterlassend: Mi«
chael (geb. «. August l<><>3), der kinderlos'
starb, und Margarethe (g?b. io. Februar
1601), welche aus drei Ehen ohne stach»
kommen blieb. Ueber die Familienverhältnisse
berichtet am ausführlichsten Joseph Trausch
in seinem unten verzeichneten „Schriftsteller'
lerikon". ^(Quellen. Fa m i l i enb latt (Grayer
Untrrhaltungsjournal. 4".) 18«i). Nr. :^6:
,.Anck ein deutscher Held". — Hauer (Georg
Ieremias). Die handschriftliche Monographie:
Der siebenbürgische Fürst Gabriel Bi l tdory
ans unverwerrlichen Ilrtundcn beschrieben iin
I I . Bande der l^ü.ueiiuua, mixt»,, Nr. 9. —
I) c: l^ei'üucio. I^ :r ^Ii'nu8v1v»,nie <:t !-b3
IlndttantL, Bd. I l , S. ?.'i u. f, — Neues
Fam i l ieN' Iourna l. Beilage dos Wiener
Tagblatt, 18«9, Nr. 347: „Auch ein deutscher
Held. Episode aus der siebenbürgischen Ge<
schichte. Von W, Hausmann (auch in der
zu Gratz herausgegebenen „Oesterrcichischen
Gartenlaube" 1869. S. 123). '— Neue
Freie Presse (Wiener polit. Blatt) 18l!9,
slr. 1891, im Feuilleton: „Deutsche Männer
in der Fremde, Michael Weiß. Bürgermeister
von Kronstadt". Von N,(olf?). — Tran«
sylvania, Bd. I I (13^4), S. 167 u. 291:
„Michael Weiß. Stadtrichter in Kronstadt
und die Fehde Kronstadts gegen den Fürsten
Gabriel Bntdorn". Von B. von M. —
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Weil-Weninger, Volume 54
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Weil-Weninger
- Volume
- 54
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1886
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 346
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon