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Wcisic, Maximilian Weiße, Marinülian
tungen statt zur Ermittlung der Varia-
tionen der magnetischen Declination,
ferner wurden die jährlichen vier G a u h'-
schen Termine eingehalien. Bis 184!)
lagen 63.W9 solcher Declinationsbeob-
achtungeu vor', aber sie hatten auch seine
Augen sehr angegriffen. Nach zweimaliger
Beraubung des Hauschens — es wurden
Magnete und Fernrohre gestohlen —
mußten sie Onde 1846/47 eingestellt
werden. Um nun den G a u ß'scden
Apparat nicht ganz unbenutzt zu laffen,
versuchte es Weiß, statt des geraubten
Theodolithen ein Stativfernrohr aufzu-
stellen; hiermit aber hatte er entschie-
denes Unglück. Nach einer mehrjährigen
Pause, wahrend deren er sich immer
nicht entschließen konnte, einen neuen
Apparat aufzustellen, versuchte er es doch
im Jahre 1833 wieder mit einem Induc-
tionsapparate. Aber auch dieser wurde
im Jahre 1836 am 22. October durch
Einbruch zerstört, infolge dessen Weiße
seine Beobachtungen nach dieser Richtung
für immer einstellte. Die Ergebnisse der
an der Srermvarte, sowie in dem er-
wähnten Häuschen angestellten Beob-
achtungen veröffentlichte er von Zeit zu
Zeit in verschiedenen Fachzeitschriften
und in den periodischen Sammelwerken
der kaiserlichen Akademie der Wissen-
schafteu. Seine wissenschaftlichen im
Druck erschienenen Arbeiten folgen in
chronologischer Reihe auf Seite 163.
Durch viele Jahre beschäftigte sich unser
Gelehrter auch mit der Bearbeitung
der Bessel'schen Zonenbeobachtungen
zu einem Kataloge. Zur Ermittlung des
wahrscheinlichen Fehlers der Positionen
dieses Kataloges unterwarf er für Rect-
ascensionen fast zehntausend und fast
ebenso viele Beobachtungen für Decli-
nation der Wahrscheinlichkeitsrechnung.
Als der erste Theil, dessen Herausgabe ! die kaiserliche Akademie der Wi^enschaften
in St. Petersburg übernommen hatte,
erschienen war, wurde derselbe von den
Astronomen so fleißig benützt und der
Wunsch, auch die weiteren Bessel'schen
Zonen von -l-13^ bis -i-43^ der Decli-
nation bearbeitet zu sehen, von mehreren
Seiten so dringend ausgesprochen, daß
sich Weiße auch dieser Arbeit unterzog.
So hat sich derselbe durch die mühevolle
Reduction aller von Besse l bestimmten
Orte von kleineren Fixsternen <bis zur
neunten Größe) auf den Anfang des
Jahres <823 und durch die Katalogisi-
rung aller Sternpositionen nach der
geraden Aufsteigung der Sterne ein nicht
unwesentliches Verdienst um seine Wis-
! senschaft erworben. Der erste Band, der
> 1846 erschien, enthält die in den Bes-
j sel'schen Zonenbeobachtungen nieder-
gelegten Bestimmungen von 31.893
Sternenorten in dem Gürtel des Sternen-
! Himmels zwischen —13^ und -i-13^ De-
^ clination; der zweite 17 Jahre später,
! 1868, erschienene Band umfaßt 37.862
i Sternenorte in dem Gürtel des Him-
! mels von -!-13" bis -5-43" Declination.
> Wenn man die mehrfachen Beobachtun-
! gen eines und desselben Sternes ab-
rechnet, so sind in beiden Bänden zu-
! sammen Beobachtungen von 38.364
! Sternen enthalten. Der praktische Nutzen
i dieses Katalogs besteht hauptsächlich
darin, daß er den Vortheil des leichten
Aufsuchens der Sterne und der bequemen
Reduction der Positionen auf jede andere
Zeit gewährt, während das Aufsuchen
in den Bessel'schen Zonen viel mehr
Zeit und Mühe in Anspruch nimmt.
Diese wissenschaftlichen Arbeiten und die
Dienste als Director der Sternwarte
und Professor der Astronomie und höhe-
ren Mathematik — nur unterbrochen
durch eine langwierige Krankheit und
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Weil-Weninger, Volume 54
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Weil-Weninger
- Volume
- 54
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1886
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 346
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon