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Weißcnbach Weißcnbach
deshalb die poetische Ader bestreiten,
paßt ebenso wenig. Wohl sind Schwulst,
manckmal falsches Pathos und eine
unnatürliche Ueberschwenglichkeit leidige
Eigenschaften seiner Producre, aber trotz
alledem begegnen wir in ihnen so herr-
lichen schwungvollen Stellen, wie nur
ein echter gottbegnadeter Poet sie singen
kann. Seine dramatischen Dichtungen
„Der Brautkranz'' und „Die Barme°
ciden" erfreuten sich bei ihrer Auffüh»
rung entschiedenen Beifalls und wurden
den besseren dramatischen Arbeiten seiner
Zeit angereiht. Die Charakteristik im
„Brautkranz" ist eine ausgezeichnete;
und mit großem Geschick, mit seltener
Gewandtheit verstand er es, das Eigen-
thümliche venetianischer Sitie und Geistes
seinem Werke einzuhauchen. „ In dieser
Hinsicht", bemerkt ein Biograph Alois
Weißenbach's, „steht sein „„Braut-
kränz"" hoch über der weit über die
Gebühr erhobenen „„Erdennacht"" von
Raup ach, welcher der Geist des alten
Venedig so sehr mangelt, daß man nur
die Namen ^'ontarini, Falieri n. s. w.
in Tsia-o und Kieu°fu verändern dürste,
um zu glauben, es sprächen Chinesen
statt Venetianer. Aber der. Vorwurf der
Gelegenheitsdichtung, den man gegen
Weißenbach erhebt, trisst doch nicht
gcu^ zu. Diese Gelegenheitsdichtungen
gehören denn doch nicht zu jener Art
„Namenstags- und Festgesänge", welche
der „Wiener Spaziergänger" so köstlich
ironisirt. (5s sind immer begeisterte
Weihestrophen, bei meist nur großen
historischen Anlässen gedichtet', W eißen°
bach hatte es ja nicht nöthig, zu singen,
er war in einer unabhängigen Stellung
und wartete nicht auf den goldenen
Dancwregen dafür, daß er seine Muse
preisgegeben. Dclbei war er ein echter
Patriot, wie sie damals nach einem! Vierteljahrhundert schimpflichen Druckes
noch vorkamen, wo Socialismus, Anar-
chismuä und Nihilismus noch nicht den
Purpurmantel des Fürsten mit Blut
übergössen. Am kürzesten und treffend»
sten möchte das Urtheil sein, welches
S t a f f l e r in seinem Werke „Das
deutsche Tirol" über den Poeten mit den
Worten fällt: „Hätte Weißenbach'ä
Talent eine frühzeitige und sorgsame
Pflege erhalten, er würde ein gefeierter
Dichter Deutschlands geworden sein."
Daß aber Weißen bach zu seiner Zeit
in hohem Ansehen und besonders als
Poet gestanden, beweist die Thatsache,
daß Beethoven, als er von der An»
kunft des Dichters in Wien erfuhr, der
erste ihn aussuchte lind — der sonst die
Menschen fliehende — viel mit ihm ver-
kehrte ^vergleiche unten: Gräffer über
Weißenbach^j. Noch eines Umstandes
sei erwähnt, einer Einrichtung, welche
Weißen bach zum Urheber hat, und die
den Armen Salzburgs eine ansehnliche
Summe brachte. Unser Dichter, damals
Museumsvorsteher, trat nämlich im Jahre
l8l8 mit dem Vorschlag vor die Oeffent-
lichkeit, daß die Bewohner Salzburgs
nach dem Beispiele anderer Städte, wie
Grcch, Laibach, Innsbruck u. s. w., sich
von Neujahrwünschen durch Spenden
für menschenfreundliche Zwecke loskaufen
sollten. Der Gedanke griff durch, wenn
auch nicht in dem Umfange, als man
erwarten durfte, aber immerhin insoweit,
daß in einem halben Hundert Jahres-
beitragen die ansehnliche Summe von
mehr als 26.000 st. den Stadtarmen
zufloß. Weißenvach's Eh<^ , 1807 mit
Aloisia von Dornberg, einer Tochter
des Präsidial-Secretärs Anton von
Dornberg, geschloffen, blieb kinderlos.
Graffer über Weißcnbach. „Du schwungvoller
Tanger!" beginnt Oräffcr. . du stunu- und
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Weil-Weninger, Volume 54
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Weil-Weninger
- Volume
- 54
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1886
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 346
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon