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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Weil-Weninger, Volume 54
Page - 189 -
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Page - 189 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Weil-Weninger, Volume 54

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Meißkircher, Wilhelm 189 Meißkircher, Wilhelm sie klare und richtige religiöse Kenntnisse. Pemerkenswerth ist es, daß sie die blutigen Stürme über Wien im Jahre 1848 und die noch blutigeren in Ungarn voraussagte. Als sich bei dem verklärenden Nimbus, den man um sie zu breiten verstanden, der Zudrang der Besucher ins Ungeheuerliche vermehrte, wurde sie. um ihr Nuhe zu schaffen, zu ihrer verheirateten Schwester nach Schleinbach ge. bracht, wo der alte Pfarrer Johann They- rer sie überwachte. Da war rs, wo angeblich nach ihrem „Betrachten und Mitleiden des Leidens Christl" im Advent 1849 ihre rechte Seite zu bluten begann. In der darauf folgenden Fastenzeit zeigte sich dieselbe Er- scheinung an Händen und Füßen, und am (Fharfreitag waren die Blutungen am stärk« sten. Seitdem trat an jedem Freitage um die neunte Morgenstunde ein sogenanntes mysteriöses Mitsterben ein, das heißt, die Kranke machte alle Stadien des Todes» kampfes Christi, wie sie in der Passions- geschichte erzählt sind, durch und verfiel da- nach in einen Schlummer, der bis Mittags anhielt. Anwesende Zeugen, darunter De« chanten, Pfarrer, Gemeinderäthe und Andere, wollen nun gesehen haben, wie an den ge- nannten Wochentagen schon um 7 Uhr Mor- gens das Blut unter der Stirnhaut wie an den Händen zu stocken begann; dieselben wollten gegen 9 Uhr ein „schon früher begon- nenes dumpfes Klopfen" (wahrscheinlich das Einschlagen der Nagel ins Kreuz) gehört und mit dem letzten Glockenschlage jenem Nach» bilde des fürchterlichen Todcskampfes Christi beigewohnt haben, „dessen Vorgang wohl leichter im Detail sich vorstellen, als oe° schreiben läßt". Der Kopf sank darauf nnt den Worten: „Mein Gott! mein Gott!" auf die rechte Schulter, und die Jungfrau verfiel in einen tiefen, dem Tode ähnlichen Schlum» mer. Spater kam sie auf behördliche Anord- nung ins allgemeine Krankenhaus und ward dann vergessen. Als sie aber 1862 starb, Wurde sie von weißgekleideten Mädchen zu Grade getragen, ihren Sarg begleiteten sechs Priester, und eine unabsehbare Menschen» menge, welche von Fern und Nah herbei- gekommen war, gab der Verblichenen das letzte Ehrengeleite; Viele nahmen von den den Sarg verhüllenden Blumen ein Blatt oder eine Blume mit, um sie als Andenken zu bewahren. ^Die Zustände der Iu« liana Weißkircher zu Schleinbach (Wien, Perlag des Katholikmvereines).) — 3. W i l - Helm Weißkircher, ein Bildhauer und Maler des siebzehnten Jahrhunderts, dem wir unter den verschiedensten Schreibungen, als.- Weißenkircher. We ißen ki rchner und Weißenkü rchner begegnen. Er war aus Steiermark gebürtig, vielleicht, ja wahr- scheinlich ein Verwandter Adam Neiß- k i rch er'ö s^ d. 3. 187. Nr. 1) und lebte um 1665 Zu Salzburg. Seine Bildhauerwerke sind selten, und zwar. wie Fußli berichtet, aus dem Grunde, weil er, stets mit sich selbst unzufrieden, die Arbeiten, welche er voll- endete, immer zu zerschlagen pflegte. Pil l« wein gedenkt einer Schöpfung dieses Kunst' lers niil, folgenden Worten: „Als Bildhauer soll von Weißkircher unter Anderem das Bruchstück Solari's aus weißem Marmor in der Stadtmaurermeistcr H e i ß'schen Bc- gräbnißhalle zu St. Peter in Salzburg sein". Was unter dem „Bruchstück Tolari's" ge- meint sei. verstehe, wer will. Wir ueritehen es nicht. Von Weißkircher's Bildern sind be- kannt: sein „Telbstvorträt". früder in drr Bildersammlung im Schloß Leopoldskron; eine „Grablegung Christi" auf Holz. bei dem Grabmale der Freifrau Eoa von Lamberg und eine „Kreuzigung Christi" bei dem ' Grabmale der Frau Elisabeth Winkler, beide in der Stadtkiiche zu Tittmoning. Auch war Weißkircher der Lehrer des Bild- hauers Balthasar Permoscr (grb. 163l. gest. 1732). eines sehr geschickten Künstlers, der in Italien, Berlin und Dresden gear- beitet. — Im Jahre 1616 beschloß der Stadt- Magistrat von Salzburg die Ausschmückung des Rathbauses daselbst mit historischen und allegorischen Fresken. Ob nun der Künstler Wi lhelm Weißkircher, welcher diese Malereien, die in der Folge übertünckt wurden, im Herbste 1617 vollendete, mit unserem Maler und Bildhauer identisch sei, muß einstweilen dahingestellt bleiben. Unsere Nachrichten beschränken sich auf das oben Mitgetheilte; gewiß aber verdient in Rede Stehender eine Nachforschung über seinen Lebens- und Bildungsgang wie über seine Werke, welch letzteren künstlerischer Werth eingeräumt wird. Auch soll dieser Weiß- kircher einen Sohn gehabt haben, der gleichfalls Bildhauer war und noch 1725 in Salzburg lebte. Von keinem dieser Ge« nannten besitzt das Salzburger Museum, in welchem doch jeder derselben mindestens durch ein Werk vertreten sein sollte, ein solches.
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Weil-Weninger, Volume 54
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Weil-Weninger
Volume
54
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1886
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
346
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
Lexika Wurzbach-Lexikon
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