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welchen zufolge ausschließlich der Staat
die Oberaufsicht über dic Schule zu
führen habe; wie er auch ferner allen
Einfluß der Religion von der Entwick-
lung der politischen Verhältnisse im
Staate ferngehalten wissen will. Am
13. Mai 4881 wurde zu Wien in einem
kleinen Kreise von deutschen Män-
nern, zu welchem Dr. Weit lof gehörte,
der Umstand erörtert, daß überall in
Oesterreich die deutschen Sprach-
grenzen gegen die f remden zurü ck-
weiche n. Da sprach einer der An-
wesenden den Gedanken aus: man würde
wohl auf massenhafte Theilnahme stoßen,
wenn man die Deutschen Oesterreichs zur
Bildung eines deutschen Schulvereines
aufforderte, der die Aufgabe haben sollte,
überall dort, wo das deutscbe Element
besonders durch den Mangel an deutschen
Schulen der Vernichtung anheimfalle,
durcb Errichtung solcher zu helfen. So-
fort constituirten sich die Anwesenden
als „Deutscher Sckulverein". Fünf Mit-
glieder wurden niedergesetzt — unter
diesen befand sich Dr. Weit lof — und
begannen ihre Thätigkeit. Durch ändert-
halb Monate arbeitete dieses „vorberei-
tende Comitä", da man darüber einig
war, daß man nicht früher in die Oeffent»
lichkeit treten dürfe, bevor nicht die
Sicherheit geboten sei, daß auch etwas
Iebensfähiges geschaffen worden. Eine
große Anzahl von Anmeldebogen wurde
überallhin verschickt, und bereits zu
Ende Juni waren auf zurückgelangten
Bogen weit über 6000 Beitrittserklä-
rungen verzeichnet. Darauf hin ward die
constituirende Vollversammlung für den
2. Juli d. I . ausgeschrieben und dieselbe
dann im Saale der kaiserlichen Akademie
der Wissenschaften unter großer Betheili-
gung abgehalten. Durch Acclamation
ward die Vereinsleituug ernannt, und I)r. Weit lof, als erwählter Vereins-
obmann schloß die Versammlung. Und
nun entwickelte sich ungeahnter Weise
der Schulverein in allen Kronländern
des Kaiserstaates und vornehmlich dort,
wo das Deutschthum von fremden Ein-
flüssen bedroht, ja schon vergewaltigt
war. Nach Tausenden wuchs die Zahl
der Theilnehmer von Tag zu Tag und
zählt heute, obgleich sich allerlei Hemm-
nifse demselben oft feindlich entgegen»
stellten, nach Hunderttausenden. Auch
die Geldmittel wuchsen in erstaunlicher
Weise, und der Verein begann energisch
die sich gestellte Aufgabe zu lösen:
überall dort, wo deutsche Minder-
heiten durch den Mangel an deut»
schen Schulen entdeutscht wer-
den, deutsche Schulen zu errich»
ten. Gs ist nicht unsere Aufgabe, den
heute noch nicht abgeschlossenen Auf-
schwung des segensvollen deutschen
Schulvereines in Oesterreich darzustellen,
von seinen geistigen Eroberungen, seinen
Kämpfen mit den wie Pilze aus der
Erde hervorwachsenden Widersachern zu
berichten. Wir fassen uns kurz: Der
deutsche Schulderem ist eine That, nicht
aus momentaner Oppositionsstim-
mung entsprungen; weit entfernt, eine
politische Demonstration zu sein, ist er
nur eine bleibende Mahnung an alle
deutschen Bewohner Oesterreichs, auf der
Hut zu sein gegen das rücksichtslose Ge-
baren der fremden Stämme, welche die
deutsche Nationalität bedrohen und mit
allen erlaubten und unerlaubten Mitteln
zu knechten, zu bedrücken, zu vernichten
streben. Aber die Deutschen Oesterreichs
müssen in der nationalen Sisyphusarbeit
! des energischesten Widerstandes gegen die
ihnen feindlichen Elemente nicht er-
! lahmen. Und zu den hauptsächlichsten
' Ermunterern und Ermahnern: in diesem
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Weil-Weninger, Volume 54
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Weil-Weninger
- Volume
- 54
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1886
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 346
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon