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Weiser, Philippine 237 Weiser, Philippine
lich geschlossene Ehe und das Leid erzählte,
das sie darüber empfinde. Der Kaiser, von
der Schönheit und anmuthsvollen Sitte
Phi l ipp inens gewonnen, versprach ihr,
mit dem harten Vater, der also ihre Liebe
störe, zu reden. Und nun habe sie sich zu er»
kennen gegeben, und Ferdinand, von ihren
Thränen gerührt, mochte sein kaiserliches
Wort nicht zurücknehmen und verzieh seiner
Schwiegertochter. Doch blieb die Ehe noch
immer geheim; die Rechte der aus derselben
stammenden Kinder wurden in einer eigenen
Verschreibung ääo. Prag 31. Juli 1539 fest«
gestellt; in einer eigenhändigen Urkunde vom
i. August 1339 erklärte aber der Kaiser noch
nachträglich, daß der. Mannesftamm aus
dieser Ehe für den unverhofften Fall. daß
der ganze mannliche Stamm des Hauses
Oesterreich aussterbm würde, in den Erb«
königreichen und Erblanden das Nachkom«
menrecht haben solle. Dagegen durften die
Kinder des ErzHauses königliche und fürst«
liche Wappen und Titel nicht führen, sondern
mußten sich einfach „von Oesterreich" nennen
und konnten höchstens den Namen d-r ihnen
vom Vater zufallenden Besitzthümer an»
nehmen. Am 22. November 1360 gebar Ph i«
l ippine in Bürglitz ihrem Gatten den
zweiten Sohn. Kar l , den nachmaligen
Kriegshelden und Markgrafen von Burgau
I^Bd. VI , S. 364. Nr. 134). Zwei Jahre
spater, am 7. August 1ö62. brachte sie noch
die Zwillinge Mar ia und Phi l ipp zut
Welt. welche Beide aber, noch von P h i li p p i«
nens Mutter Anna aus der Taufe geho-
ben. bald darauf verstarben. Immer aber
wurde die Ehe nicht öffentlich bekannt ge»
macht. Selbst als Phi l ippine nach Prag
übersiedelt war, wohnte sie bei ihrer Tante
Loran im Teynhof in der Altstadt, wäh»
rend ihr Gemal als Statthalter auf der
kaiserlichen Burg Hof hielt; sie ward immer
nur „Frau Philippine" genannt und zum
„Frauenzimmer" des Erzherzogs gezählt.
Aber die Aussöhnung war volle Thatsache.
Ferdinands Gemalin erhielt den Titel
einer Frei f rau mit ihrer Mutter ange»
stammtcm Prädicate von Zinnenberg,
welches der Kaiser auch ihrem Vater und
ihren Brüdern verlieh. Im Jahre 1367 ge«
noß sie' endlich entschieden alle Vorzüge der
wirklichen Gemalin des regierenden Erzher-
zogs. 1370 erhielt sie dann den Titel der
„Durchlauchtigsten Fürstin und Frau
Phi l ipp ina Markgräf in zu Burgau. Landgkäsin zu Nellenburg, Grasin von Nieder«
und Ober'Hohenberg u. s. w.. Gemalin des
Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn Ferdi '
n»nd. Bis 1367 blieb Erzherzog Ferdi.
nand Statthalter in Böhmen, dann über«
nahm er die Regierimg Tirols, welche ibm
durch das väterliche Testament vom 1. Juni
1343 und die Hausordnung vom 23. Februar
1334 nach dem Tode des Vaters (gest. 1364)
zugefallen war. Auch hatte der Kaiser seinem
Sohne vermacht Schloß und Herrschaft Am«
bras, unweit Innsbruck auf einer malerischen
Anhöhe im Innthale gelegen. Der Erzherzog
aber schenkte dieses schöne Schloß mit Ur.
tunde vom 3, März 1364 der Edlen Phi .
l ippine Welserin „aus sonderlichen hoch«
beweglichen schuldigen und billigen Ursachen,
sonderlich Ihr.es in Ehren und Tugend Wohl»
Verhaltens halber, ihr mit einer gnädigen
Gab und Schenkung Unseren gnädigen ge«
neigten Willen zu erzeigen". Im Jänner
1367 hielt Ferdinand seinen feierlichen
Einzug in Innsbruck uud hatte von dieser
Zeit an seinen beständigen Wohnsitz in dieser
Stadt. Ambras aber war der Lieblingsauf,
enthalt des edlen Fürstenpaares. Wie überall,
wo Phi l ippiue geweilt, war sie auch jetzt
in Ambras der hilfreiche Engel der Hinge»
bung. Früher in Bürglitz. wo der Bischof
der böhmischen Brüder. Johann Augusta
und sein treuer Gefährte Jacob Bilek schon
zehn Jahre in getrennten. Gewölben gefangen
saßen, hatte sie durch ihre Fürbitte bei Fer-
dinand Beiden zuerst wesentliche Erleichte,
rungen in der Gefangenschaft, endlich sogar
die Befreiung erwirkt. „Ihr ganzes Leben",
schreibt ein Biograph dieser edlen Frau. „war
ein beständiger Gottesdienst, eine Aufopferung
zum Wohle der Menschen." Sie wurde vom
Volke als Heilige verehrt, nahezu vergöttert.
Nicht der geringste Schatten ruht auf Phi»
l ippine Welser; „Tugend und reine
Minne" waren ihr Lebenselement. Ferdi»
nand hatte Schloß Ambras zu einer Schatz«
kammer für Geschichte, Kunst und Literatur
gestaltet. Der Hof von Innsbruck war für
»Künstler und Gelehrte eine Heimat geworden.
Auch darin unterstützte Phi l ipp ine ihren
Gemal und theilte seine wissenschaftlichen
uno künstlerischen Bestrebungen. Dieses lieb.
liche Zusammenleben dauerte im gleichen
Maße bis ;u Phil ippinens Tode, der sie
nur zu früh ihrem Gatten entriß. Seit ge-
raumer Zelt kränkelnd, versäumte sie doch
bis in die' letzten Wochen ihres Lebens den
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Weil-Weninger, Volume 54
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Weil-Weninger
- Volume
- 54
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1886
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 346
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon