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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Weil-Weninger, Volume 54
Page - 238 -
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Page - 238 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Weil-Weninger, Volume 54

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Weiser, Philippine 238 Welser, Philippine Gottesdienst nie und wolmte auch regelmäßig den Hoffesten bci. Als sich aber ihr Leiden verschlimmerte, wich Ferdinand nicht von ihrem Krankenbette, auf welchem sie« am >4. April lö8t) — im Alter von erst fünfzig Jahren — ihre edle Seele aushauchte. Ueber ihren gottseligen Tod erschien gleichzeitig von Johannes Baur die Schrift: „Wahrhaftige, einfältige und kurze Beschreibung mit was christlichem Herzen und Gemüth die Durch« lauchtige hochgeborene Gemalin des Erz« Herzogs Ferdinand durch Gottes Gnade mit Tod verblichen und von dieser Welt seliglich abgeschieden" (Innsbruck 1580). Ein literarischer Buschklepper. Namens Karl Stein, hat im Berliner „Bazar" i8?9 die ungeheuerliche Nachricht aufgetischt, daß Phi l ipp ine eines gewaltsamen Todes ge« storben, daß sie ermordet worden sei. Von dem tirolischcn als Geschichtsforscher geschätz« ten Archivar I):-. Schönherr aufgefordert, Beweise für diese ungeheuerliche historische Fälschung aufzubringen, verschanzte sich ge» nannter Karl Stein hinter die nichtige Aus» rede: sein Gewährsmann nehme in Tirol eine der höcksten Stellun.^'n ein. und darum könne er denselben nicht nennen; eine Aus» rede, welche bei einer so nichiöwürdigen An< schuldigung angesichts so viel zeitgenössischer Geschichtsquellen, die den Tod der edlen Phi l ippine Wels er wahrheitsgetreu be« richten, umso weniarr stichhältig ist, als es bei einer historischen Thatsache, welche vor drei» hundert Jahren passirt ist, keine Anonymitat und keine Discretion gibt. Wer einen tieferen Einblick in das schlichte, echt hausmütterliche Wesen und Gebaren Phi l ipp inens thun will, der sehe in der Wiener Hofbibliothek unter den medicinischen Handschriften das von ihr eigenhändig geschriebene Heft von Recepten durch. Dann finden sich neben einem Tränklein wider die Fallsucht und einem Pulver wider den Schwindel Salben gegen Kröpf und Schwindsucht u. s. w. An anderer Stelle lernen wir die sorgsame Mutter ken» nen. die niederschreibt, was zu thun. „wenn ein Kind unruhig ist und nicht schlafen mag" oder „wenn man ein Kind will entwöhnen". Bei manchen Recepten sind die Namen der Geber genannt. Einmal bemerkt sie, wie sie ein ganzes Büchlein, das ihr eine Frau ge- geben, „abgeschrieben von A bis daher". Bei der (Zopie mehrerer Recepte wider Zahn« schmerzen macht die edle Frau die zutreffende Bemerkung: „Ich halt' von keinem nichts-. das Ausbrechen ist das Best' und beizeiten, denn einer verderbt den anderen." Wir aber schließen diese kurze Skizze mit den Wor» ten eines ihrer Biographen, die ihm bei Be- trachtung des Bildes der edlen Frau auf der ihr zum Gedächtnisse geprägten Medaille aus der Seele kommen: „Betrachten wir die gediegenen intelligenten Züge dieses Bildes, so wird uns das Herz warm bei dem Ge» danken, daß es auch einem Fürsten einmal so wohl geworden, das Glück des gemeinen Mannes zu kosten: das Weib seiner Wahl heimzuführen und den Becher der Liebe bis auf den Grund zu leeren." Ludwig Sveidel hat diese schönen Worte geschrieben. — Philippincns Vralidenkmal. in Inusliruck. In der Innsbrucker Franciscaner- oder auch Hofkirche zum heiligen Kreuz, in welcher das herrliche Grabdenkmal des Kaisers Mari» mi l ian und das Marmordenkmal Andreas Hofer's sich befinden, führen rechts im Hintergrunde 2^ Marmorstufen zur silber» nen Ca pelle empor, in welcher Phil ip« pine zur Seite ihres Gemals, des Erz« Herzogs Ferdinand, beigesetzt ruht. Die Capelle führt ibren Namen von dem silber« nen Madonnenbilde und den aus gediegenem Silber getriebenen Darstellungen aus der Litanei, mit welchen der kostbare Ebenholz» altar verziert ist. Rechts an der Wand ist das äußerst kunstreiche bogenförmig der Kircht'nmauer eingesprengte Grabmal des Erzherzogs, des Stifters der Capelle, auf einem mit 26 Wappenschildern gezierten Sarge aus gelbem Marmor, unweit dauon auf derselben Seite das Grabmal Philip» pinens. Die Darstellungen zeigen den knieendcn Erzherzog in seinem Leibharnisch mit aufgehobenen Händen; unter dem schwär« Zen Marmoibogen ruht er in der erzherzog- lichen Prunkkleidung auf einem Katafalk von gelblichem Marmor. Phi l ippine ruht im Sterberleide, von Engelsküpfen umgeben, auf einem Grabe von weißem Marmor. Noch aus dem kalten Steine blickt die geistige Holdseligkeit hervor, durch welche ihre Schön» heit so unaussprechlich anziehend und fesselnd auf die Herzen derer wirkte, denen es ver» gönnt war, sie zu sehen. Auf der Vorderseite ihres Sarkophages sind Allegorien auf die zahllosen Wrrke der Barmherzigkeit der edlen Frau an Armen und Verlassenen, sowie auf Innsbrucks tiefe Trauer um die Verblichene angebracht. In der Mitte zeigt eine einfache Inschrift ihren Namen und Todestag. Phi<
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Weil-Weninger, Volume 54
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Weil-Weninger
Volume
54
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1886
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
346
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
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