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Weisperg, Karl Joseph Anton 349 Melsperg, Richard
vornehmlich österreichische Interesse ein und
bildete sozusagen den Mittelpunkt, um Den
sich alle Gleichgesinnten schaarten. Nach
kurzer Krankheit vom Tode dahingerafft,
wurde er allgemein tief beklagt. Der Graf
war seit 10. September 1849 mit Ecisnbrll)
Gräfin Spam vermalt. Die aus dieser Ehe
stammenden Kinder sind in der Stammtafel
aufgeführt. — 2. Johann Nepomuk Graf
von, siehe die besondere Biographie S. 243.
— 3. Kar l Joseph Anton Graf (geb.
4. März 1779. gest. zu Purkersdorf bei Wien
am 12. Qctober 1873), Mit noch zwei jün«
gercn BrĂĽdern, Phi l ipp und Heinrich,
kam er im März 1790 in die damals berühmte
Stuttgarter Karlsschule, deren Zöglinge insbe-
sondere dadurch einige BerĂĽhmtheit erlangten,
daĂź Friedrich Schil ler ihr College gewesen.
Nun. zur Zeit. als Graf Kar l daselbst ein»
trat, hatte Schil ler, der in dieser merk'
würdigen Anstalt von 1773 — 1780 geweilt,
dieselbe bereits seit einem Decennium uer»
lassen, innerhalb dessen er seine größten
Werke schuf. Doch fielen die Strahlen seines
Ruhmes noch auf Alle, welche die Luft jener
Räume athmeten, die Dielen jener Gemächer
traten, in denen der groĂźe Dichter, wenn
auch bereits vor Jahren, geathmet und ge<
wandelt. Graf K a r l Joseph A n t o n
war also auch ein Zögling dieser berühmten
Karlsschule und widmcte sich. nachdem er sie
verlassen, dem Staatsdienste in der politi»
schen Sphäre und wurde zuletzt wirklicher ge«
heimer Rath und Gubernial-Vicepräsident in
Laibach. Nach seinem Uebertritte in den
Ruhestand lebte er lange Zeit in Fiume und
starb im hohen Alter von 94 Jahren zu
Purkersdorf bei Wien. Der Nachricht von
seinem Tode wuroe noch beigefĂĽgt, daĂź er
einer der letzten Karls schĂĽl er gewesen.
Thatsächlich waren der Oenerallieutenant
Freiherr von R öd er, Graf W elsp erg und
Freiherr Karl von G em m ing en'Gutten»
oerg 1867 die drei letzten KarlsschĂĽler.
Ersterer starb am 14. December 1867, und
als Graf Welsperg 1873 das Zeitliche
segnete, ĂĽberlebte ihn nur noch Freiherr von
Gemmingcn« Guttenberg. Graf Kar l
Joseph Anton war. wie aus der Stamm«
tafel ersichtlich, zweimal vermalt. Nur aus
seiner ersten am 19 Mai 18U7 geschlossenen
Ehe mit henriette geborenen Freiin von TürK«
heim (gest. 4. März 1840) sind Kinder, und
zwar drei Söhne imd drei Töchter vorhan»
den. Von ersteren pflanzte nur der älteste, Graf Eugen, den Stamm fort. — 4. Phi-
lipp Graf Nelsperg lebte im achtzehnten
Jahrhunderte und weilte 1768 als kaiserlicher
Geschäftsträger am königlichen Hofe zu Ko«
penhagen. Sein Name steht mit den literar«
geschichtlichen Bestrebungen, welche sick unter
Kaiser Joseph I I . kundgaben, durch ein
nicht uninteressantes EreigniĂź in inniger Ver-
bindung. Klopstock stand damals durch
seine „Mesfiade", welche geradezu wie ein
Meteor an dem aufdämmernden Himmel der
deutschen Literatur erglänzte, im Zenich seines
Ruhmes, und Graf Phi l ipp Welsperg
war es, der den Dichter nach Wien zu drin«
gen trachtete. Letzterer richtete wiederholt
Vorschläge, die Unterstützung der Wissen«
schaften in Deutschland betreffend, an Kaiser
Joseph I I . , dieser aber ehrte den Sänger
der „Messiade" in echt kaiserlicher Neise durch
Zusendung seines Bildnisses. FĂĽr dieses Zei-
chen kaiserlicher Huld dankte nun Klopstock
in einem Schreiben 6clo. Kopenhagen 31. De»
cember 1768. Gras Phi l ipp Welsperg
aber übergab dasselbe dem Grafen Diet»
richstein, der es durch den Fürsten Hau»
nitz zur Vorlage an den Kaiser Joseph I I .
brachte. Vergleiche darĂĽber und ĂĽber damit
zusammenhängende literarische Verhältnisse die
interessanten in der Quelle angeführten Auf«
sätze. ^esterre ichische Revue (Wien.
gr. 8".) Bd. XI I , S. 139 u. f.: „Aus dem
Zeitalter der Aufklärung. (Fragmente). Von
H. M. Nichter. Klopstock an Joseph II.".) —
5. Nichard (geb, am 28. Februar 1813, gest.
zu Wien 23. December 18?8). C'in 3ohn
des Grafen Karl Joseph Anton aus
dessen erster Ehe mit Henriette geborenen
Freiin von TĂĽrkheim. trat er zur Ausbil-
dung für den Militärstand in die Ingenieur«
akadcmie und wurde 1843 bereits zum Capi.
tänlieutenant im Ingenieurcorps befördert
und als solcher im genannten Jahre der Be»
satzunst zu Rastatt im GroĂźderzogthum Baden
zugewiesen. 1849 ward er Major im ĂĽorps.
am 11. Mai 1859 Oberst im Geniestabe mit
der Zutheilung im Kriegsministerium. 1853
Vorstand der Genieabtheilung beim Landes
Generalcommando in Wien. In der Folge
rückte er zum Generalmajor, anfänglich mit
gleicher Verwendung beim Generalcommando.
vor, später kam er als Gc>niechef zum Ge»
neralcommanoo in Orah und starb als Feld'
marschall'Lieutenant a. D. im Alter von
63 Jahren, Graf Richard erdielt fĂĽr Aus-
zeichnung vor oem Feinde als Major in den
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Weil-Weninger, Volume 54
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Weil-Weninger
- Volume
- 54
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1886
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 346
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon