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Melroitsch 239 Welnntsch
auf die eigenthümliche, bisher aber ganz
vernachlässigte Flora des Waldviertels
aufmerksam. So veröffentlichte er 1834
im IV. Bande der „Beiträge zur Landes-
künde Niederösterreichs" eine systematische
möglichst vollständige Aufzählung der in
Niederösterreich vorkommenden krypto»
gamischen Gefäßpflanzen der Characeen
und Moose, dann im Jahre 1836, in
welchem er die medicinische Doctorwürde
erlangte, als Inauguraldissertation eine
„Synopsis der Gallerttange". Wel-
witsch ist demnach als der eigentliche
Gründer der Kryptogamenflora Nieder-
österreichs anzusehen. 1839 wurde er
vom württembergischen Reisevereine zu
einer naturgeschichtlichen Reise nach den
canarischen Inseln berufen, und er
begab sich infolge deffen nach Lissabon.
Statt aber die Reise anzutreten, blieb er
dort und wurde später Director des
Gartens des Herzogs von Palmela. Ab-
weichend von diesen Angaben wäre er
Director des botanischen Gartens in
Lissabon und Professor der Botanik da»
selbst geworden, was übrigens Alles gut
miteinander vereinbar ist, und habe sich
1833 auf Kosten der portugiesischen Re>
gierung nach Angola, einer Landschaft in
Niederguinea, welches mit Benguela ein
portugiesisches Generalgouvernement bil»
det, begeben. Seine damals und später,
4860, in Benguela gemachten botanischen
und zoologischen Sammlungen bereicher-
ten fast alle Museen und machten ihn zu
einem vorzüglichen Kenner der afrikani-
schen Flora. 1860 entdeckte er eine höchst
merkwürdige, bis dahin völlig unbekannte
Pflanze, welche nach ihm den Namen
^6lvvit8okill. uiii-adiliL erhielt und nicht
geringe Verwunderung in den natur-
geschichtlichen Kreisen erregte. Er fand
sie in Benguela, an der Westküste des
südlichen Afrika, in der Nähe des Cap ! Negro, unter etwa 13 Grad südlicher
! Breite. Sie gedeiht in dürrem Sand-
i boden, welcher monatelang keinen Regen
empfängt. Der von brauner rissiger
Borke bedeckte Stamm erhebt sich nur
wenige Zoll über den Boden. Es ist also
ein Zwergbaum, welcher bei einem oft
! vier Fuß messenden Diameter des Stam-
I mes nie über einen Fuß hoch sich über
der Erde erhebt und während seines
ganzen Lebens, das nicht selten ein
Jahrhundert überschreiten dürfte, immer,
fort die zwei ersten holzartigen Blätter
behält, welche er bei seinem Empor»
keimen angesetzt hat, und fernerhin nie
mehr ein anderes Blatt treibt. Das
ganze Gewächs sieht aus wie ein runder
Tisch, der etwa einen Fuß über dem ziem«
lich harten Sandboden hervorragt und
von dessen Rändern sich die zwei gegen»
überstehenden Blätter, die oft klafter»
lang und an zwei bis zweieinhalb Fuß
breit sind, über den Sandboden aus«
breiten; jedes derselben ist in viele Hand»
förmige Streifen zerschlitzt. Diese Pflanze
bildet demnach das beinahe einzig da»
stehende Beispiel eines Gewächses, das
nicht, wie die unendliche Zahl der Pflan-
zen, fort und fort neue vegetative Organe
erzeugt, sondern eine lange Lebensdauer,
riesige Größenverhältnifse und sehr viele
Jahre hindurch andauernde Fortpfian-
zungsfähigkeit nur durch die ununter-
brochene vegetative Thätigkeit der ein«
zigen zwei Blätter erlangt, die schon vor
der Reifung des Samens am Keimpftänz-
chen vorgebildet wurden. Abgesehen von
den Blüten und den aus der Umwand»
lung derselben entstehenden Früchten
entwickelt die Welwitschia keine neuen
Organe zu denen hinzu, welche schon der
Embryo besaß. In vegetativer Bezie-
hung bleibt sie ihr ganzes Leben hindurch
Keimpflanze. Später wurde diese äußerst
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Weil-Weninger, Volume 54
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Weil-Weninger
- Volume
- 54
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1886
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 346
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon