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MenckheiM) Joseph 270 ) Joseph
bezeichnete ihn ausdrücklich als Den-
jenigen, dem wesentlich das Gelingen
des ganzen Unternehmens zu danken
war. Der Lohn für diese Waffenthat be-
stand in der Beförderung zum Feld-
marschall-Lieutenant und in der Verlei»
hung des 33. Infanterie-Regiments, das
durch des früheren Inhabers, des Ge-
neralmajors Brentano Tod erledigt
war. Aber nicht lange sollte der tapfere
General dieser Würde sich erfreuen. Als
im Mai des folgenden Jahres gegen die
feindliche Stellung bei Courtray. Tour-
coing und Lille der allgemeine Angriff
der Verbündeten unternommen wurde,
welcher leider auch mißlang, fand Wenck-
heim gleich in den ersten Gefechtstagen
am j 1. Mai an der Spitze seiner Truppe
den rühmlichen Tod fürs Vaterland, und
zwar im Augenblicke, als er dieselbe
zur Standhaftigkeit im Kampfe auf»
forderte.
Neuer Nekrolog der Deutschen. Heraus-
gegeben von Fr. Aug. Schmidt (Ilmenau.
Voigt, 8".) 8. Jahrgang (l8'!0) S. !)04
Nr. 3«? (im Texte).
Wenckheim, Joseph Freiherr (Ober-
gespan des Arader Comitates, geb. zu
Hermannstadt am 22. November
1778, gest. zu Pesth am I.März l830).
Sein Vater Franz Taver ^siehe diesen
S. 269 j^ war ein ausgezeichneter General,
der sich den Maria Theresien Orden er>
kämpfte und den Kriegertod auf dem
Felde der Ehre fand. Die Mutter, Ka>
rol ine, war eine Tochter des Feld-
marschall-Lieutenants von Rosenfeld,
deffen Gattin der berühmten Familie der
Berlichingen entstammte. Durch das
Beispiel des Vaters angeeifert, erwählte
auch Freiherr Joseph den Soldaten-
stand zu seinem Berufe, aber auf die
inständigen Bitten der Mutter, die in ihm eine unentbehrliche Stütze zu sinden
hoffte und in der Folge auch fand, ver-
ließ er die eingeschlagene Laufbahn und
begann an der Wiener Universität daS
Studium der Rechte, nach dessen Been»
digung er im Verwaltungsdienste des
Preßburger Comitates prakticirte. Aber
das sollte nicht lange währen, denn als
1792 an den ungarischen Adel ein Auf-
gebot erging, trat er beim Insurrections-
corps des Preßburger Comitates als
Lieutenant ein. Nach dem Frieden von
Campoformio (1797) ging er als Prac-
ticant zur ungarischen Statthalterei. Als
er sich aber 1800, damals 22 Jahre alt,
vermalte, verließ er den Dienst und
übernahm von der Mutter die Verwal-
tung der Güter, sich nun ganz der land-
wirthschaftlichen Thätigkeit widmend.
Auf diesem bis dahin ihm fremden Ge«
biete half ihm sein rühriger Geist und
der ernste Willen über mannigfache Hin«
dernifse hinweg, die sich ihm anfangs
entgegenstellten, aber nach und nach
faßte er immer festeren Fuß und erwarb
sich das Vertrauen der Bevölkerung in
solchem Grade, daß ihn die Stände deS
B6k6ser Comitates wiederholt zu ihrem»
Repräsentanten auf dem Landtage er»
wählten. Dabei aber lag ihm die Sache
des Vaterlandes so sehr am Herzen, daß
er jedesmal, wenn die Insurrection zu
den Waffen rief, seinen Posten in der»
selben einnahm, und zwar 1803 als
Major im Biharer, 1809 als Oberstlieu-
tenant im Bököser und später als Oberst
im Torontaler Comitate. I n der darauf
folgenden Friedensepoche aber widmete
er sich ausschließlich der Verwaltung
seiner Güter und den Interessen seines
engeren Vaterlandes, trat in allen einiger«
maßen wichtigen Dingen in den Vorder»
gründ, half mit verhandeln und rathen
und ging selbst immer mit dem guten
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Weil-Weninger, Volume 54
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Weil-Weninger
- Volume
- 54
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1886
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 346
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon