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Wenger, Franz 279 Wenger, Franz
und Franz mußte das Handwerk des-
selben erlernen und statt des Meißels die
Zimmermannsaxt ergreifen. Nun nahte
die Zeit der Militärpfiichtigkeit. Damit er
dieser entgehe, nöthigten ihn die Eltern
zu heiraten; nach längerem Widerstreben
gab er endlich nach und trat in den
Stand der Ehe. Nun war er doch sein
eigener Herr, gab das Zimmermanns»
Handwerk auf und begann die Tischlerei
zu betreiben, wozu sich ihm bei seinem
Modellirtalent erfreulichere Aussichten
darboten. Während er fleißig im Zeich«
nen und Modelliren sich übte, verfertigte
er Kunstmöbel, Altare für Capellen,
wozu er die Bildhauerarbeit selbst aus»
führte; auch erlernte er von einem da»
mals in seinem Wohnorte verweilenden
Maler das Vergolden und Bemalen der
Figuren. Nun stand seinem Fortkommen
nichts im Wege, aber er hatte nicht an
die Gewerbeordnung gedacht'; für unbe»
fugte Ausübung seines Gewerbes wurde
ihm als Strafe eine ansehnliche Geld'
summe andictirt, und man consiscirte ihm
noch zum Neberflusse sämmtliche Werk-
zeuge. Nun klopfte die Noth von Neuem
an seine Thür, und um sein Dasein zu
fristen, begann er Tabakspfeifen, Stock-
knöpfe zu schnitzen, Gewehrschäfte mit
Thieren und Iagdgeräth zu schmücken;
aber auch dies ward ihm eingestellt, ihm
wiedet das Werkzeug abgenommen und
eine empfindliche Geldstrafe auferlegt.
So befano er sich denn mit Frau und
zwei Kindern in schlimmster Noth und
brachte sich als Holzknecht mit Holzfallen
im Walde kümmerlich fort. Bei dieser
Beschäftigung aber gerieth seine künst'
lerische Anlage von selbst auf den rechten
Weg, auf die Beobachtung der Natur.
Im Walde sah er Reh, Gemse, Hirsch in
ihren verschiedenartigsten Stellungen, der
alte Drang zum Zeichnen erwachte in ihm, und er zeichnete/'modellirte sie. Nun
gewann er auch der Beobachtung der
Hausthiere einen neuen Reiz ab, bildete
Pferde, Rinder u. s. w. in ihren versch'e-
denen Stellungen und Bewegungen nach,
führte sie in Holz aus, und bald wan«
derten seine mit großer Naturwahrheit
ausgeführten Thiergruppen in die Hände
reicher Engländer, welche sie gut be«
zahlten; schließlich gelangte^ seine Schnitz»
arbeiten in die Ausstellungen und er«
zielten erste Preise. Nun kam er auch den
gewerblichen Anforderungen zur Aus«
Übung seines Geschäftes nach, verband
sich mit seinem älteren Bruder und
arbeitete für Kirchen, fühlte Reftau»
rationen in großem Style aus, so in der
Pfarrkirche zu Oberhofen, und vollendete
neue Altäre, wie in der Pfarrkirche zu
Pischelsdorf im Innkreise und andere.
Endlich hatte er auch die Mittel bei»
sammen, um seinen längstgehegteir
Wunsch, eine Reise nach Wien, auszu-
führen. Er begab sich 4868 in die Resi«
denz und arbeitete daselbst längere Zeit
im Atelier des Professors Otto Koni g.
Im Sommer 1870 kehrte er nach Mond-
see zurück, und nun leitete er zuvörderst
den Bau der Villa des Schriftstellers
Friedrich Uhl, wobei er zugleich die Her«
stellung der ganzen inneren Einrichtung,
nebst der Restauration alterthümlicher
Möbel für dieselbe, besorgte. Diesem
Baue folgten bald mehrere andere, so
jene der Villen Samek, Anger er,
Ueiffenstein, Flatz, Feichtinger
in Mondsee und der Villa Fink in
Braunau, sämmtliche nach eigenen Ent-
würfen und Plänen in der äußeren und
inneren Ausstattung. In der Zwischen
zeit, im Herbst 1872, ging er nach Wien,
wo er im Mai 1873 im Auftrage des
Ministeriums eine Fachschule für Holz-
schnitzerei eröffnete. Später, wenn ich
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Weil-Weninger, Volume 54
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Weil-Weninger
- Volume
- 54
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1886
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 346
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon