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Mengerot 282 Mengerot
zum Lieutenant im l. Feldartillerie Regi-
mente befördert, wurde er gleichzeitig
dem Erzherzog Johann, damaligem
Reichsverweser zu Frankfurt a. M. zu»
getheilt, erhielt aber noch im nämlichen
Jahre die Professur für Geometrie und
die Artilleriegegenstände im k. k. Bom-
bardiercorps zu Wien. Auf sein Ansuchen
ward er 1830 in das Calcul' und Trian-
gulirungöbureau des militar-geographi-
schen Institutes und 1831 unter gleich-
zeitiger Beförderung zum Oberlieutenant
in das k. k. Ingenieur-Geographen^orps
übersetzt, in welchem er bis l834 als
Trigonometer in Tirol in Verwendung
stand. Als 1837 die Vorstandsstelle bei
der so wichtigen Preffenabtheilung des
militär.geographischen Institutes zu Wien
in Erledigung kam, richtete die Direction
auf Wengerot, der damals bereits
Hauptmann war, ihr Augenmerk, und
da er am polytechnischen Institute und
an der Hochschule in Wien Physik und
Chemie studirt hatte, wurde er zum Vor-
stand gedachter Abtheilung ernannt. Da
es ihm schwer siel. den seit Kindesbeinen
getragenen Soldatenrock abzulegen, über»
nahm er nur mit Widerstreben diese
Stellung, in welcher ihm als technischem
Gruppenvorstande die Abtheilungen der
Preffen, der Photographie, Heliogravüre,
Photolithographie, Galvanoplastik und
von 1876 ab auch jene für den Kupfer«
stich und die Lithographie unterstanden.
Nun aber entfaltete er eine ungemein ver»
dienstliche und ersprießliche Thätigkeit.
I n jedes Gebiet der kartographischen
Technik gründlichst eindringend, brachte
er es dahin, daß die Reproductions»
methoden des k. k. militär-geographischen
Institutes in Wien als mustergiltig im
In» und Auslande anerkannt wurden.
Da er selbst ein trefflicher Zeichner war,
bildete er sich bald durch Studium kartographischer Arbeiten ein gründliches
Nrtheil über dieselben und bemühte sich
unablässig, in der graphischen Technik
wichtige und dem Zwecke entsprechende
Verbesserungen einzuführen. Von diesen
letzteren seien erwähnt: das galvanische
Verstählen der Kupferdruckplatten zur
Grzielung einer größeren Zahl von Ab-
drücken nach einem eigenen Verfahren;
ferner die vortheilhafte Vervielfältigung
der Kreidezeichnung durch Umdruck; die
Ausführung des Farbendruckes auf den
Schnellpressen; die Anwendung der Ana-
statik auf die Vervielfältigung der Karten
nach einem speciellen Verfahren; die
Ausbildung der verschiedenen Photo-
metallographischen Verfahren, insbeson»
dere jenes der Heliogravüre, wodurch
er mit einer Sicherheit und Vollkom»
menheit bis dahin für unerreichbar ge-
haltene Resultate in der Kartenrepro»
duction erzielte, welchen in Fach«
kreisen die vollste Anerkennung zutheil
wurde; die zweckmäßige Einrichtung der
Schnellpressen mit Dampfbetrieb zur
möglichst schnellen Erzeugung von Kriegs»
karten in Mobilifirungsfällen u. m. a.
Die von ihm eingerichteten photographi»
schen und photochemischen Ateliers des
militär>qeographischen Institutes waren
eben Mustereinrichtungen ihrer Art, die
von Fachmännern studirt und nach-
geahmt wurden. Sein Tod riß eine nicht
leicht ausfüllbare Lücke in den Orga«
nismus eines Institutes, das seit jeher
zu den musterhaftesten des Continentes
zählt. Mit diesen seltenen Vorzügen des
Fachmannes verband Wengerot die
edelsten Eigenschaften des Menschen
überhaupt und des Vorgesetzten insbe-
sondere.
O esterreichi sch e (später österreichisch'unga»
rische) K u n st » C h r o n i k. Herausgegeben
und redigiri von Dr. Heinrich Kilddebo
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Weil-Weninger, Volume 54
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Weil-Weninger
- Volume
- 54
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1886
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 346
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon