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Wenig 292 Meninger
der katholischen Kirche und erregte zuerst
in weiteren Kreisen groĂźe Aufmerksam-
' keit durch seine 1866 gehaltene Necto»
rcttsrede, die auch unter dem Titel:
„Acker die Freiheit der Wi53en5chlltt" (Inns»
brĂĽck 1866) im Druck erschien. I n dieser
weniger umfang« als inhaltreichen Schrift
erklärt er: eine unumschränkte Freiheit
der Wissenschaft nicht einräumen zu kön-
nen — bestreitet, daß die Wissenschaft sich
selbst Zweck sei, da sie sonst souveräne
Gottheit wäre, was aber unstatthaft sei
— erblickt in der Freiheit der Wissen«
schaft nichts als die Freiheit zu irren —
erklärt die Voraussetzungslosigkeit der
Wissenschaft als Wahn und entdeckt die
bisher unbekannte Thatsache, daĂź Gior-
dano Bruno nur seiner Verbrechen,
nicht aber seiner Gelehrsamkeit wegen
auf dem Scheiterhaufen geendet habe —
im unendlichen Fortschritt sieht er einen
Widerspruch mit der Offenbarung, welche
feststellt, daĂź ein Ende der Zeiten kommen
werde. Diese Momente seiner Schrift
kennzeichnen genĂĽgend den Standpunkt,
den er in einer so wichtigen Frage, als
es die Freiheit der Wissenschaft ist, ein-
nimmt. Noch gab er unter dem Pseudo»
nym Theophilus Philaletes eine
zweite Schrift heraus, betitelt: „Veber die
Kirchliche nnd politische Inquisition. Gin Beitrag
;ur Klärung der Anschauungen über dieäen
Gegenstand" (Wien 4873, Sartori), welche
in wissenschaftlichen Kreisen so groĂźes
Aufsehen hervorrief, daĂź der Orden, dem
der Verfasser angehörte, den Schleier der
Anonymitat lĂĽften zu mĂĽssen glaubte.
Kuch diese Schrift war aus Vorträgen
entstanden, welche?. Wenig 1872 im
katholischen Casino zu Innsbruck gehalten
hatte. Er starb im besten Mannesalter
von 49 Jahren. Welche philosophischen
Ansichten und kirchlichen Dogmen sind mit
ihm bestattet worden! Deutscher Merkur. Organ fĂĽr katholische
Neformbewegung (Köln, Deutz und München,
4".) 20. November <873, Nr. 47: „Jesuit
?. Wenig als Vertheidiger der Inquisition".
— Neue Freie P reffe (Wiener politisches
Blatt) l7. Jänner 1872. Nr. 2637. Abendblatt:
„Die Iesuitenlehrcr in Innsbruck". — Die-
selbe. 3tt. October 1873, Nr. 4l)l7. S. 5.
in der „Kleinen Chronik".
Weninger, Franz Xaver (Priester
der Gesellschaft Jesu und Missionär,
geb. zu Wi ld haus in Steiermark am
31. October 4803). Nachdem er an der
Wiener Universität die theologischen Stu»
dien beendet und aus denselben auch die
DoctorwĂĽrde erlangt hatte, trat er im-
Alter von 28 Jahren zu Gratz in den
Orden der Gesellschaft Jesu, in welchem
er nach Ablegung der Gelübde zunächst
als Lehrer Verwendung fand. Mehrere
Jahre hindurch trug er zu Tarnopol in
Galizien philosophische Disciplinen, dann
zu Innsbruck in Tirol Theologie vor,
daselbst versah er auch das Predigtamt
und war im Beichtstuhle thätig. Als die
Bewegung des Jahres 1848 die Vertrei»
bung der Jesuiten aus den kaiserlichen
Staaten zur Folge hatte, wurde er von
seinem Orden als Missionär nach Ame>
rika geschickt. 1832 kam er in die Ver>
einigten Staaten, wo eu unter den
Deutschen eine Thätigkeit im Missions»
amte entwickelte, die geradezu nach den
erzielten Erfolgen ans Erstaunliche grenzt.
Dabei war seine Stellung eine nichts
weniger als ungefährliche; so, als er
während der Mission in St. Louis in
dem Stadttheile wohnte, in welchem die
meisten Religionsspötter seßhaft waren,
schoĂź Jemand eines Tages in dem Mo'
mente, da Weninger in sein Zimmer
trat, von auĂźen ein Kugel durchs Fenster.
„Wie das gemeint war", schreibt er selbst
zwar, „weiß ich nicht". Nun aber immer«
hin läßt es sich errathen. Er war lange
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Weil-Weninger, Volume 54
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Weil-Weninger
- Volume
- 54
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1886
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 346
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon