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Zandomeneghi Luigi 138 Zandomeneghi^ Luigi
Künstlern zu überlassen, die besser vom
Glück begünstigt waren als er. Endlich,
lAl2, gelang es ihm, die Leitung der >
Bildhauerschule am Arsenal zu eihalten; ^
aber der Sturz der italienischen Regie j
rung machte auch dieser Dienstleistung
ein Ende, und Zandomeneghi sah
nck wieder auf seiner Hände Arbeit ge-
stellt, deren Lohn kümmerlich genug aus»
fiel, wenn auch die Arbeiten selbst eines
Besseren vollauf würdig waren. Zunächst
führte er gegen Taglohn ein Vasrelief in
Marmor aus, das den „Triumph der
Religion" darstellte. Er arbeitete es im
Auftrage G. Battagl ia 's, es war zum
Geschenke für Papst Plus VI I . bestimmt
und wurde reichlich bezahlt. I n desselben
Künstlers Auftrage vollendete er zu den
Gesängen Ossian's Zeichnungen und
Stiche, welcke dann l817 ohne An-
gäbe seines Namens veröffentlicht wur»
den. Endlich hatte er doch so viel zurück»
gelegt, daß er sich 18ltt nach Rom be>
geben konnte, wo sich Canova des
jungen Bildhauers hilfreich annehmen
wollte. Aber in seinem Künstlerstolze
lehnte Luigi dessen Anerbieten ab und
suchte sich selbst helfen, ermuthigt durch
die Anerkennung feiner Leistungen, die
ihm allmälig zutheil wurde. Eine „mit
einem Delphin spielende Najade" rich-
tete zunächst die Aufmerksamkeit weiterer
Kreise auf den Künstler. Canova ,
T h o r w a l d s e n , Cicognara und
Andere würdigten das gelungene Werk,
das spater in den Besitz der Familie
Man fr in zu St. Artemio bei Treviso
gelangte. Auch Byron's volle Aner-
kennung fand dieses Werk, durch welches
der Dichter und der Bildhauer bald in
nähere Beziehungen traten. Dieser
Schöpfung folgte das Monument für
Fr. Pajo la, einen der berühmtesten
Steinschneider jener Tage, durch welches er sich zunächst die Aufnahme in das
Athenäum von Venedig und <8l9 die
Professur der Bildhauerkunst als Nach-
folger Pizzi's an der Akademie der bil-
denden Künste Venedigs errang. Nun
folgte eine stattliche Reihe von Bas«
reliefs, Statuen, Büsten und Gruppen,
von deren vorzüglichsten wir S. lo9 eine
Nebersicht geben. Doch erhob sich sein
schaffender Geist ebenfalls über die
Grenzen seiner Kunst: so ließ ihn ge-
lehrte Forschung mehrere mechanische In«
strumente erfinden, und zwar einen Com«
paß zur Skizzirung der Punkte einer Sta-
tue, und einen solchen für die ionische Vo^
luta, für welch letztere Erfindung er vom
Institut der Wissenschaften und Künste
in Venedig mit der goldenen Medaille
ausgezeichnet wurde, und einem von ihm
construirten Wagen zum Transporte
großer Massen über schwierige Wege
ohne Beihilfe von Rädern wurde der
Preis zuerkannt. Auch auf schriftstelleri-
schein Gebiete war Zandomeneghi
thatig, und ln einem Werke: „Ds? /is/Zo
ns^/a F>l'ttn?'« s ne?/a «on^UT'a", das er
1834 herauszugeben begann, vereinigte
er mehrere Abhandlungen über das
Schöne; dann schrieb er noch Vortrage
über Anatomie und Aesthetik. Alle diese
Bestrebungen fanden mannigfache Aner-
kennung und gewannen ihm die Freund-
schaft hervorragender Männer, unter
denen wir Agl ie t t i , Rauch, Tene>
r a n i , C a n e l l a , P i n d e m o n t e ,
F o s c o l o , Ca r re r , P e r t i c a r i ,
Monico, Ladislaus Pyrker, Hayez
nennen. Verschiedene Vereine der Künste
und Wissenschaften, so die Ateneen von
Trevijo und Bassano, die Oonooräi. von
Rovigo, die Akademien von Wien und
Mailand, die ^oaäeinig. ^.testina. und
die 0onFl6AÄ,2j.ans äs' virtuosi 2.1 ka,n-
teon äi lioirill.. erwählten ihn zum Mit»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Volume 59
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Wurmser-Zhuber
- Volume
- 59
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1890
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon